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WDR zeigt das spannende Leben von „The Flying Fräulein“

28.01.2016 | 22:48 Uhr
WDR zeigt das spannende Leben von „The Flying Fräulein“
Thea Rasche Foto: WDR/Privatarchiv Thea Rasche

Essen.  Eine emanzipierte Frau, ein beeindruckendes Leben: Der WDR erinnert in seiner Doku „The Flying Fräulein“ an Flugpionierin Thea Rasche.

Sie wollte hoch hinaus und das im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn Theodora Rasche, die von allen nur Thea genannt wurde, dort oben war, dann meisterte sie – anders als am Boden – alle Schwierigkeiten. In Deutschland war sie bekannt in den 1920er-Jahren, in den USA war sie eine Berühmtheit. Da war sie das „Flying Fräulein from Essen“. Am Freitagabend erinnert der WDR an die erste deutsche Frau mit Kunstflugschein.

Tochter aus gutem Haus? Das war ihr nicht genug

Geboren wird sie 1899 in Unna, aufgewachsen ist sie im Essener Süden. Die Rasches sind wohlhabend, Vater Wilhelm ist Direktor der Actienbrauerei. Thea könnte sich damit begnügen, Tochter aus gutem Haus zu sein und in der gehobenen Gesellschaft zu verkehren. Der Herr Papa hat bereits eine „gute Partie“ für sie ausgesucht, die Hochzeit ist arrangiert. Doch eine halbe Stunde vor der Trauung lässt seine Tochter den Bräutigam vor dem Altar stehen. Sie will fliegen.

Das ist nicht leicht in jener Zeit, nicht für eine Frau, nicht in Deutschland und erst recht nicht ohne das Geld des Vaters. Über Freunde lernt sie Ernst Udet und Paul Bäumer, Jagdfliegerlegenden des Ersten Weltkrieges, kennen. Bäumer erkennt ihr Talent, bildet sie aus. Am 23. Januar 1925 absolviert sie den ersten Alleinflug einer Frau in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, wenig später besteht sie Flug- und Kunstflugschein und wird Dauergast auf den immer beliebter werdenden Flugschauen. Auf dem Boden halten die Besucher den Atem an, wenn Rasche ihre Loopings dreht. Und wenn sie landet, schauen sie schon mal nach, ob nicht doch ein Mann mit im Flugzeug gesessen hat.

Abgebrannt und desillusioniert kehrt sie in die Heimat zurück

Die Kunde von ihrem Können dringt über den Atlantik. Rasche reist in die USA, trifft Charles Lindbergh, isst mit dem Präsidenten und die New Yorker Society zahlt Unsummen, um mit ihr am Steuer um die Freiheitsstatue zu kreisen. Rasche aber will mehr, sie will als erste Frau über den Atlantik fliegen. Doch in den Verhandlungen tut sie sich schwer. Sie verheddert sich bei der Erfüllung ihres Traumes in immer neuen Schwierigkeiten, bis die US-Fliegerlegende Amelia Earhart, eine Freundin von Rasche, ihr zuvorkommt.

Abgebrannt und desillusioniert kehrt sie in eine Heimat zurück, die sie längst vergessen hat und in der neue Machthaber regieren. Sie wird Chefredakteurin einer Flugzeitschrift, kann aber auch nach dem Krieg nicht an alte Glanzzeiten anknüpfen. Aus dem Abenteuer Fliegen ist längst etwas Alltägliches geworden. Verarmt stirbt Rasche im Jahr 1971 in Essen.

Da sie keine Kinder hatte und es keine lebenden Zeitzeugen mehr gibt, haben Christopher Gerisch und Annika Seemann tief in deutschen, vor allem aber in US-Archiven gewühlt. Bilder aus den Jugendjahren haben sie gefunden, aber auch überraschend viel Filmmaterial über die erste deutsche Kunstfliegerin, angereichert mit Gesprächen mit Flugexperten und Historikern.

Fazit: Das Porträt einer Frau aus dem Herzen des Reviers ist ein Film, bei dem die Zeit wie im Fluge vergeht.

WDR, Freitag, 20.15 Uhr

Andreas Böhme

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2016-01-28 22:48
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