Film „Hedi Schneider steckt fest“ müsste mutiger sein

Was wir bereits wissen
Eine Komödie, die mit Angst umgeht, braucht mehr Mut: Die Schauspieler dieses sparsam produzierten Films können diesen Makel nicht wieder wett machen.

Essen.. Depression und Angst­attacken sind keine Geburtsfehler, sondern Krankheitsbilder, konkret und behandelbar. So wird ein Kinobesuch in dieser Woche höchst lehrreich, wenn es um den deutschen Film „Hedi Schneider steckt fest“ geht. Die Titelheldin ist eine junge Ehefrau und Mutter mit Halbtagsjob im Büro. Als eines Morgens der Aufzug stecken bleibt, verfällt Hedi nicht etwa in Hysterie; im Gegenteil, sie nimmt die Lage mit Bedacht und Humor und entnervt genau damit den Mann von der Störstelle, mit dem sie per Knopfdruck kommuniziert.

Kurz darauf im Büro und später zu Hause aber sind es ganz nebensächlich scheinende Ereignisse, die Hedi aus der Bahn werfen. Der Ehemann nimmt sich – noch – gern der Dreifachbelastung mit Haushalt, Kind und Beruf an, sagt sogar einen lange geplanten Auslandsaufenthalt ab. Aber weder sein Bemühen noch die praktischen Vorschläge der Mutter bringen Hedi zurück ins gewohnte Gleis. Und die Medikamente zeigen bei zufällig falsch gewählter Dosierung schon gar nicht die gewünschte Wirkung.

Ohne Effekthascherei und falschen Tränendruck

Laura Tonke, 1997 bei Tom Tykwer („Winterschläfer“) und Oskar Roehler („Silvester Countdown“) als aufregendes neues Kinogesicht gefeiert, zeigt eine sensible, intensive Darstellerleistung in der Titelrolle, ohne dabei in Effekthascherei und falschen Tränendruck zu verfallen. Überhaupt sind es nicht die Schauspieler, die in diesem sparsam produzierten Film nur verhaltene Freude am Kinoerlebnis aufkommen lassen.

Filmautorin Sonja Heiss verfolgt nach der wenig gesehenen Rucksacktourismus-Komödie „Hotel Very Welcome“ auch diesmal eine Erzählstrategie des Tragikomischen, was einen unentschlossen wirkenden Schlingerkurs zur Folge hat, bei dem sich die Stilmittel auf die Füße treten. Eine Komödie, die mit Angst umgeht, braucht mehr Mut. Seit „Ziemlich beste Freunde“ weiß man doch: Das Publikum schafft das schon.