Was kann Dr. House wirklich?
15.04.2008 | 08:18 Uhr 2008-04-15T08:18:00+0200Düsseldorf. Ein Fernseh-Nachmittag mit dem RTL-Arzt und Dr. Alf Bernhardt, der als Onkologe an der Düsseldorfer Uni-Klinik arbeitet.
Es gibt jede Menge langweilige Fernsehserien. Serien, die so langweilig sind, dass dagegen jede Supermarktbeschallung den Blutdruck steigen lässt.
Und es gibt Perlen im Meer der Langeweile.
Zum Beispiel Dr. House. Er ist der Arzt der gleichnamigen RTL-Serie, der wie jeden Dienstag auch heute um 21.15 Uhr mit Kollegen und Patienten so behutsam umgehen wird wie ein Pitbull mit dem Fleischknochen. Damit zerbröselt House das Klischee vom Halbgott in Weiß. Mal verstörend, mal witzig, immer gut.
Aber wie ist Dr. House als Mediziner? Dr. Alf Bernhardt nimmt ihn unter die Lupe. Der 34-Jährige arbeitet als Onkologe auf der Krebsstation der Düsseldorfer Uni-Klinik und ist Fan von House. Er besitzt keinen Fernseher, aber er hat die Serie in den USA entdeckt, alle Folgen auf DVD gekauft und sie am PC angeschaut.
Der größte Unterschied zwischen beiden? "House hat ein eigenes Büro mit viel Glas und schicken Möbeln." Bernhardt ist ein Mann mit Humor.
Ein bunte Schale voll mit Tabletten
In der Uni-Klinik teilt er sich das Arztzimmer der Station mit seinen Kollegen. Es ist Pause. Dünne Vorhänge müssen reichen, um die Nachmittags-Sonne auszublenden, die auf den Bildschirm scheint. Im DVD-Laufwerk des Laptops liegt die zweite Folge der zweiten Serien-Staffel mit dem Titel "Autopsie". Es geht um die neunjährige Andie. Bernhardt hat sich die Folge ausgesucht, weil Andie an Krebs erkrankt ist. Sein Fachgebiet.
"Autopsie" beginnt mit einer Großaufnahme von Andie, die jede Menge Pillen schlucken muss. "Die bunte Schale voll mit Tabletten ist leider richtig", sagt Bernhardt. Auch die weitere Zeichnung des Krankheitsbildes stimmt. Andie bricht mit Halluzinationen zusammen, in denen es um Feuer geht. "Wir hatten Fälle, in denen Patienten nach der Schwester klingeln, weil sie glauben, dass ihr Zimmer brennt", sagt Bernhardt.
Der erste wunderbare Auftritt des Stars
House selbst ist in dieser Folge erkältet, er hat wenig Lust auf eine Krebspatientin und hat seinen ersten wunderbaren Auftritt an einem Nebenschauplatz: In einem Behandlungszimmer wartet ein Patient mit blutverschmierter Hose auf ihn. Um seiner Freundin zu gefallen, hat der Mann versucht, sich selbst zu beschneiden. House zieht seine Augenbraue hoch, seine kurzen Sätze klingen nach Wort- und Totschlag.
"Eine zynische Reaktion", findet Bernhardt, aber er kann sie nachvollziehen. "Es ist nachts im Notdienst tatsächlich so, dass wir einige Patienten sehen, die sich am eigenen Geschlechtsteil vergriffen haben." Es gibt sogar eine Doktor-Arbeit über die Rolle von Staubsaugern in diesem Zusammenhang. House hätte sicherlich seine Freude an dieser Arbeit, aber zurück zur neunjährigen Andie.
Wie bei jedem Patienten von House treten bald Komplikationen auf. Bei Andie soll der Tumor von den Zellen des Herzreizleitungssytems abstammen. "Ein extrem seltener Tumor", so Bernhardt. Der Tumor soll in einer Operation entfernt werden, in der das Herz kurzfristig aus dem Körper entfernt wird. "Das können wir einfach mal abhaken", schüttelt Bernhardt den Kopf.
Aber es gibt eine zweite Theorie. Eine Embolie mit einem Blutgerinnsel im Gehirn soll für die Komplikationen verantwortlich sein. In einer Operation senken die Ärzte die Körpertemperatur des Mädchens ab, leiten ihr Blut aus dem Körper, entfernen das Gerinnsel und beleben Andie wieder. Bernhardt sagt: "Vergessen Sie das alles. Diese Nummer macht keiner." Aber er weiß auch: Fernsehserien brauchen Spannung und müssen verkauft werden.
Generell, so Bernhardt, haben die Schreiber der House-Serie gute medizinische Berater. Viele Details stimmen, manche Dinge werden aus dramaturgischen Gründen überzogen. Aber Bernhardt hat damit kein Problem: "Ich schaue House ja nicht, um mich medizinisch weiterzubilden." Dem 34-Jährigen geht es um den Bruch des Klischees, das Ärzte als die Halbgötter in Weiß verherrlicht. "Ärzte sind Menschen wie jeder andere", sagt er. "Wir leben mit Druck."
Etwa, wenn er Krebspatienten die Wahrheit über ihren Zustand erklären muss. "Man muss lernen, Schicksale nicht zu nah an sich heran zu lassen." Jeder geht anders damit um.
So ist House jemand, der sein Innerstes hinter einer Panzertür verschlossen hält. Der Fernseh-Doc bricht anders aus. In der Schluss-Szene der Folge kauft er ein Motorrad. "Wenn man oft mit dem Tod zu tun hat, weiß man, dass man im Leben nicht alles aufschieben sollte", sagt Bernhardt. Er mag den Moment, in dem House auf der Maschine aus dem Bild fährt.
Wie er selber ausbricht? Das bleibt offen, Bernhardt ist Arzt, kein Schauspieler. Die Pause ist vorbei, die Patienten warten auf ihn. (NRZ)
12:33
Hallo,
nur zur Richtigstellung: Bewusste Unterkühlung eines Patienten zur schonenden Operation am Gehirn wird auch in Deutschland praktiziert, nein in den USA ist nicht Alles besser ! Zur Diagnostik eines vermuteten Gerinnsels mittels offenen MRT wie bei Dr.House ist dieses Verfahren keine Option.
mfg
A.Bernhardt
20:17
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16:31
Toller Bericht!!! Schön, dass auch ein richtiger Arzt sich solch eine Serie anschaut.
Dr. House ist die zur Zeit beste Serie mit den besten Schauspieler. Hoffentlich kommen noch sehr viele Staffeln.
12:10
Dr House ist nicht mehr wegzudenken mehr davon