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Dokumentation

Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird

06.08.2009 | 23:03 Uhr
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird

Essen. Gangsterrap, Porno, sexualisierte Gewalt - für viele Jugendliche, aufgewachsen in einem lieblosen Umfeld, beruflich ohne Perspektive, wird Sexualität zum wichtigsten Lebensinhalt. Die ARD-Dokumentation "Letzter Halt Sex - Kids am Abgrund" hinterlässt beim Zuschauer einen schalen Beigeschmack.

Jenny sieht aus wie 18, ist aber schon 20 und zweifache Mutter. Ungefähr sechs feste Beziehungen habe sie bisher gehabt, erzählt die junge Frau mit der Porzellan-Haut vor der Kamera, alles andere seien One-Night-Stands gewesen. Wie viele ungefähr? Gute Frage, sagt Jenny , “ungefähr 60? Ich hab’ nicht mitgezählt.”

Nadine aus Berlin hat 2 Kinder. © SWR/Manfred Bölk

Cheeks ist 16 und tut so, als müsse er auf der Liste in seinem Handy nachsehen, mit wie vielen Mädchen er geschlafen hat, seit dem ersten Mal mit elf. Er kann sich nichts besseres vorstellen als Sex, und den hat er gern so sechsmal die Woche - mindestens. Babsi ist 18 und findet, man kann aus Pornos einiges lernen. Yasmina wollte wissen, was ihre Jungfräulichkeit wert ist und versteigerte sie im Internet. Das höchste Gebot: knapp 7000 Euro. Kein schlechtes Ergebnis, findet die 20-Jährige, “da merkt man ja, dass das dem Mann was wert war.” “Letzter Halt Sex - Kids am Abgrund” hat der Filmemacher (und Arzt und Psychologe) Manfred Bölk die 45-minütige Dokumentation genannt, die Mittwoch Abend um halb zwölf im Ersten lief. Nicht ohne die Warnung: “Der nachfolgende Film ist nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet.”

Ein bisschen geht’s um Gangster-Rap, mehr um Porno, und in den Geschichten, die die jungen Frauen erzählen, fast immer um sexualisierte Gewalt. Die 17-jährige Jacqueline kann sich nicht erinnern, wie alt sie war, als sie “zum ersten Mal” von ihrem Vater vergewaltigt wurde, bei Sandy 20, waren es die Brüder. Die Jugendlichen, die Bölk befragt hat, in sozialen Brennpunkten in Berlin und Hamburg, haben viel erlebt. Dabei ist das Schamgefühl offenbar auf der Strecke geblieben - bestimmt nicht alles, nicht in jeder Situation, aber über Sex reden diese jungen Männer und Frauen, als erzählten sie von Aktivitäten im Sportverein. Wie die 22-jährige Nadine, zweifache Mutter und wieder schwanger, die ihrem Mann gleich verkündete, sie könne nicht treu sein, und ihre Pläne für die Karriere im Sex-Geschäft darlegt.

Mehr im Kopf als Sex

Kein Halt in der Familie, keine Perspektive: Dass Sex da zur Ersatzdroge wird, ist keine Überraschung. Dass Menschen versuchen, mit Sex überhaupt mal wieder was zu spüren, wenigstens ein bisschen Spaß zu haben oder sich geliebt zu fühlen, ist allerdings kein Phänomen, das nur bei Jugendlichen aus zerrütteten Familien in Berlin-Hellersdorf anzutreffen wäre. Und das ist die Schwäche von “Letzter Halt Sex”: Wo Bölk möglicherweise Mitgefühl erzeugen will, indem er dem Bildungsbürgertum, das wochentags gegen Mitternacht Dokumentationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sieht, diese Seite des Elends vorführt, stigmatisiert der Filmemacher die Jugendlichen noch mehr, als es das Leben bisher schon getan hat.

Ginge es Bölk um Jugendliche aus sozialen Brennpunkten, müsste mehr Thema sein als Sexualität. Ginge es ihm um die sexuelle Verrohung von jungen Leuten, hätte er auch Jungen und Mädchen aus anderen Gesellschaftschichten befragen müssen. So wiederholen sich schockierenden Geschichten bald. Und weil sie nur sehr grob vom Berliner Jugendpfarrer Bernd Siggelkow, dem Gründer des Christlichen Kinder- und Jugendwerks “Arche”, und einer Sozialpädagogin eingeordnet werden, viel mehr ohne Analyse aneinander gereiht werden, bleibt der schale Beigeschmack, dass diese seelisch verstümmelten jungen Menschen vorgeführt werden - und mit ihren Sex-Geschichten auch die Sensationslust der Zuschauer befriedigt wird.

Dass Jenny und Roger und Sandy und Cheeks tatsächlich mehr im Kopf haben als Sex, dass ihre Seelen noch längst nicht abgestumpft sind, erfuhren die Zuschauer erst, als die Jugendlichen ganz zum Schluss von ihren Träumen erzählen durften. Und die quellen über von dem, woran es ihnen im wahren Leben so mangelt: die emotionale Geborgenheit einer glücklichen Familie und die materielle Sicherheit eines Jobs.

