Wie Helene Fischer das Image des ZDF aufpoliert

Helene Fischer hat in Deutschland die Herzen von Millionen Fans erobert.
Helene Fischer hat in Deutschland die Herzen von Millionen Fans erobert.
Foto: Imago
Keine Frage, 2014 war ihr Jahr: Keiner kam an Helene Fischer vorbei. Am ersten Weihnachtsfeiertag schloss die Sängerin ihr erfolgreiches Jahr mit der "Helene Fischer-Show" ab, in der auch der so plötzlich verstorbene Udo Jürgens zu sehen sein wird.

Essen.. Große Musik-Acts, atemberaubende Artistik, aktuelle Musicalshows und viele musikalische Überraschungen. So kündigte das ZDF als Ereignis des Jahres eine Show an, die der schönste Weihnachtsengel des Senders präsentiert: Helene Fischer (30). Kein Lametta-Engel, sondern ein aprilfrisches blondes Wesen, talentiert, gut gelaunt, sportiv und zeitlos sexy.

Seit 2011 zelebriert Helene Fischer die Abendunterhaltung des ersten Weihnachtsfeiertages (20:15 Uhr, ZDF) und poliert mit frischem Wind das angestaubte Mainzelmännchen-Image der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt glanzvoll auf. Auch dieses Mal sind wieder Berühmtheiten wie Peter Maffay, Andreas Bourani, Startenor Jonas Kaufmann und der britischen Boygroup Take That mit dabei.

Duett von Helene Fischer mit Udo Jürgens

Der anrührende Höhepunkt der 180-minütigen Weihnachtsshow, die Mitte Dezember im Berliner Velodrom aufgezeichnet wurde, ist ein Duett von Helene mit dem am vergangenen Sonntag so plötzlich verstorbenen Udo Jürgens. Gemeinsam interpretieren sie seinen Hit "Merci Chérie". Für Udo Jürgens war es der letzte Auftritt seines Lebens.

Da treffen zwei Unterhaltungswelten aufeinander: Hier der charismatische, weltberühmte Komponist und Chansonnier, ein "Weltbürger am Klavier", in dessen "Liedern das Große dem Kleinen so kunstvoll nahe kommt" ("Süddeutsche Zeitung"). Da die Spotlight-Erscheinung Helene Fischer, ein akrobatisches, perfekt ausgebildetes Showgirl, an dem sich derzeit halb Deutschland berauscht. Seltsamerweise harmonieren die beiden spontan so gut, dass am ersten Weihnachtsabend viele Tränen fließen werden.

Helene Fischer hatte für Udo bei der ZDF-Show anlässlich seines 80. Geburtstags im Oktober schon einmal "Merci Chérie" gesungen. Jürgens hatte mit seiner Rührung zu kämpfen und sagte bewegt: "Ich weiß, dass es ein sauschweres Lied ist. Ich bin sprachlos, wow, wunderbar. Was du draus gemacht hast, ist unglaublich."

Udo Jürgens schwärmte von der Schlagersängerin

Später schwärmte er in "Bild": "Helene ist in der Art ihres Auftretens sehr professionell - die kann wirklich etwas! Sie ist ein großes Talent, handwerklich perfekt und beherrscht ihren Beruf hundertprozentig... Aber der entscheidende Punkt ist, dass sie eine exzellente Sängerin ist."

Fischer-Parodie Die Lobeshymne des unvergessenen Udo Jürgens adelt das Tun und Streben von Helene Fischer, die gerade das erfolgreichste Jahr ihrer Karriere vollendet. Oder wie es das ZDF prosaisch formuliert: "Was sie anfasst, wird zu Gold."

Das kann man wohl sagen. Die unwiderstehliche Art, wie Helene Fischer viele Millionen Fans erobert und in den Medien geradezu eine Omnipräsenz erreicht hat, macht die Musikwelt, die Schlagerfreunde aber auch ihre Kritiker atemlos. Innerhalb weniger Jahre hat die deutsche Entertainerin aus Krasnojarsk in Sibirien eine Art Imperium aufgebaut, das nun eine reiche Ernte einfährt. Wie sieht dieses Imperium aus und wie arbeitet es?


