Wie authentisch ist der "Tatort: Hydra"?

Der Fall im "Tatort: Hydra" ist gelöst. Doch was ist eigentlich eine Hydra? Und wie authentisch ist das Neonazi-Szenario des Dortmund-Krimis? Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Die Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann), Marina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) haben den Mörder von Kai Fischer, der als Kopf der Dortmunder Neonazi-Szene galt, in ihren eigenen Reihen gefunden. Der Fall im "Tatort: Hydra" (WDR) ist also gelöst. Doch es bleiben Fragen:


Was ist eine Hydra?


Der Hydra stammt aus der griechischen Mythologie. Dabei handelt es sich um ein schlangenartiges Ungeheuer mit vielen Köpfen. Wenn die Hydra einen Kopf verliert, wachsen ihr an dieser Stelle zwei neue nach. Außerdem ist der Kopf in der Mitte der Hydra unsterblich.


In welcher Industrieruine wurde gedreht?


Die Krimi-Macher wählten für viele entscheidende Szenen einen für die Region typischen Drehort: Im "Hochofenwerk - Phoenix West" wurde früher Roheisen hergestellt. Das eindrucksvolle Industriedenkmal, von dem noch zwei fast 100 Meter hohe Hochöfen erhalten sind, umfasst ein rund 115 Hektar großes Gelände. 1852 wurde mit dem Bau des Hochofenwerkes begonnen, 1998 erfolgte die Stilllegung. Das Gelände ist laut WDR für die Öffentlichkeit zurzeit zwar nicht zugänglich, bei anderen stillgelegten Anlagen in der Region sieht das aber anders aus: Diese wurden zu Museen oder sonstigen Kultur-Einrichtungen umgenutzt.


Wie authentisch ist das Neonazi-Szenario dieses Dortmund-Krimis?


Auf die wohl drängendste Frage, gibt es laut Sender eine eindeutige Antwort. Denn dass so ein Krimi ausgerechnet in Dortmund spielt, ist kein Zufall, wie Drehbuch-Autor Jürgen Werner erklärt: "Dortmund-Dorstfeld gilt als eine der Hochburgen der deutschen Neonazi-Szene. Die Stadt unternimmt viel, dies zu ändern, aber die Szene ist und bleibt ein wichtiges Thema für die Stadt" - und damit zurecht auch für diesen "Tatort"-Ableger.

Rechtsextremismus ist zwar ein Dauerthema in ganz Deutschland, dennoch: "Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen haben wir eine so verfestigte, eine so aggressive, eine so gut organisierte neonazistische Szene wie in Dortmund", erklärte der Innenminister Ralf Jäger vor einigen Monaten im NRW-Landtag. Es gebe aber auch viel Widerstand gegen rechts, heißt es weiter. Gemeint sind demnach Aktionen, Bildungsprojekte, Gegendemonstrationen...

Auch Regisseurin Nicole Weegmann bestätigt: "Wir haben das Drehbuch Insidern aus Polizei und Verfassungsschutz vorgelegt und uns entsprechend beraten lassen. Authentizität ist bei diesem Thema verpflichtend." Der Hintergrund, vor dem der Krimi spielt, entspreche in jeder Hinsicht der aktuellen Situation, so die Filmemacherin, deren Drama "Mobbing" (2013) mehrfach ausgezeichnet worden ist.


Und was denkt Schauspieler Jörg Hartmann über das Thema?


Jörg Hartmann (45): "Ich bin kein Freund von Ideologien, und der Faschismus ist von allen die abscheulichste und verachtenswerteste Ideologie. Leider sind Rechtsextreme ein Teil unserer Gesellschaft. Wir dürfen dieses Thema nicht verdrängen und kleinreden. Wir müssen hinschauen, nicht wegschauen. Falls durch unseren 'Tatort' noch einige Menschen mehr hinschauen sollten, wäre ich mehr als glücklich", sagte der Kommissar-Faber-Darsteller dem WDR.