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Wolfgang Menge: Ein Meister der Provokation

09.04.2009 | 00:40 Uhr

Essen. Der Fernsehvisionär Wolfgang Menge, Erfinder von "Stahlnetz"und "Ekel Alfred" blickte mit dem "Millionenspiel" in eine düstere TV-Zukunft. An Karfreitag wird Menge 85 Jahre alt.

Visionär: Verfolgt von elektronischen Live-Kameras, angefeuert von den Kommandos der Regie-Zentrale - im "Millionenspiel" winkt im Überlebensfall eine Million in bar. Dieter Hallervorden als Köhler, dem Chef der Verfolgerbande. © WDR

Menschen wie Menge, Wolfgang Menge – irgendwie gibt's die heute nicht mehr. Er ist die Ausnahme unter den Fernseh- und Drehbuchautoren, ein Mann, dessen Arbeiten man im Hinterkopf hat. Die Kultserie „Ein Herz und eine Seele” mit Ekel Alfred. Und auch „Das Millionenspiel”. Er ist einer, der unauslöschliche Spuren hinterlassen hat in der kurzlebigen Fernsehwelt - und was für welche. Jetzt ist es Zeit zu gratulieren, denn am Karfreitag wird Wolfgang Menge 85.

Und immer - das ist ihm hoch anzurechnen - hat er nebenbei auch abgerechnet mit all dem, was ihm nicht gepasst hat. Kritik am Fernsehen und seinen Inhalten - für ihn ebenso eine Selbstverständlichkeit wie eine leichte Übung.

92 Prozent Einschaltquote

Er überzeugte mit seinen Filmen. Bis zu 92 Prozent Einschaltquote erreichte er in den 50er und 60er Jahren mit der legendären Krimiserie „Stahlnetz”. Menge schrieb die Drehbücher, Jürgen Roland führte Regie. Mit „Stahlnetz” wurden beide schlagartig berühmt.

Die Reihe ist ein Stück TV-Wertarbeit, der 1970 ein Meisterwerk folgen sollte, mit dem Menge einen der größten Fernsehskandale überhaupt provozierte. Zu einer Zeit, als es in Deutschland nur ARD, ZDF und Dritte Programme gab, nahm er mit der fiktiven Fernsehsatire „Das Millionenspiel” Entwicklungen wie Privatfernsehen und Reality-TV vorweg und schilderte bis heute nicht erreichte Auswüchse.

Blick in die Zukunft

Dieter Thomas Heck als Millionenspiel-Moderator Tilo Uhlenhorst im Studio. © WDR

In einer Live-Show, so das Thema des Films, jagen Killer einen Mann. Wer ihn tötet, erhält 120.000 Mark. Wenn er eine Woche überlebt, bekommt er selbst eine Million. Zahllose Zuschauer hielten die gnadenlose Jagd für Realität. Dieter Thomas Heck spielte den Moderator, Jörg Pleva den Gejagten, Dieter Hallervorden den Chef der Verfolger.

Menge, der vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten hat, ist mit seinen Arbeiten auch heute noch relevant. Wieder einmal wiederholt der WDR derzeit die „Ekel Alfred”-Geschichten (sonntagabends), und Filme wie „Das Millionenspiel” oder der Umwelt-Thriller „Smog” sind gerade als DVD (Studio Hamburg / ARD Video) erschienen - pünktlich zum 85. Geburtstag.

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Karlheinz Burandt

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