Helene Fischers Aktivitäten


Das Geheimnis ihres Erfolges ist das Gesamtkonzept der Marke Helene Fischer. Seit 2009 ist sie offiziell vom deutschen Patentamt registriert. Und auf diese Marke stößt man allerorten: Seit 2011 begeistert die kleine Blondine regelmäßig mit der "Helene Fischer-Show" die Schlager-Szene. Mit ihren Songs stürmt sie die Hitparaden. Daneben ist sie in der Werbung und als Schauspielerin präsent. Angefangen mit einem Gastauftritt 2012 bei "Das Traumschiff" ist sie nach weiteren Nebenrollen auch im "Tatort" mit Til Schweiger zu sehen. 2013 und 2014 moderierte sie die Echo-Verleihung. Und beim Eurovision Song Contest 2014 verkündete sie das Ergebnis des deutschen Televotings.


Wer ist der Kopf des Unternehmens?


Obwohl Helene Fischer in einem Interview gestanden hat, dass eine ihrer großen Schwächen ihr Kontrolldrang sei, ist davon auszugehen, dass ihr langjähriger Manager Uwe Kanthak weitgehend die Fäden in der Hand hält. Natürlich nur solange, wie es seinem Schützling auch passt. Er hatte Fischer zum Schlager gebracht und bekommt laut der "WirtschaftsWoche" zehn bis 30 Prozent ihrer Einnahmen.


Was sagen ihre Kritiker?


Helene Fischer, die beliebte Schlagersängerin, wird von ihren (zahlenmäßig weit unterlegenen) Kritikern als nerviges, langweiliges Blondinchen ohne Ecken und Kanten geschmäht. Schauspielerin Josefine Preuß (28, "Das Adlon") griff die Schlager-Queen bei der "Bambi"-Verleihung verbal an. "Wenn nachher Atemlos gespielt wird, dann bitte nur einmal und in der Version von Samu Haber!" Erstaunlicherweise reagierte das Publikum mit Gelächter und Beifall - anscheinend ist Preuß nicht die einzige Deutsche, die vom Fischer-Hype genervt ist. Dennoch bekam sie den öffentlichen Druck zu spüren: Ein Shitstorm brach aus - die Helene-Fans waren stinksauer! Die Schauspielerin entschuldigte sich für ihre Äußerung.

Auch die Komikerin Karoline Kebekus machte sich vor Millionen TV-Zuschauern über Helene Fischer lustig: "Die ganze Nationalelf geilt sich an ihrer Friseusen-Disco-Bums-Musik auf. Sie ist einfach überall, sie macht mir Angst." Von der Presse angesprochen machte sie einen Rückzieher: "Helene Fischer ist klasse, was die hier macht, kann nicht jeder." Am heftigsten ging die "taz" auf den "Atemlos"-Star los: "Das Schlagerwesen Helene Fischer und ihr Feuerwerk der Langeweile. Perfektion vor allem in den Disziplinen Dösbackigkeit und Gefühlsduselei. Ein Role Model für frustrierte Frauen oder fleischgewordene Spießerfantasie notgeiler Säcke." Allerdings sind diese Schmähreden ein ausgesprochenes Minderheitenprogramm.


Kann Helene Fischer eine internationale Karriere schaffen?


In den Nachbarländern der Republik, Belgien, Dänemark und den Niederlanden, schaffte sie es mit ihrem Album "Farbenspiel" schon in die Top Ten der Charts - und Fischer will mehr, tritt sie doch in ihrer diesjährigen Weihnachtsshow nicht nur mit der britischen Boyband Take That, sondern auch mit den Rocklegenden von Queen auf Fischer hat es mittlerweile geschafft, Lady Gaga und Co. auszustechen: Wie von Apple aufgestellte iTunes-Statistiken zeigen, ist "Farbenspiel" das meist verkaufte Album 2014 und Fischer damit die umsatzstärkste Künstlerin des Jahres. Das Zeug zum internationalen Star hat sie also allemal.


Wie sieht die Zukunft aus?


"Helene Fischer kann singen und sich bewegen. Sie ist kein hochgezüchteter Superstar, sondern eine Persönlichkeit", erklärt Medienexperte Wolfgang Penk der Nachrichtenagentur spot on news. "Es sollte noch mehr Personen wie Frau Fischer geben, dann ging es dem Showbusiness besser", findet der ehemalige ZDF-Unterhaltungschef, der "Wetten, dass..?" aus der Taufe gehoben hat. Doch Penk warnt auch vor einer Übersättigung: "Es muss etwas Neues nachkommen. Sie sollte sich etwas zurückhalten und sparsamer sein." Helene sei ein Superstar und müsse etwas Besonderes bleiben.