ZDF-Intendant Markus Schächter über die digitale Zukunft
24.03.2009 | 07:19 Uhr 2009-03-24T07:19:00+0100
Mainz. Das ZDF sieht Fernsehen als „Leitmedium auf Bewährung“, wie heuer das Motto der Mainzer Tage der Fernsehkritik lautet.
Tatsächlich war das ZDF – Hessens Ministerpräsident Koch hin, Chefredakteur Brender her – zuletzt ein Leidmedium. Kein Wunder, dass ZDF-Intendant Markus Schächter gestern zum Auftakt der Fachtagung auf gespanntes Interesse stieß, als er eine Personalfrage ansprach.
Allein, sie betraf den scheidenden ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke. Der 64-jährige Westfale scheidet im Sommer nach 30-jähriger Arbeit fürs Fernsehen aus. Die Frage, ob das Verhältnis zwischen Politik und Fernsehen auch im herausziehenden Digital-Zeitalter spannend bleibe, beantwortete Schächter denkbar knapp mit: „Ja.“
Aufbau einer digitalen Senderfamilie
Das digitale Zeitalter beginnt für das Zweite am 1. Mai. Der Rundfunkstaatsvertrag erlaubt den Mainzern den Aufbau einer digitalen Senderfamilie. Schächter kündigte den Start von drei Kanälen an, die dem ZDF, das der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma einst als „Kukident-Sender“ schmähte, vor allem eines bescheren soll: ein junges Publikum.
- Die Mannschaft von Chefredakteur Brender, allen voran das „heute-journal“, soll Nachrichten und Hintergründe für den ZDF-Infokanal liefern.
- Der ZDF-Familienkanal soll ein frisch zusammen gestelltes Programm mit Serien und Spielfilmen bieten.
- Schächter versprach, drittens, der ZDF-Kulturkanal bringe populäre Kultur künftig zur besten Sendezeit. Als Formel fürs Programm nannte er: „Hefe statt Hochamt.“
Noch spielen Digitalkanäle, ohne Frage, keine große Rolle beim Publikum. Aber das ändert sich innerhalb der nächsten zwei Jahre. Und das hängt mit dem Ende des herkömmlichen TV-Zeitalters mit seinen analogen Bildern zusammen. Die Zukunft des Fernsehens heißt HD, High Digital. Bilder in HDTV-Qualität versprechen eine bisher ungekannte Schärfe und Brillanz.
Aufsplitterung des TV-Marktes
Das ZDF werde bereits in diesem Sommer Bilder von der Leichtathletik-WM in HD-Auflösung zeigen, künftigte Schächter an. Die Olympischen Winterspiele in Vancouver, Kanada, markieren Schächter zufolge den Einstieg in ein flächendeckendes HDTV-Angebot. Bereits in zwei Jahren, 2012, soll die Umstellung auf den digitalen Fernsehempfang abgeschlossen sein.
Die Digitalisierung verstärkt einen Trend, der bereits seit Jahren zu beobachten ist: die Aufsplitterung des TV-Marktes. Dickschiffe wie das ZDF werden zugunsten kleiner Sender Marktanteile verlieren. Umgekehrt profitieren Nischenfunker mit Spezialangeboten. Und das ZDF will mit den drei digitalen Spartensendern zu den Gewinnern der Entwicklung gehören.
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