Neu im Kino : Mord und Mokkabohnen

An Rhein und Ruhr. Neu und doch nostalgisch: "Mord ist mein Geschäft, Liebling" ist eine etwas bemühte Krimi-Komödie voller Zitate mit Rick Kavanian, Nora Tschirner und Altstars wie Bud Spencer und Franco Nero.
Mord ist mein Geschäft, Liebling
Deutscher Kinostart: 26.02.2009
Regie: Sebastian Niemann
Darsteller: Rick Kavanian, Nora Tschirner, Bud Spencer, Franco Nero, Christian Tramitz u.a.
Ein italienischer Enthüllungs-Schriftsteller, der von der Mafia bedroht und kaltgestellt wird? Für Männer wie "Gomorrha"-Autor Roberto Saviano dürfte diese Geschichte nicht gerade zum Lachen sein. Aber so, wie sie Sebastian Niemann in seiner neuen, dabei recht altmodischen Krimi-Komödie "Mord ist mein Geschäft, Liebling" erzählt, muss man die Bedrohungslage auch nicht besonders ernst nehmen.
Verknallte Killer mit Schreibblockade Niemann nämlich orientiert sich stilistisch weit vor seiner Zeit, als Italien noch Sehnsuchts-Ziel allen elterlichen Fernwehs war und Mafia eine gutaussehende Ganovensippe aus Hollywood. "That´s Amore" dudelt der gute alte Dean-Martin-Song dazu, während sich schnittige kleine Sportwagen über schmale Serpentinenstraßen schlängeln, schlecht gelaunte Paten ihren Espresso süffeln und die Mädels Petticoatröcke mit großen Punken tragen.
Verlobte mit Vaterkomplex
Eigentlich verbindet den Auftragskilller Toni (Rick Kavanian) und die Verlagsangestellte Julia (Nora Tschirner) die Liebe zu Mokkabohnen. Aber Berliner Currywurst geht auch. (Foto: Warner)
Foto: nrz
Nora Tschirner beispielsweise, die als dunkelhaarige Nachfolgerin aller schusseligen Büro-Blondinen Auftragskiller Toni Ricardelli um den Finger wickelt, während dessen Mordopfer Enrio Puzzo dummerweise mit einem Schnürsenkel im Fensterrahmen hängenbleibt und seiner diskreten Beseitigung nun etwas verunglückt entgegenbaumelt.
Regisseur Niemann ("Hui Buh - Das Schlossgespenst") hingegen hat versucht, auf Nummer Sicher zu gehen und so ziemlich alles in seinen Film gepackt, was für einen Lacher gut sein könnte: Verklemmte Verlobte namens Bobfried, die ihre Vaterkomplexe beim Psychiater abladen. Hübsche Frauchen, die keine Straßenkarten lesen können und verknallte Killer mit Schreibblockade.
Veteranen-Treffen
Rick Kavanian (v.l.), Nora Tschirner und Bud Spencer bei der Premiere von "Mord ist mein Geschaeft, Liebling". (c) ddp
Foto: ddp
Rick Kavanian spielt diesen Mustermafioso Ricardelli in seiner ersten echten Hauptrolle mit dem charakteristischen Augenrollen seiner "Bully"-Auftritte, Kompagnon Christian Tramitz markiert den lustigsten Running Gag des Films mit dauernden Erdinger-Weißbier-Klingelton-Anrufen seines "Spatzels". Sogar der alte Haudrauf Bud Spencer kann all sein darstellerisches Gewicht noch mal in die Rolle des blinden Bösewichts werfen. Dazu kommen Auftritt von Fassbinder-Veteran Günter Kaufmann, dem im Kino derzeit dauerdämonischen Hans-Christian Rehberg und " Graf Yoster"-Butler Wolfgang Völz. Den Rest soll die detailverliebte Ausstattung und "Keinohrhasen"-Frau Nora Tschirner richten, deren frischer Charme sogar den etwas muffigen Retro-Look aufzulockern weiß.
Was der etwas angestrengten Mischung aus amerikanischem Screwball-Pingpong, italienischem Dolce Vita und deutschem Brachial-Slapstick fehlt, ist allerdings Originalität. Das etwas schale Ergebnis schmeckt mehr nach Tiefkühl-Komödie als nach Krimi-Trüffel. Auch wenn Mokkabohnen hier das wahre Liebesrezept sind. (NRZ)














