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Film „24 Wochen“ bei der Berlinale mit Gewinner-Potenzial

14.02.2016 | 17:49 Uhr
Film „24 Wochen“ bei der Berlinale mit Gewinner-Potenzial
Schauspielerin Julia Jentsch erspielt sich bei der Berlinale Bären-Chancen.Foto: Britta Pedersen

Berlin.   Das Abtreibungsdrama "24 Wochen" entpuppt sich auf der Berlinale als Überraschungshit. Julia Jentsch und Bjarne Mädel glänzen in ihren Rollen.

Südwestfälischer Künstlertreff am Rande der Berlinale: Antje Antonik, Helmut Kraus und Holger Heubner sind schon seit vielen Jahren ebenso kreativ wie erfolgreich in Berlin berufstätig. Ihre Wurzeln aber haben sie in den Sauerland-Orten Finnentrop, Windhausen und Attendorn. Und ins Sauerland kommen sie im nächsten Monat für ein außergewöhnliches Kunstprojekt zurück, das Oliver Rüsche, Kurator beim Kunstverein Südsauerland und gegenwärtig einmal mehr erfolgreicher Berlinale-Caterer, aufgetan hat: Am 18. März wird nun in einem ehemaligen Drogeriemarkt in Finnentrop für zwei Wochen das „Amt für Apokalyptische Aufklärung“ (AfAA) sein Büro eröffnen.

Multimediales Rollenspiel

Unterstützt wird die Einrichtung von der „Ethno-Maieutik & Reduce Ltd“, einer fiktiven Beraterfirma für Top-Management-Angelegenheiten. Das künstlich-kunstvolle Weltuntergangsszenario, dargestellt mit den unterschiedlichsten Mitteln alter und neuer Medien, haben sich die drei Wahlberliner höchst komplex erdacht und daraus eine Art multimediales Rollenspiel mit verblüffendem Echtheitscharakter entwickelt. Mehr zu diesem verwirrend-faszinierenden Projekt, das unserer Zeitung in der Spiegelzelt-Restauration der Berlinale vorab exklusiv näher gebracht worden ist, werden wir in den nächsten Tagen an dieser Stelle noch ausführlich vorstellen.

Für das eigentliche Festival-Programm haben die drei Konzeptkünstler aufgrund der heißen Vorbereitungsphase für ihr Sauerland-Projekt keine Zeit, und so verpassen sie den einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag „24 Wochen“.

Der Film entpuppt sich als absoluter Überraschungshit mit klarem Gewinner-Potenzial. Und zwar nicht nur als am Ende vielleicht tatsächlich bester Film der Berlinale, sondern auch mit einem herausragenden Schauspielerduo: Julia Jentsch, die schon bei dem Altena-Drama „Noch einmal“ im Nebenprogramm des Filmfest geglänzt hat, und der TV-bekannte Bjarne Mädel spielen ein anfangs glückliches Paar, das sich auf sein zweites Kind freut. Doch schon früh in der Schwangerschaft wird klar, dass der Junge ein Down-Syndrom haben wird, später wird auch noch ein lebensgefährlich schwerer Herzfehler diagnostiziert.

Die 33-jährige Nachwuchsregisseurin Anne Zohra Berrached zeichnet hier für eine unglaublich authentische Atmosphäre verantwortlich. Sie hat den Film selbstbewusst als ihre Studentendiplom-Arbeit von der Filmakademie Baden-Württemberg eingereicht, dieses aber sicherheitshalber der Festival-Vorab-Jury verschwiegen, um nicht als Newcomerin gleich abqualifiziert zu werden.

Grenzerfahrungen reflektiert

Jetzt feiert die Berlinale eine wirklich ergreifend umgesetzte Geschichte um Verantwortung und Gewissen, um ethische Grundsätze, christliche Wertvorstellungen und menschliche Entscheidungsfähigkeiten. Es ist ein aufwühlender Film, gerade auch, weil er nicht vorschnell und belehrend Partei ergreift, sondern Unsicherheiten und Ungewissheiten bewusst zulässt. „24 Wochen“ verzichtet auf Klischees und Zeigefinger-Pädagogik. Er reflektiert Grenzerfahrungen in nachvollziehbarem Maßstab. Dafür gebührt der Regisseurin und den beiden Hauptdarstellern Dank und Respekt – und hoffentlich auch eine Bären-Auszeichnung.

Andreas Thiemann

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2016-02-14 17:49
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