Wickert wettert gegen ARD und ZDF
19.11.2009 | 15:23 Uhr 2009-11-19T15:23:00+0100Frankfurt. Der ehemalige Mister "Tagesthemen" Ulrich Wickert lässt kein gutes Haar an den Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender. Er wirft ihnen sprachliche Schluderei und einen Hang zur Unterhaltung vor. Außerdem kritisiert er Gottschalks ZDF-Auftritt am Jubiläumstag des Mauerfalls.
Der langjährige Moderator der ARD-"Tagesthemen», Ulrich Wickert, hat die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF als inhaltlich und sprachlich schlecht kritisiert. Er habe sich als ehemaliger Nachrichtenmoderator lange zurückgehalten, weil er nicht wie ein Besserwisser mit erhobenem Zeigefinger wirken wolle, schrieb Wickert in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vom Donnerstag. «Aber seit einiger Zeit rumort der Gedanke in mir, es ist viel schlimmer, und das gilt nicht nur für die Texte.» Es fehle nicht nur an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger, aktueller politischer Inhalte, sondern auch an Einordnung.
Wickert warf den Autoren von «Tagesschau», «Tagesthemen», «heute» und «heute-journal» vor, zum großen Teil nicht einmal mehr den korrekten Satzbau zu beherrschen. «Häufig streuen sie Substantive wie grobes Meersalz zwischen kurze Sätze.» Er frage sich, warum die Redaktionschefs die sprachliche Verlotterung durchgehen lassen.
Inhaltlich warf der 66-Jährige den Verantwortlichen einen zu starken Hang zur Unterhaltung statt Information vor. «Den Machern scheint das Bewusstsein für ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag, für eine Grundversorgung politischer Information zu sorgen, abhanden gekommen zu sein.» So habe er sich «wirklich geärgert», dass in keiner der Nachrichtensendungen je das neue Bundeskabinett vollständig vorgestellt worden sei. «Das kann heute wohl keiner mehr verlangen.» Obwohl die Zusammensetzung am Freitag, den 23. Oktober festgestanden habe, sei das vollständige Kabinett am selben Abend noch nicht mal in einer der Nachrichtensendungen gemeldet worden.
Kritik an Gottschalks Auftritt
"Es fehlt offenbar an einem Verständnis für die politische Grundversorgung», schrieb Wickert weiter. Als Beleg verglich er die Berichterstattung über den zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls von ARD und ZDF mit der Berichterstattung des französischen Senders France 2. France 2 habe die Gedenkfeiern am 9. November so bedeutend gefunden, dass es schon nachmittags eine Stunde lang in einer Sendung mit Ex-Außenminister Roland Dumas über den Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Bornholmer Straße berichtet habe. In der ARD sei gleichzeitig die Sendung «Sturm der Liebe» gelaufen. Das ZDF habe zwar auch gesendet, aber den «für ein solches Ereignis wirklich nicht geeigneten Thomas Gottschalk ans Mikrofon» gelassen.
Wickert griff auch Moderatoren persönlich an. So habe ARD-Mann Frank Plasberg beim Duell vor der Bundestagswahl zwischen Merkel und ihrem damaligen Herausforderer Frank-Walter Steinmeier «wohl bewusst» ohne Krawatte moderiert. Dies zeige mangelnden Respekt gegenüber der Kanzlerin und ihrem damaligen Außenminister. «Kürzlich sah ich ihn doch mit Schlips moderieren, aber das war ja auch eine sehr wichtige Unterhaltungssendung.»
Wickert war von 1991 bis 2006 Moderator der «Tagesthemen» und wurde für seine journalistische Arbeit und als Buchautor mit mehreren Preisen ausgezeichnet. (afp)
22:06
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15:00
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08:13
Bravo, Herr Wickert! Ich wette, wenn Sie hier mitlesen würden, hätten Sie die Redaktionen der WAZ-Gruppe bezüglich der sprachlichen Schluderei miteinbezogen! Auch hier beherrschen viele Redakteure die Regeln des Satzbaus, der Orthographie und der Grammatik nicht ausreichend.
22:59
Ich gebe Wickert in den im Artikel erwähnten Punkten Recht.
Auf die Kommentare der vielen *************** gehe ich hier mal nicht ein.
.
21:02
Wenn man sich so anschaut Wo und für Wen er (Wickert) gegen Geld so alles auftritt, sollte gerade er sich zurück halten!
20:58
den Sinn für die Verbreitung hatte er ja schon immer. Räumt die Schubladen aus, karrt den Kram zu einem Verlag, der bastelt es zusammen, Wickert schreibt einige Überleitungen und das ganze nennt er Buch.
Und Gott schuf Paris z.B.
20:28
Herr Wickert ist ein Neoliberaler ,der sich über Vordergründigkeiten -wie hier eine nicht vorhandene Krawatte - aufregt..
Er kritisiert nicht die Hofberichterstattung und Enddarmakrobatik -von vielen seiner Kollegen- gegenüber den Mächtigen und damit das Versagen seiner Kollegen gegenüber dem sie finanzierenden Bürger.
Aber dann müßte sich der große Herr Wickert ja selbst kritisieren .
18:52
Herr Linke, was sprichst du für Schluder,
kennst selbst nicht das Nachricht-Gepuder?
Die Sprachmega-Trottels,
beschränkte Verlottels,
Noch nicht gemerkt,s läuft aus dem Ruder??
carlo tarrasqua
jappy.de/limericks
15:21
Wer im Glashaus sitzt, ist ehrlich dumm!
14:59
Lieber Uli, Du hast ja so Recht. Sprachschluderei und Hang zur Unterhaltung, das ist das derzeitige Credo vieler Medienmacher. Da wundert man sich über PISA? Auch die immer flacher werdenden Serien und Filme schrecken eher ab. Verhehrend dass die öffentlich rechtlichen Sender nun auch noch auf diesen Zug gesprungen sind.