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WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen

29.01.2013 | 12:06 Uhr
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
Die Kindergartenleiterin Bernadette Knecht wurde von der Kirche entlassen, weil sie sich von ihrem Mann trennte und zu einem neuen Partner zog.Foto: WDR

Essen.  Gerne stellen sich die katholische und evangelische Kirche als Wohltäter dar. Doch der Umgang mit ihren Angestellten ist von Kontrolle und Misstrauen geprägt, deckt eine WDR-Reportage auf. Die Kirche kann über das Personal entscheiden - auch wenn der Staat zahlt.

Kirchenangestellte dürfen nicht streiken. Mit einer Scheidung sind sie meistens auch ihren Job los. Eine Abtreibung? Sünde! Homosexualität? Da wollen wir gar nicht von sprechen. Würde Opel oder Lidl so tiefe Einblicke in das Privatleben ihrer Mitarbeiter verlangen und ihnen auf dieser Grundlage kündigen, die öffentliche Empörung wäre grenzenlos. Die evangelische und die katholische Kirche haben sich diese Rechte sogar in die Verfassung schreiben lassen und handeln tagtäglich danach. Wie das aussieht, hat die Journalistin Eva Müller für den WDR recherchiert: „Die Story: Gott hat hohe Nebenkosten – wer wirklich für die Kirche zahlt“ lautet der Titel der Reportage.

Bernadett Knecht ist Erzieherin in einem katholischen Kindergarten in Königswinter. Eines Tages trennt sie sich von ihrem Ehemann, verliebt sich wieder. Ihr neuer Partner lebt ebenfalls in Scheidung. Für den Pfarrer der Gemeinde Grund genug, um ihr Arbeitsverhältnis zu beenden. Die offizielle Begründung ist die „Gefahr eines schädlichen Ärgernisses in der Gemeinde“.

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Der Chefarzt einer katholischen Klinik behält seine Stelle, obwohl er zum zweiten Mal geheiratet hat. Das Bundesarbeitsgericht erklärte die Kündigung des Düsseldorfer St-Vinzenz-Krankenhaus für ungültig.

Diese Entscheidung möchten zumindest die Eltern der Kindergartenkinder nicht akzeptieren. Sie wenden sich an die Stadt. Der Rat beschließt dann, die katholische Kirche als Träger des Kindergartens zu entlassen. Eine einmalige Entscheidung in ganz Deutschland.

Die Kosten für die katholische Kita trägt der Steuerzahler

Die Kosten für die Kindertageseinrichtung trägt nämlich nicht die katholische Kirche, sondern der Steuerzahler. Die Kirchensteuer wird hierfür nicht verwendet. Mit diesem Geld werden die Priester und Ordensleute bezahlt. 90 Prozent der kirchlichen Kindergärten werden aus öffentlichen Geldern finanziert, listet die Reportage auf. Bei den Krankenhäusern übernimmt der Steuerzahler sogar alle Kosten.

Pfarrer S. hat eine Mitarbeiterin entlassen, weil sie sich von ihrem Ehemann trennte und zu einem neuen Partner zog.Foto: WDR

Und das angesichts der Tatsache, dass jeder dritte Kindergarten und jedes dritte Krankenhaus in Deutschland in kirchlicher Trägerschaft ist. Nur: Die Regeln dort macht die Kirche. Und die Gemeinden lassen sie gewähren, denn sie sparen damit eine ganze Menge Geld. Schließlich müssen sie nur für die Kosten aufkommen, die Organisation und Verwaltung der Einrichtungen übernimmt die Kirche.

Eltern treten reihenweise aus der Kirche aus

„Man meint gar nicht, dass das heutzutage noch so ist“, staunt auch die junge Lehrerin Nina Lockmann, die an einer katholischen Schule noch nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, weil sie evangelisch ist. Viele Kollegen würden eben konvertieren, erzählt der Direkter der Schule. In Königswinter ist das Erstaunen bei den Eltern ebenso groß („Irgendwas läuft hier falsch“), die Konsequenz ist aber eine andere: Reihenweise treten die Eltern aus ihrer jeweiligen Kirche aus.

Die Kindergarteneltern wehren sich gegen die Entlassung.Foto: WDR

Mit jeder Minute der Reportage wächst beim (aufgeklärten) Zuschauer die Empörung. Schließlich pocht die Kirche in Deutschland auf Sonderrechte, für die unsere Vorfahren jahrzehntelang gekämpft haben. Weder dürfen die Bewerber auf Gleichbehandlung hoffen (wie im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz festgelegt), noch dürfen sie später als Arbeitnehmer streiken oder eine tarifliche Bezahlung erwarten (Betriebsverfassungsgesetz).

Arbeitgeber kontrolliert das Privatleben der Angestellten

Außerdem kontrolliert der Arbeitgeber das Privatleben seiner Angestellten. Klingt nach einem Paradies für Willkür und Größenwahnsinn – und wenn man nach den Beispielen in der WDR-Reportage geht, dann ist es das auch. Auf Kritik stößt die Einstellung der Kirche aber erst, wenn ein dramatischer Fall wie der einer jungen Frau in Köln eintritt, die glaubte vergewaltigt worden zu sein und von gleich zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden ist.

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Der Protest der Eltern in Königswinter sorgte letztlich dafür, dass der Kindergarten in die Hände der evangelischen Kirche übergeben wurde. Ein bisschen verlegen gibt der neue Leiter der Einrichtung schließlich zu, dass auch hier nur Mitarbeiter arbeiten dürfen, die einer christlichen Kirche angehören. Alles beim Alten also. Erfolg sieht anders aus.

