Geburtstag : Bud Spencer, der König der Hiebe wird 80

Rom. Mit seinem kongenialen Partner Terence Hill wurde er zum Meister der "Hau-Drauf-Komödie". Leistungsschwimmer, promovierter Jurist, kreatives Universaltalent: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wird 80 Jahre. Ans Aufhören denkt er aber noch nicht.
Was haben die Einwegzahnbürste mit integrierter Zahnpasta und die beidhändige Doppelbackpfeife gemeinsam? Sie stammen von einem Mann, der in seinen Filmen nach eigener Aussage mit rund 50 Wörtern auskam. Mehr nicht. Mit diesem Sprachschatz dürfte er knapp vor dem Nacktaugenkakadu liegen. Doch davon auf den Intellekt des Carlo Pedersoli zu schließen, wäre fatal.
Carlo Pedersoli ist promovierter Jurist, Unternehmer, Komponist, Sänger; er ist mehrmaliger italienischer Meister im Schwimmen, Olympiateilnehmer 1952 und Erfinder. Aber hauptberuflich ist Signore Pedersoli der Herrscher in der Welt der heißen Ohren. Der König der Hiebe sozusagen. Und die kennen ihn nur unter einem Namen: Bud Spencer.
Morgen wird der nicht nur körperlich breit aufgestellte Schauspieler 80 Jahre alt.
37 Jahre bis zum Ruhm
Bud Spencer
Star und Schwimmer
Bud Spencer drehte über 50 Kinofilme. Vorher hatte er schon einige andere Jobs gemacht, erst Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro, wohin seine Eltern ausgewandert waren, dann Bibliothekar, Vorarbeiter, Komponist, Sänger. Bud Spencer ist promovierter Jurist und Leistungsschwimmer. Er nahm mehrfach an Olympischen Spielen teil und wurde sieben Jahre in Folge italienischer Meister im Brustschwimmen.
Am 31. Oktober 1929 kommt der Industriellen-Sohn Carlo Pedersoli in Neapel zur Welt. Und bis er in rund 100 Filmen als wortkarger wie schwergewichtiger Haudrauf Ohrfeigen en masse verteilt, sollen noch einige Jahre vergehen - 37 um genau zu sein. Vorher wandert er mit seiner Familie nach Südamerika aus, arbeitet am Fließband und in der italienischen Botschaft. Er kehrt nach Italien zurück, schwimmt sich von Erfolg zu Erfolg, studiert Jura, fliegt wieder nach Südamerika, arbeitet auf dem Bau und freundet sich mit revolutionärem Gedankengut an. 1960 heiratet er in Rom die Filmproduzenten-Tochter Maria Amato. Und setzt damit eher zufällig einen Fuß ins Filmgeschäft.
Beim Dreh zu „Gott vergibt...Django nie” lernt Carlo Pedersoli einen Kollegen namens Mario Girotti kennen.
Eine, nun ja, durchschlagende Bekanntschaft: An seiner Seite gibt Pedersoli erstmals den schmallippigen, gutmütigen Radaubruder, der mit seinen Ohrfeigen zum Helden eines jeden Grundschülers aufsteigt. Bud Spencer und Terence Hill sind geboren.
„Hau-Drauf-Komödie”
Bud Spencer mit Rick Kavanian und Nora Tschirner bei der Premiere von "Mord ist mein Geschäft, Liebling". (c) ddp
Foto: ddp
Es sind die 70er-Jahre, die Zeit der Telespiele, der Bonanza-Räder und des Spaghetti-Westerns. Dem Spencer und Hill mit flapsigen Sprüchen und schlagkräftigen Argumenten ihren eigenen Stempel aufdrücken. Ein Beispiel gefällig? „Wenn du noch mal mit den Augen zwinkerst, zwinker ich mit den Fingern.” Danach folgt gewöhnlich eine Schlägerei, die klingt, als würde pausenlos eine Peitsche knallen.
Das Duo persifliert mit Filmen wie „Die rechte und die linke Hand des Teufels” oder „Vier Fäuste für ein Halleluja” das lange Zeit allerheiligste Genre der US-Filmindustrie. Und kreiert gleichzeitig eine Filmform, die bald den Namen „Hau-Drauf-Komödie” erhält. Ein Ärgernis für Hollywood - und offensichtlich ein Spaß für die Kinobesucher. Die strömen in Scharen in das raffinessenfreie Gedresche und machen die sympathischen Hauptdarsteller zum erfolgreichsten Filmgespann der 70er-Jahre.
Heute macht er nur die Faust in der Tasche
Noch heute ist der dreifache Vater darauf stolz, dass in all ihren Filmen nie ein Tropfen Blut floss. Deshalb könnten auch Kinder herzhaft darüber lachen: „Ich habe nie Angst verbreitet.” Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Filme im gefühlten Dreimonatszyklus im Vorabendprogramm irgendeines Kabelsenders auftauchen.
Nach insgesamt 16 Filmen war allerdings Schluss mit der Zusammenarbeit. Vorerst. Stattdessen prügelte sich Bud Spencer in seiner „Plattfuß-Reihe” als neapolitanischer Kommissar Rizzo über den halben Erdball oder schlug sich als Banana-Joe mit windigen Geschäftsleuten herum.
Die Zeiten sind nun aber endgültig vorbei. „Es wäre lächerlich, wenn ich in meinen Filmen heute noch so prügeln würde wie früher.” Heute macht Signore Pedersoli nur noch eine Faust in der Tasche - und plant einen neuen Film. Und diesmal soll auch Terence Hill wieder dabei sein.















