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DDR-Film

ZDF dreht in Berlin das DDR-Drama "Zwischen den Zeiten"

04.11.2013 | 13:00 Uhr
ZDF dreht in Berlin das DDR-Drama "Zwischen den Zeiten"
Marcus Mittermeier (links) und Sophie von Kessel spielen bei "Zwischen den Zeiten" mit.Foto: dpa

Berlin.  Das ZDF dreht gerade am Drama "Zwischen den Zeiten": An einer Autobahn-Raststätte in der DDR wird ein Schüler verhaftet. Seine Liebe fährt weiter - in den Westen. Nach dem Mauerfall holt die Vergangenheit beide ein. Der Film soll 2014 im ZDF gezeigt werden - 25 Jahre nach dem Mauerfall.

Trennung, Verrat, Liebe, Erpressung und die Stasi - der ZDF-Film "Zwischen den Zeiten" hat die Zutaten für ein großes Drama. Beim Dreh in einer Büroetage nahe dem Potsdamer Platz in Berlin sieht es aber eher nüchtern aus. Zwischen grauen Regalen und Schreibtischen werden Szenen in der Stasi-Unterlagen-Behörde gefilmt. In den Original-Räumen wäre es zu eng gewesen, zudem sei die Aussicht hier besser, sagt Produzent Ivo-Alexander Beck. Der Film soll im kommenden Jahr im Zweiten gezeigt werden - 25 Jahre nach dem Mauerfall.

Sophie von Kessel spielt die westdeutsche Ingenieurin Annette, die mit ihrem Team am Fraunhofer Institut die Rekonstruktion zerrissener Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit vorantreiben soll. Dabei stößt sie auf ein Foto ihrer Jugendliebe Michael, den sie einst auf einer Klassenfahrt in die DDR kennenlernte. Seine Flucht in den Westen scheiterte, die Stasi fing ihn ab. Bei Annette setzt sich ein Gefühlskarussell in Gang.

Geschichte um eine Frau zwischen zwei Männern

"An der Figur ist vieles nachvollziehbar - das ist eine sensible, dünnhäutige Frau, die mit den Schuldgefühlen in ihrer Biografie kämpft", sagt die 45-jährige von Kessel, die zwischen den Drehs in Berlin und Potsdam auch auf der Theaterbühne in Paris gestanden hatte. Es sei zwar nicht der erste Film zur deutsch-deutschen Vergangenheit. Doch bei "Zwischen den Zeiten" könnten viele andocken, ist sie überzeugt. "Eine Frau zwischen zwei Männern, das ist generationsübergreifend."

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Benjamin Sadler spielt Michael, der vom Opfer der Staatssicherheit zum Spitzel wird. Die Rolle habe viele Fragen für ihn aufgeworfen, sagt der 42-Jährige. Wie wird einer zum Stasi-IM (Inoffizieller Mitarbeiter)? Wie hätte man sich selbst verhalten, wenn es ums Überleben geht? Kommt man mit dem Wissen zurecht, das Leben anderer verpfuscht zu haben? Ihm gehe es um die Zwischentöne, meint Sadler.

Drehbuch ist von einem authentischen Fall inspiriert

Der Schauspieler zeigt sich aber auch beeindruckt von Menschen, die in den Knast kamen, weil sie Nein zur Stasi sagten. Nachdenklich sagt der 42-Jährige, bei der Aufarbeitung der Vergangenheit müsse noch mehr passieren. Er halte nichts davon, jetzt den Deckel drauf zu setzen oder zu romantisieren, wie gut doch die Kinderbetreuung in der DDR gewesen sei. Er würde der Stasi-Unterlagen-Behörde Bestandsschutz geben - "für ewig".

Das Drehbuch stammt von Sarah Schnier und Carl-Christian Demke. Sie hätten sich von einem authentischen Fall inspirieren lassen, sagt Produzent Beck von Ninety-Minute Film. Ergänzend zu dem Streifen sei auch eine Dokumentation zur Rekonstruktion der Stasi-Unterlagen geplant, kündigt der 48-Jährige an.

Die Reißwölfe liefen heiß

Forscher des Fraunhofer Instituts arbeiten im Auftrag der Stasi-Unterlagen-Behörde seit Jahren an dem gigantischen Puzzle, mit dem zerfetzte Unterlagen aus mehr als 15.000 Säcken elektronisch zusammengesetzt werden sollen. Filmszenen seien auch in dem Berliner Institut gedreht worden, sagt Beck.

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Die Stasi hatte es im Herbst 1989 nicht mehr geschafft, ihre Unterlagen komplett zu vernichten. Reißwölfe liefen heiß, zum Schluss rissen Offiziere per Hand die Papiere auseinander. Bürgerrechtler retteten sie vor der Vernichtung.

"Jeder, der ernsthaft bereut, verdient eine zweite Chance"

Produzent Beck lobt die Zusammenarbeit mit dem Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn. Er habe den früheren DDR-Oppositionellen für das Filmprojekt zweimal getroffen.

Noch vor ein paar Jahren habe er gedacht, die Stasi verdiene absolut keine Gnade, betont Beck. So ein Film wäre für ihn damals nicht machbar gewesen. Er sei Anfang 1989 über Ungarn selbst aus der DDR in den Westen geflüchtet. "Inzwischen finde ich: Jeder, der ernsthaft bereut und sich ehrlich entschuldigt, hat eine zweite Chance verdient." (dpa)

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2013-11-04 13:00
DDR, Stasi, Verfilmung, ZDF, Inoffizielle Mitarbeiter, Unterlagen, Akten, Ministerium für Staatssicherheit,
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