Warum Lanz mit „Wetten, dass..?“ durch den Kakao gezogen wird

Die ZDF-Show "Wetten, dass..?" glich am Sonnabend einer Mischung aus Kindergeburtstag und Drogentrip. Die Wetten liefen so nebenbei. Im Bild: Markus Lanz geht baden.
Die ZDF-Show "Wetten, dass..?" glich am Sonnabend einer Mischung aus Kindergeburtstag und Drogentrip. Die Wetten liefen so nebenbei. Im Bild: Markus Lanz geht baden.
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Was wir bereits wissen
Das Ende einer Legende: Dass Markus Lanz mit „Wetten, dass..?“ die zweitschlechteste Quote seit Bestehen der Sendung einfuhr, hat Gründe. Dass der Moderator keine Fehler machen will, ist nur einer von mehreren. DSDS zog beim Publikum unter 50 Jahren an „Wetten, dass..?“ vorbei.

Wien.. Vor der Premiere waren die Erwartungen groß, sehr groß. Acht Millionen Zuschauer locken – mit dieser Vorgabe von ZDF-Chef Thomas Bellut trat Markus Lanz die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ an. Tatsächlich legte der Südtiroler einen furiosen Start hin. Doch nach sechs Ausgaben sind Publikum und Senderspitze ernüchtert. Jetzt kann Lanz Einkehr halten. Weiter geht es erst im Juni mit dem Sommer-Special auf Mallorca.

Dass der Moderator in Wien buchstäblich durch den Kakao gezogen wurde, hat sinnbildlichen Charakter: Der 44-Jährige ist auf dem besten Weg, mit „Wetten, dass..?“ baden zu gehen.

DSDS zog beim Publikum unter 50 an Lanz vorbei

Als Lanz im Oktober vorigen Jahres in die großen Fußstapfen seines langen Vorgängers trat, fuhr der drahtige Moderator eine sensationelle Quote ein. 13,6 Millionen Zuschauer erinnerten an Gottschalks Glanzzeit. Doch seither geht es für den Bauernbub bergab. Die sechste Ausgabe an diesem Wochenende bescherte Lanz die zweitschlechteste Reichweite in der 32-jährigen Geschichte der Show. 7,43 Millionen Zuschauer – weniger waren es nur einmal, im April vor zwei Jahren. Logischerweise schrumpfte auch die Quote. 24 Prozent sind für alle Sendungen eine stolze Zahl – außer für „Wetten, dass..?“. Die Show sah üblicherweise einst jeder Dritte.

Wetten, dass..? Noch weniger Freude löst bei den Mainzelmännern aus, dass Lanz beim Publikum unter 50 einen Tiefpunkt erreichte. 2,04 Millionen Zuschauer – weniger waren es nie. Der Marktanteil sackte im Vergleich zur Februar-Ausgabe um fünf Punkte ab. 17,8 Prozent sind für die einstmals erfolgreichste TV-Show Europas nicht akzeptabel. Kein Wunder, dass es „Deutschland sucht den Superstar“ trotz schwacher Reichweite gelang, bei den 14- bis 49-Jährigen an Lanz vorbeizuziehen. Woran liegt’s?

Der Mann, der keine Fehler machen will

An mangelnder Vorbereitung sicher nicht. Der smarte Lanz macht sich keineswegs einen lauen Lenz. Im Gegenteil: Mit Karteikarten und Knopf im Ohr wirkt er bestens präpariert. Seine vermeintliche Stärke erweist sich aber zunehmend als Schwäche. Weil der sonst lockere Moderator keine Fehler machen will, spult er ein starres Sendekonzept ab, mit Gesprächen von bedrückender Banalität. Das macht zweieinhalb Stunden nicht nur lang, sondern, schlimmer noch, langweilig.

Zudem scheiterten Lanz’ Versuche kläglich, „Wetten, dass..?“ in einen Kindergeburtstag für Erwachsene zu verwandeln. Seit Film-Star Tom Hanks im November mit Katzenmütze wie ein begossener Pudel aussah, meidet Hollywood die Couch von „Wetten, dass..?“.

Sehnsucht nach dem Vorgänger

Das weckt Sehnsucht nach seinem Vorgänger. Natürlich, Gottschalk moderierte stets nach Tagesform. Aber in seinen besten Momenten – und davon gab es nicht wenige – gelang es dem langen Blonden, aus dem bunten Fernsehabend Impro-Theater zwischen Gag und Gaga zu machen. Seine Lässigkeit war legendär; sie ist nicht zu kopieren. „Wetten, dass..?“ funktionierte zuletzt nur mit Gottschalk – und Gottschalk funktionierte nur mit „Wetten, dass..?“.

Jubiläum Das ZDF wäre gut beraten gewesen, ein Format, das derart stark an eine ganz bestimmte Person gebunden ist, mit einem würdigen Finale zu beenden, zumal sich der Reiz der Show schon seit längerem abgenutzt hat. Gottschalks Sechzigster wäre für alle Beteiligten ein fantastisches Ende einer großartigen TV-Ära gewesen. Bei einer Show ist nicht nur der Anfang wichtig, sondern, fast stärker noch, das Ende.

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