Monika Idems

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Kommentare
14.08.2009
20:57
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von Helena Hundertwasser | #16

http://www.zeit.de/online/2009/09/tsp-jugendliche-sexualitaet

Das wäre dann der Gegenbericht

07.08.2009
11:19
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von Vorurteilhasser | #15

#11 franzjos: Ich könnte jetzt provokativ das Gleichnis der Fliegen auf dem Haufen bringen, wenn du mit Masse gegen den gesunden Menschenverstand argumentierst! Außerdem habe ich mit keinem Satz erwähnt, dass alle Verbrecher sind. Ich habe nur gesagt, dass die Glaubensvereine es im Namen ihrer fiktiven Leitperson Elend und Unglück über die Welt bringen und brachten. Und dazu bedarf e einer großer Zahl an Mitläufern, die diese Vereinigungen erst so stark machen, dass sie diese Macht erhielten. Dies kann und will ich nicht unterstützen, und wie gesagt, ich glaube einfach nicht dran. Ich brauche keine Angst vor dem Fegefeuer zu haben, lasse mich nicht mit Jungfrauen im Paradies ködern, brauche mich nicht auf irgendeine Prophetenankunft vorzubereiten, meine nächste Wiedergeburt zu fürchten,brauche ich alles nicht. Das lässt mir einen großen Teil mehr Zeit, mich um meine Liebsten zu kümmern, dass es ihnen gut geht, meine Kinder erziehe ich zum friedlichen Miteinander, brauche keine Erpressungskeule wie Beichte etc. Und ich achte alle Menschen gleich, Männer und Frauen, Hautfarben, usw. Das lässt sich bei den meisten Religionsvereinigungen nicht sagen, die sich selbst immer als Elitegegenüber Nichtmitgliedern sehen. Soetwas kann ich nicht unterstützen, deswegen unterstütze ich sie auch nicht moralisch. Dies ist keine Aufforderung zum Austritt aus diesen Vereinigungen, sondern mein ganz persönlicher Standpunkt, mit dem ich sehr gut klar komme. Du musst es nicht so sehen, nur missioniere hier nicht herum. Ich tue es auch nicht.
Deswegen zurück um Thema:
Diese Leute poppen miteinander, weil es ihnen im Augenblick Spass machte, oder weil sie sich etwas beweisen wollten. Dass war schon immer so! Nur wurde jetzt drüber gesprochen. Auch bei uns in der Schule wurde das früher gemacht, auch von jüngeren, und bei Fahrten mit der christlichen Teestube, welche nach dem Konfirmandenunterricht eingeführt wurde, um die Jugendlichen bei der Stange zu halten, da auch. Das war in den frühen 70ern. Dort hieß es dann sexuelle Revolution. Also immer schön den Ball flach halten. Nur weil es mehr Medien gibt, die über so etwas berichten, hat nicht die Zahl der Ereignisse zugenommen, sondern nur die Zahl der Berichte!

07.08.2009
09:17
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von Beatrix.Gutmann | #14

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07.08.2009
05:48
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von Beatrix.Gutmann | #13

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07.08.2009
00:37
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von franzjos | #12

Religionen der Welt in Millionen im Jahr 2000

Christen 1999,6
Moslems 1188,2
Unreligiöse768,2
Hindus 811,3
Buddhisten 360,0
Atheisten 150,1
Neue Religionen 102,4
Ethnische Religionen 228,4
Sikhs 23,3
Juden 14,4

Sind das alles Verbrecher? Innerhalb von Religionen gibt es immer Angriffe des Bösen von innen und von außen und das wird auch so bleiben, das Böse der Welt ist überall. Dagegen muss man ankämpfen, besiegen können wir alleine es hier nicht.
Es kommt auf die Perspektive des Menschen an.

06.08.2009
23:15
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von Beatrix.Gutmann | #11

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06.08.2009
22:53
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von Vorurteilhasser | #10

#8 franzjos: Und dann verbrennen wir in seinem Namen Frauen mit roten Haaren, lassen Strophen des Schalkeliedes aus, rennen wieder gegen Jerusalem, lassen seinen Stellvertreter auf Erden wieder mit Faschisten kooperieren, freuen uns, wenn zölibatäre Priester und Konsorten kleine Jungs missbrauchen, dass in seinem Namen Ehebrecherinnen gesteinigt werden, jungen Mädchen Schamlippen und Klitoris grausam entfernt oder verstümmelt werden! Oder dass hier in seinem Namen das Betriebsverfassungsgesetz für Angestellte bei den Kirchenvereinen nicht gilt (3.Weg), bei vielen Kirchen- und Glaubensvereinen und -verbänden die Frau nicht als vollwertiger Mensch wahrgenommen wird, noch nicht einmal sein angebliches Wort weitererzählen (ihr sagt predigen) darf...

Franzjos, hör mir auf damit, ich könnte noch Seiten schreiben, in seinem Namen ist zu viel Elend über diese Welt gekommen, als dass ich ihn als fiktives Wesen zu meiner Leitfigur ernennen kann. Ich habe nie an solch ein Wesen geglaubt, habe aber auch nie diesen angeblichen Mangel durch übertrieben Sexkonsum oder anderes sozioethisch auffälliges Verhalten kompensiert. Wenn es dich beruhigt, glaube weiter an Ihn, sie es aber nicht als alleinige Lösung an, und vor allem: Missionier hier nicht herum!!!!

06.08.2009
19:26
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von franzjos | #9

Der Kommunismus hat versagt und der Kapitalismus hat versagt, wie wir sehen. Es hat in beiden Systemen etwas Entscheidendes gefehlt, nämlich Gott.
Man sollte einfach zu alten Werten zurückkehren, dann gibt´s auch wieder eine menschliche Perspektive.

06.08.2009
14:56
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von Angela.Frings | #8

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06.08.2009
14:34
Wenn Sex für Jugendliche zur Ersatzdroge wird
von Nadine Weinert | #7

Ich glaub nicht, dass das nur den Hartz-4-Nachwuchs betrifft, sondern auch die bürgerlichen Kids. Hab dazu gerade ein Buch gelesen. Abspringen. Das zeigt, wies wirklich zugeht, in allen Klassen, nicht nur in Berlin

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