Pia Mester


Kommentare
30.01.2013
08:14
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von oganismo | #34

Inquisition und Diskriminierung im Jahre 2013 - wie cool ist das denn! Mitten in Deutschland unter 1,2 Mio Mitmenschen. Eh die Würde des Menschen ist unantastbar!!! Dachte ich zumindestens....Dazu die wilden Rekrutiermassnahmen in den neuen( alten) Bildungseinrichtungen.... und ich dachte das wenn sich die Religion in die Wirtschaft einkauft um anschliessend das Personal zwangszu verpflichten , das gäbs nur bei.......

29.01.2013
22:47
Die Kirche ist ein Staat im Staate,
von vantast | #33

mit eigenem Finanzsystem (Staat zahlt, wir bestimmen), eigenem Rechtssystem (Pädophile werden geschützt), eigenem Sozialsystem (keine Gewerkschaften),
Es wird endlich Zeit, daß Staat und Kirche getrennt werden, wie es die Aufklärung fordert. Die bösen Einflüsse der Kirche wären nicht passiert, wenn die sozialen Institutionen staatlich wären.

29.01.2013
21:26
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Name von Moderation entfernt | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.01.2013
20:34
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von kopfhoch | #31

Wer den WDR als Arbeitgeber kennt, weiß, dass er sich ebenso selbst anklagen kann. Dort ist auch einiges mittelalterlich.

1 Antwort
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von Shy_Eye | #31-1

und was haben genau gegen WDR?

29.01.2013
19:29
falsch einsortiert
von Neronimus | #30

Liebe WAZ,
unter Kultur haben Sie aber diesem Bericht total falsch einsortiert. Meinen Sie nicht, dass der unter Politik richtiger wäre? Oder befürchten Sie der könnte gefunden werden?

29.01.2013
18:18
Es kam in Berlin wohl noch schlimmer!
von DerRheinberger | #29

Dort hatte die Kirche einen Kindergarten aus öffentlicher Trägerschaft übernommen. Der erste Schritt war die Entlassung aller nicht- und andersgläubiger Kindergärtnerinnen, es sei denn sie träten in die Kirche ein bzw. hätten sich taufen lassen müssen.

Schon vor über 200 Jahren schaffte Napoleon die Staatskirche ab und trennte Religion vom Staat. Warum ist das in einem so zivilisierten Staat wie der BRD nicht möglich.

Selbst als Nichtmitglied der Kirche muss ich die Gehälter der Bischöfe und die Kosten für die Glaubenslehre an den Schulen mitbezahlen.

29.01.2013
18:15
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Name von Moderation entfernt | #28

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29.01.2013
17:53
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von tom009 | #27

leute

es geht um kohlegeldmoney.

und um nichts anderes.

denn irgendwie muß ja der protzbau petersdom und der gesammte clan sammt bauten finanziert werden.

oder glaubt hier jemand das das mit eigenmitteln geschieht.

29.01.2013
17:39
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von xxyz | #26

Dieses Verhalten der Kirchen, wobei die katholische Kirche wieder besonders lebensfremd ist, zeigt deutlich, dass die Kirchen Probleme haben, die christliche Botschaft zu interpretieren. Nächstenliebe zählt wohl nicht mehr, und die Probleme der Menschen werden auch nicht angenommen.

Die Konsequenz sind viele Kirchenaustritte. Gleichzeitig ist diese Praxis im Schul- und Sozialwesen nur möglich, weil sich der Staat wieder zu schwach zeigt und nicht mehr in der Lage ist, eine Basisinfrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Wenn Eltern wieder in die Kirche gehen, nur damit ihre Kinder eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten, zeigt dies deutlich, dass der Staat seine Aufgaben vernachlässigt. Es geht nur noch um die Versorgung der Handelnden. Die Leistungen des Staates trotz immer höherer Steuereinnahmen bleiben auf der Strecke und genügen nicht den Anforderungen des 21. Jhd.

Die Kirchen springen in die Lücke und bekommen mit ihren unchristlichen Methoden auch noch Mitglieder.

29.01.2013
17:29
WDR klagt Kirche an - Wer falsch lebt, wird entlassen
von Schlagobers | #25

An folgenden Beispielen ist die Macht der Kirchen und Religionen erkennbar:
1. Verweigerung von Hilfe bei Vergewaltigung in konfessionellen (katholischen) Kliniken.
2. Entlassungen von Angestellten im Falle von Scheidung und Kirchenaustritt in konfessionellen Einrichtungen.
3. Machtstellung der Konfessionen zum Beispiel im Rundfunkrat.
4. Das einbeziehen von kirchlich orientierten Personen in nahezu jeder Ethikkommission. Als ob die die einzigen wären wir wüssten was Ethik sei.
5. Das Recht Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, Sozialeinrichtungen mit staatlichen Mitteln zu betreiben und dort nach eigenem Gutdünken zu bestimmen.
6. Massiven Einfluss auf Gesetze zu nehmen. Ein Beispiel ist das neuste Gesetz zur Beschneidung von Knaben.
7. Einen Einfluss darauf auszuüben was der Bürger an ihren Feiertagen machen darf oder nicht. Zum Beispiel an Karfreitag.
8. Et cetera
9. et cetera.
Welche politische Partei wagt es endlich dieses Problem anzupacken?

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