"Zimmer frei": Knatsch & Jubelstimmung
11.10.2009 | 08:18 Uhr 2009-10-11T08:18:00+0200
Essen. Es hätte so schön können. Doch ausgerechnet vor der 500. Sendung der Klamaukshow "Zimmer frei" (Sonntag, 11. Oktober, WDR, ab 21.45 Uhr) gab es Knatsch: Der WDR verbannte einen Auftritt des Anarcho-Satirikers Martin Sonneborn kurzfristig ins Archiv.
Wie Sendersprecherin Kristina Bausch unserer Zeitung sagte, sei mit "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn abgesprochen worden, eben nicht als Vorsitzender der "Partei" in die Show zu gehen. Diese Rolle hätte nach Ansicht des WDR nicht über 60 Minuten getragen. Kristina Bausch: "Entgegen der Absprache ist Herr Sonneborn dann aber genau als diese Figur in die Sendung gegangen." Das Ergebnis sei "für beide Seiten alles andere als zufriedenstellend" gewesen.
Zoff um GEZ
Sonneborn hingegen erklärte im Gespräch, erst auf eigene Anfrage hin habe er erfahren, dass die Ausgabe mit ihm als Gast nicht gesendet werde. Dem WDR habe wohl nicht gepasst, dass er vor laufender Kamera erzählt habe, keine Rundfunkgebühren zu zahlen. Zudem habe zwischen ihm und Moderatorin Christine Westermann die Chemie nicht gestimmt.
Jetzt setzt die Aufzeichnung im Archiv Staub an. Ob sie später ausgestrahlt wird, steht dahin.
Schnapsideen treffen Bierernst
Schade. Denn "Zimmer frei" gehört zu den muntersten Unterhaltungssendungen im deutschen Fernsehen überhaupt. Seit Juli 1996 suchen Götz Alsmann und Christine Westermann Mitbewohner für eine vorgebliche WG. Der zur Sendung gewordene Studenten-Jux von WDR-Redakteur Stefan Quante lebt maßgeblich davon, dass Schnapsideen mit Bierernst kollidieren. Mehr noch: Die Atmosphäre bei Abendmahl, Hausmusik und Ulkspielen wirkt im Vergleich zum sonst eher schwerblütigen WDR-Programm richtiggehend keck.
So keck, dass manchmal sogar die Gäste zicken. Moderator Cherno Jabatabey, beispielsweise, fand nur wenig Gefallen an den Anspielungen auf seine frühere Schreib- und Leseschwäche, die von Buchstabensuppe bis Scrabble reichten. Vier Jahre lang schmorte die Folge im Archiv, bis sie endlich, 2003, gezeigt werden durfte.
Im Ersten sind die Türen zu
Derlei Ungemach dürfte dem Duo Als- und Westermann bei der Jubiläumsausgabe kaum drohen. Als Gast erwarten die beiden Hubertus Meyer-Burckhardt. Er ist nicht nur als TV-Produzent und Medienprofessor ein ausgebuffter Profi. Obendrein moderiert er, an der Seite von Barbara Schöneberger, für den NDR Talkshows.
Die Show ist eingebettet in eine "Zimmer frei"-Nacht. Sie beginnt um 21.45 Uhr mit einem Blick hinter die Kulissen der Show. Ausgabe 500 folgt eine Stunde später. Zu später Stunde, ab 0.15 Uhr, werden zudem sechs Folgen wiederholt. Bruce Darnell, Ina Müller, Matthias Brandt, Dieter Thomas Heck, Simone Thomalla und Natalia Wörner geben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand.
Nur eines hat "Zimmer frei" in all den Jahren nicht geschafft: Im Ersten blieben die Türen zu. Über eine Probephase kam der WG-Klamauk nie hinaus.
17:45
Ich liebe Zimmer frei ! Und ich hoffe sie bleibt dem WDR erhalten und es gibt keine Übersiedelung zur ARD. Das hat bisher noch keiner ehemaligen WDR Sendung gut getan. Hätte die Folge mit Martin Sonneborn gern gesehen. Und eines hat er sogar mit Dieter Bohlen gemeinsam: der fordert in einem Focus Interview auch die Abschaffung der Rundfunkgebühren ;-) Und jetzt noch: Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team von Zimmer frei. Weiter so Leute auf die nächsten 500 Sendungen :-)
15:26
Seltsam, die halbe Nation schreibt sich die Finger wund, wenn Schalke gegen Dortmund spielt, aber eine der etabliertesten Sendungen wird nicht kommentiert. Entweder, die Zuschauer solcher Sendungen lesen keine WAZ, oder sie stimmen der Analyse zu.
Zimmer frei ist auf jeden Fall authentisch, das können nicht mehr allzu viele Formate von sich behaupten.