WDR berichtet über Abzocke bei Call Center von Air Berlin

Bei der Annullierung eines Fluges oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden steht Passagieren nach der EU-Fluggastrechtverordnung eigentlich eine Entschädigung zu - Air Berlin zahlt sie offenbar in manchen Fällen nicht.
Bei der Annullierung eines Fluges oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden steht Passagieren nach der EU-Fluggastrechtverordnung eigentlich eine Entschädigung zu - Air Berlin zahlt sie offenbar in manchen Fällen nicht.
Foto: Tobias Kleinschmidt
Was wir bereits wissen
Fluggäste haben bei großen Verspätungen Anspruch auf eine Entschädigung. Mitunter werden Passagiere von Airlines aber bewusst im Dunkeln gelassen.

Stuttgart.. Wenn sich ein Flug deutlich verspätet, steht den Passagieren nach EU-Recht eine Entschädigung zu. Doch längst nicht alle Kunden machen von diesem Recht Gebrauch. Wie der WDR am Montag in der Sendung "Aufgedeckt - die geheimen Tricks von Air Berlin" berichtet, sollen die Mitarbeiter des Call Centers von Air Berlin Kunden am Telefon ausdrücklich nicht über ihre Ansprüche informieren oder bewusst in die Irre führen. Air Berlin teilte auf Anfrage mit, dass sich die Mitarbeiter in den Call Centern in der Regel gar nicht mit Reklamationen beschäftigen. Jede Forderung nach Entschädigung werde individuell geprüft. Sei der Anspruch berechtigt, zahle das Unternehmen die nach EU-Recht vorgeschriebene Ausgleichszahlung.

Bei der Annullierung eines Fluges oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden steht Passagieren nach der EU-Fluggastrechtverordnung eine Entschädigung zu. Die Airline muss dem Kunden je nach Flugstrecke 250, 400 oder 600 Euro zahlen.

Diese Hinweise sollten Verbraucher beachten, damit sie an ihr Geld kommen

Verbraucherschutz Auf jeden Fall einchecken: Möglicherweise steht schon bei der Ankunft am Flughafen fest, dass ein Flug ausfällt oder sich enorm verspätet. Dann sollten Passagiere trotzdem einchecken, rät Dunja Richter von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eine gültige Bordkarte dient als Beleg, dass der Kunde wirklich von der Verspätung betroffen war. Deshalb sollten Passagiere die Bordkarte auch nicht zerreißen, wenn sie bei einer Umbuchung eine neue bekommen. Auch der Gepäckschein mit der alten Flugnummer sollte aufgehoben werden.

Schriftlichen Nachweis verlangen: Fluggäste sollten sich am Schalter der Airline von einem Mitarbeiter schriftlich bestätigen lassen, dass der Flug verspätet oder gestrichen wurde, rät die Verbraucherschützerin. In dem Schriftstück steht am besten die genaue Flugnummer mit Datum und Uhrzeit. Das Dokument sollte von einem Angestellten der Airline namentlich unterschrieben sein.

Ärgernis der Woche Entschädigung schriftlich geltend machen: Das Geld, das die Airline bei einer Verspätung zahlen muss, sollte stets schriftlich eingefordert werden. "Vom Weg über das Call Center würde ich abraten", sagt Richter. Manche Airlines stellten auf ihrer Webseite ein Formular zur Verfügung. Ansonsten können Passagiere aber auch selbst ein Schreiben aufsetzen und die Beweise anhängen. Eine Kopie der Nachweise und des Schreibens sollte man selbst behalten.

Nicht mit Gutschein abspeisen lassen: Viele Airlines bieten Kunden statt einer Entschädigung einen Fluggutschein an. Verbraucher sollten jedoch auf die rechtlich vorgesehene Summe bestehen, rät Richter. Sonst bekommen sie unter Umständen zu wenig. "Uns ist bekannt, dass viele Airlines Ausreden suchen. Deshalb muss man sich teilweise auf längere Streitigkeiten einstellen." Hilfe finden Passagiere bei den Verbraucherzentralen oder bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp). Führen diese Wege nicht zum Erfolg, bleibt nur die Klage. (dpa)