Fernsehen
Wie Martin Sonneborn bei "Zimmer frei!" den Fiesling gab
23.10.2009 | 09:32 Uhr 2009-10-23T09:32:00+0200
Düsseldorf. Eigentlich sollte die „Zimmer frei“-Folge mit Martin Sonneborn für immer im WDR-Archiv verschwinden. Nach Zuschauerprotesten lief sie zur Geisterstunde doch noch. Zu sehen war die Kollision völlig unterschiedlicher Humorauffassungen.
Ein bisschen naiv war das Ganze schon. Glaubte die Redaktion von „Zimmer frei“ ernsthaft, Oberzyniker Martin Sonneborn würde sich in die harmlos-menschelnde Welt ihrer Sendung einfügen? Würde mit ihnen sprichwortraten, Krimis lösen und sich in eine imaginäre WG wählen lassen? Wohl kaum. Viel wahrscheinlicher war es, dass der ehemalige Titanic-Chef die Sendung unterwandern und als Satireplattform benutzen würde.
Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Vor ein paar Wochen hatte Sonneborn eine Veranstaltung von Hape Kerkeling in Berlin gestürmt, um für seine „Partei“ zu werben. Zwar wurde er nach kurzer Zeit aus dem Saal geworfen, den gewünschten Pressewirbel gab es natürlich trotzdem.
Bei „Zimmer frei“ sollte Sonneborn als Privatmann auftreten, mimte aber meist den „Partei“-Chef. Mit der Ironie des Auftritts war Co-Moderatorin Christine Westermann sichtlich überfordert. Sonneborns (an sich großartige) Parodie eines überheblich-schmierigen Machtpolitikers stieß auf Unverständnis bei den Gesprächspartnern. Die Temperatur am „Zimmer frei“-Tisch kam über den Gefrierpunkt selten hinaus, an einer Stelle wetterte Westermann sogar: „Ich würde Sie ausschalten!“ Die Spielshow-Einlagen halfen über manch peinliche Gesprächspause hinweg; insgesamt wirkte es allerdings, als sei ein Atheist auf dem Kirchtag zu Gast.
Kommunikative Leerstelle
Westermann hatte es befürchtet. Vor der Sendung hatte sie Sonneborn angeblich mit den Worten begrüßt: „Ich habe ein bisschen Angst vor ihnen.“ Antwort: „Das beruht auf Gegenseitigkeit.“ Auch Kollege Alsmann zog beim schlagfertigen Sonneborn mehrfach den kürzeren und hatte Schwierigkeiten mit einem Gast, der es buchstäblich darauf anlegte, bei Publikum und Moderatoren anzuecken.
Für das kuschelgewohnte „Zimmer frei“-Stammpublikum dürfte das Ganze ein Kulturschock gewesen sein. Doch auch für Sonneborn- und Titanic-Fans war die Folge mehr kommunikative Leerstelle als Unterhaltung. Eine Ausnahme bildete der Hausbesuch an Sonneborns ehemaligem Arbeitsplatz, der Titanic-Redaktion. „Hier ist noch alles, wie Martin es verlassen hat“, kommentierte Kollege Oliver Maria Schmitt, zeigte auf den „Gebetsteppich“ mit Gaddafi-Konterfei, Pornovideos in der Schublade („Die muss er noch rezensieren“) und erklärte die Handschellen am Tisch („damit die Redakteure nicht abhauen“).
Am Ende war „Zimmer frei“ mit Martin Sonneborn sicher kein Skandal. Eher eine Dokumentation über gestörte Kommunikation und zwei grundverschiedene Auffassungen von Humor.
Die komplette Sendung gibt es zum Nachgucken beim WDR im Netz.
16:16
Ach, naja, Kulturschock wohl weniger.
Eher befremdlich, wie unlustig und steif ein Satiriker sein kann, wenn er in ungewohnter Umgebung agieren muß. Sich da auf die sichere Plattform Rollenspiel zurückzuziehen, ist keine Kunst.
Die Moderatoren haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, den Ironiker locker zu machen.
Leider ohne Erfolg.
00:31
Westermann hat im TV nichts verloren, sie hat wohl das vom WDR gewünschte Parteibuch, anders kann man diese Gülle nicht erklären.
02:11
Da hat der Ponyman alias Aufnahmeleiter der Sendung Blut und Wasser geschwitzt.
Finds jedenfalls gut das die Redakton entblöst wurde.
Selbst dran schuld wenn man sich so jemanden einläd.
22:23
Eine wunderbare Medienentarnung. Auf - zugegebenermaßen - hohem Niveau passte sich Sonneborn nicht dem erwarteten Normen der WDR Redaktion an und verband satirische Medienkritik mit politisch-gesellschaftlicher Verhöhnung. Es ist verständlich, dass diese Art von Humor (ernsthaft und misanthropisch) eine Menge an Medienkompetenz und Metawissen voraussetzt und dadurch Missverständnisse auftreten können. Frau Westermann reagierte leider über und fand nicht die Distanz zu ihrer Erwartungshaltung und besagten nötigen Kompetenzen, sodaß Frau Westermann ohne ironischer Brechung tief ausholte. Schade
21:32
Dass Frau Westermann vieles etwas spät kapiert und teilweise recht langweilig rüberkommt, ist das eine. Das macht die Sendung inzwischen nicht immer sehenswert.
Aber Herr Sonneborn hat die auch bei mir durchaus beliebte Humorform der Ironie und des Sarkasmus zum reinen Selbstzweck erhoben. Das KANN in so einer Sendung, deren eigentlicher Inhalt die Darstellung einer Person ist, nicht funktionieren - egal wer moderiert. Wenn man sich nicht darstellen lassen will, gibt es keinen Anhaltspunkt, um Ironie anzusetzen. Die Ironie rund um seine Partei ist in einem entsprechenden Umfeld ja durchaus amüsant.
Ohne jeglichen politischen Bezug und erst recht in der Länge dieser Sendung aber wirken die ironischen Dauerkommentare Sonneborns schnell aufgesetzt und alles andere als unterhaltsam.
Fazit: Beiderseits Thema verfehlt, 6 setzen!
20:23
Westermann sendet und Breuckmann ist im Vorruhestand.
Irgendwas schief gelaufen im WDR?
16:55
Sehr unterhaltsam,erst recht wie sich Sonneborn selbst inziniert hat.
Er hat Westermann dumm aussehen lassen und das hat ihr gar nicht gefallen.
Ständig die Frage ihrerseits:War das jetzt Ironie?
Ich bin froh ,dass es doch noch gesendet wurde.
13:54
Selbst Schuld, wer jemandem wie Sonneborn eine Plattform gibt. Ich habe auch bis heute nicht verstanden, was an der Titanic eigentlich lustig sein soll. Kein Wunder, dass der deutsche Humor weltweit geschmäht wird.
13:36
Christine Westermann ist einfach talentfrei und
hat wie eine Person mit 6 Richtige im Lotto
einfach saumäßiges Glück im warmen Nest des WDR zu sitzen, dazu ist sie noch unglaublich langweilig, kein Mensch weiss warum Sie im TV ist...
13:22
GEZ abschaffen, WDR abwickeln