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Wetten dass... Fernsehen mit Twitter mehr Spaß macht?

07.12.2009 | 11:45 Uhr
Wetten dass... Fernsehen mit Twitter mehr Spaß macht?

Essen. Wenig Hollywood, kaum Ekel. Kurz vor Weihnachten gab sich „Wetten dass..?“ in Bremen brav bis langweilig. Mit Michelle Hunzikers Glitzerhose und einer Wette, bei der zwei Mädchen Katzenfutter mit ihren Füßen ertasteten, gab es trotzdem Anlass zur Häme. Vor so wenigen Zuschauern wie nie.

Auf der nach oben offenen Resignationsskala ist ein Moderator, der gleich zu Beginn sagt, dass er es leid ist, ungefähr auf dem gleichen Level wie ein Mathelehrer, der jammert: „Das ist auch für mich die sechste Stunde“. Thomas Gottschalk zählte trotzdem gleich zu Anfang der 185. Ausgabe von „Wetten dass..?“ einfach mal auf, worauf er inzwischen so gar keine Lust mehr hat. Als da wären:

  • Der jugendlichen Zielgruppe hinterher zu rennen.
  • Ausländische Stars, die kurzfristig absagen (namentlich Mariah Carey und Victoria Beckham).
  • Ausländische Stars, die schon wieder weg sind, ehe sie vom Dolmetscher übersetzt wurden.
Til Schweiger und Nora Tschirner mussten singen, weil sie ihre Wette verloren hatten. (Foto: imago)

„Schluss damit!“, konnte Gottschalk noch rufen, und der fantasiebegabte Zuschauer rechnete schon fest mit einem Rücktritt vor knapp neun Millionen an den Empfangsgeräten (so wenige wie nie), da übernahmen Wolfgang und Anneliese Funzfichler inoffiziell die Sendung. Wer die beiden noch nicht kennt: Hinter dem Volksmusik-Duo stecken die Comedians Bastian Pastewka und Anke Engelke. Sie spielten ihre Rollen in den drei Stunden allerdings so wunderbar schauderhaft perfekt, dass auch das Saalpublikum bei ihrem Lied maximal halbironisch mitklatschte.

Ein unglamouröser Abend

Man hatte sich also schon auf einen herzlich unglamourösen Abend eingestellt, an dem Stephanie Stumph zum neunhundertfünfundachtzigsten Mal erzählen muss, wie es ist, mit ihrem Vater Wolfgang im selben Film zu spielen („Das werde ich oft gefragt“) und Gottschalk Quatsch-Sätze sagt wie „Die Bremer sind die Südländer des Nordens“, da kam Co-Moderatorin Michelle Hunziker auf High Heels ins Studio und glitzerte mit ihrer Hose heller als jeder Weihnachtsstern. Auch beim Mikrobloggingdienst Twitter, wo „Wetten dass..?“ munter kommentiert wird, blieb das Outfit nicht unbemerkt:

Tatsächlich wirkte Hunziker sehr viel agiler als Gottschalk. Während sie mit einer gewissen Begeisterung die erste Wette erklärte („Also der Lutz wettet, dass er mit dem Einrad von einer Mülltonne zur anderen springt“) hörte man Gottschalk „Wir freuen uns, die Mülltonnen werden schon ’reingefahren“ sagen. Was Besseres fiel ihm auch bei den so genannten Interviews auf der Couch nicht ein.

Wolfgang und Anneliese übernahmen die Show

Dort hatten diesmal ausschließlich Schauspieler Platz genommen. Hugh Grant langweilte sich sichtlich eine Stunde lang - dann ging er. Und wieder war es nicht Gottschalk, der ihn wenigstens kurz aus der Reserve lockte, sondern Wolfgang und Anneliese. Wolfgang: „I saw all your movies. Pretty Woman was great!“ Mit Til Schweiger lief es nicht viel besser (Gottschalk: „Bist Du ein Macho?“) und Nora Tschirner ließ Gottschalk erst nach ein paar Minuten überhaupt zu Wort kommen.

Weil im Samstagabendunterhaltungsshowgesetz steht, dass in der letzten Sendung vor Weihnachten unbedingt ein Tannenbaum stehen muss, war die Kulisse für die nächste Wette schon klar. Antennentechniker Jürgen steuerte aus der Halle in Bremen eine Kamera im „Miniaturwunderland“ Hamburg. Auf der riesigen Modelleisenbahnanlage konnte er so aus einer zufälligen Auswahl von rund 300 000 Figuren ihren richtigen Standort finden. „Reschpekt“, sagte da Gottschalk mit dem erstbesten Dialekt, der ihm so einfiel.

67 Prozent der Zuschauer wählten ihn für die große Gedächtnisleistung schließlich zum Wettkönig. Deutlich vor einem Pizzabäcker, der während der Fahrt auf einem Motorrad eine Pizza zubereitete.

Michelle Hunziker brauste dabei mit dem Motorroller hinterher, stürzte auf dem nassen Untergrund in einer Kurve – und rannte dann eben zu Fuß ins Studio.

Die Wettkandidatinnen Anna Burger (links) und Sandra Mandelsperger versuchten mit ihren Füßen Katzenfutter-Sorten zu erkennen. (Foto: ddp)

Bei der einzigen Wette, die in die ungefähre Ekel-Richtung führte, ging es um Katzenfutter. „Ohhh, die sind wirklich süüüüüß“, war Gottschalk entzückt. Er meinte damit aber keine Katzen, sondern die 16-jährigen Mädchen Sandra und Anne. Die wetteten, 30 Katzenfuttersorten nur mit ihren F��ßen unterscheiden zu können. Ohne etwas zu riechen, zu sehen oder - offenbar ganz wichtig - zu hören.

Was beim ersten Versuch noch ganz gut klappte („Ich spüre Brocken“), scheiterte schließlich an Wild und Karotten mit Steinpilzsauce. Ja, es ging wirklich um Katzenfutter.

Nach zwei weiteren Wetten - ein JVA-Beamter aus Düsseldorf machte mit seiner Zunge Knoten in Lackritzschnecken, ein einzelner Mann verlor beim Kickern gegen eine elfköpfige Mannschaft - und erschütternd belanglosen Showauftritten von Leona Lewis, Michael Bublé und dem Musical "Hairspray" war die Sendung um kurz nach 23 Uhr vorbei.

Wie sangen Wolfgang und Anneliese zu Beginn? "Denn nur bei 'Wetten, dass...?', macht's Überziehen Spass." Schön wär's. Noch einmal Twitter:

Marc Hippler

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