Warum Anna Ziegler in die "Lindenstraße" zurückkehrt

Szene aus der "Lindenstraße": Anna (Irene Fischer) und Hans (Joachim H. Luger, re.) sind glücklich: Zumindest Martin (Jan Grünig) freut sich auf das Haus im Grünen.
Szene aus der "Lindenstraße": Anna (Irene Fischer) und Hans (Joachim H. Luger, re.) sind glücklich: Zumindest Martin (Jan Grünig) freut sich auf das Haus im Grünen.
Foto: Joyce Ilg/WDR
Was wir bereits wissen
Irene Fischer kehrt als Kult-Figur Anna Ziegler in die ARD-Serie zurück. In einer Drehpause sprach sie über ihre Rolle, ihr Leben und ihre Vögel.

Köln.. Die "Lindenstraße" ist eine Welt für sich. Auf dem Studiogelände in Köln-Bocklemünd liegt sie fast direkt an der A 1. Gegen Mittag kehrt ein wenig Ruhe ein. Zeit für ein Gespräch mit Irene Fischer, die als Kult-Figur Anna Ziegler wieder in die Ewigkeitsserie einsteigt.

Sie tragen einen Schal mit einem ungewöhnlichen Muster. Gehört der zu Ihrem Kostüm?

Irene Fischer: (lacht) Nein, der ist privat. Anna Ziegler hat einen völlig anderen Geschmack als ich!

Welches Muster hat der Schal?

Fischer: Es ist eine Art Paisley-Muster. Ein superschönes Tuch, total warm, und es passt auch halt zu allem. Hat mir mal mein Mann geschenkt. Das trage ich praktisch immer ...

...zumal wir jetzt Winter haben.

Lindenstraße Fischer: Na ja, hier, in Köln, ist ja nicht mal richtig Winter. Da, wo ich wohne, im Schwarzwald, bedeutet Winter ‘was ganz anderes. Da bleibt der Schnee richtig lange liegen.

Lieben Sie Wintersport?

Fischer: Wenn Schnee liegt, fahre ich gern Ski! Aber leider sehr schlecht (lacht). Man kann von uns aus in 15 Minuten am Lift sein, eine Runde Ski fahren und dann wieder nach Hause zurück.

Aber jetzt sind Sie von zuhause wieder nach Köln gefahren, um als Anna Ziegler wieder in die "Lindenstraße" zurückzukehren. Warum?

Fischer: Letztlich war das eine Entscheidung von uns Autoren und von (Produzent) Hans W.Geißendörfer. Anna hat Hans Beimer vor über zwei Jahren verlassen, weil er die Adoption des Kindes rückgängig machte, ohne Annas Einverständnis. Sie fand sein Verhalten verantwortungslos und egoistisch.

Hans dagegen hat Anna vorgeworfen, lieblos und kalt zu sein. Annas Pause in der „Lindenstraße“ war geplant, Annas Rückkehr aber auch. Ich bin gespannt, wie Hans Beimer reagiert, wenn er Anna gegenübersteht, und noch mehr, wie ihre einstige Rivalin Helga Beimer ihr begegnet. Und natürlich darauf, was Annas plötzliches Auftauchen bei den Zuschauern auslöst.

Gut, aber Sie hätten sagen können, ich habe die Anna lange genug gespielt, ich habe keine Lust mehr.

ARD Fischer: Da müsste ich lügen. Anna macht mir als mein Alter Ego großen, großen Spaß. Ich habe das Glück, eine Rolle über 28 Jahre hinweg spielen zu dürfen. Das ist ein Geschenk. In der „Lindenstraße“ habe ich immer ein bezahltes Doppelleben geführt. Das ist einmalig. Das empfinde ich als großen Luxus.

Welches Verhältnis haben Sie zu Anna Ziegler?

Fischer: Anna ist chronisch überfordert, immer angestrengt. Sie ist nicht durchgehend sympathisch. Sie kämpft um ihre Ordnung, um ihre Familie, um ihre Ehrlichkeit – auch wenn sie nicht immer geschickt und manchmal auch zickig ist. Aber so sind Menschen. Das zu spielen ist für mich auch eine Herausforderung.

Um die Sympathie des Publikums zu buhlen, ist leicht.

Fischer: Eben. Ich weiß, dass Anna von den Fans kontrovers diskutiert wird. Aber ich kann das aushalten.

Welches Verhältnis hat Anna zu Ihnen?

Fischer: Anna ist mir treu. Sie macht, was ich will.

Haben Sie schon mal von Anna geträumt?

Lindenstraße Fischer: (stutzt) Interessante Frage. Nein, das habe ich noch nie – obwohl ich viel träume.

Wenn Sie das Anna-Kostüm ausziehen, hängt Ihre Rolle buchstäblich am Nagel.

Fischer: Genau.

Sind Sie mit dem Kostüm direkt in der Rolle?

Fischer: Ja. Das ist die schöne Form von Routine. Ich brauche keine Eingewöhnungszeit. Irene bleibt in der Garderobe, und Anna geht ans Set.

Sie haben von Doppelfamilie gesprochen. Ist die "Lindenstraße" Ihre Zweitfamilie?

Fischer: Auf jeden Fall, in gewissem Sinne. Ich bin etwas zurückhaltend, was den Begriff „Familie“ angeht. Aber man wäre masochistisch, wenn man ohne Spaß und Freude in solch ein langes Projekt geht. Es ist ein Job, zudem eine gewisse professionelle Distanz gehört, die man sich auch dann bewahren muss, wenn man sich über einen so langen Zeitraum kennt. Das empfinde ich als wohltuend.

Als ich Sie gerade mit Joachim Luger (Vater Beimer) gesehen habe, dachte ich: Die beiden gehen miteinander um wie ein altes Ehepaar...

Fischer: Wenn man sich beim Zähneputzen sieht oder auch mal im Unterhemd, dann kommt schon eine Nähe auf. Wir sind aber trotzdem „nur“ Kollegen. Und dennoch ist das Verhältnis zu Joachim etwas ganz Besonderes, schließlich drehen wir ja schon seit 28 Jahren miteinander; das kann man schwer erklären.

Okay, nach den Dreharbeiten ist Schluss.

Lindenstraße Fischer: Nee, nach den Dreharbeiten gehen wir essen. Aber dann reden wir nicht über die Arbeit, dann reden wir zum Beispiel über unsere eigenen Kinder.

Was macht Ihnen in der Freizeit Spaß?

Fischer: Ich lese, ich gehe gern spazieren und in alle möglichen Konzerte, ich arbeite im Garten, ach ja, und Vögel habe ich auch.

Vögel?

Fischer: Da ich viel zuhause bin, etwa beim Schreiben (neuer Drehbücher für die „Lindenstraße“), werden mir von Tierärzten viele Vögel zum Aufpäppeln nach Hause gebracht. Die muss man alle halbe Stunde füttern – und zwar ab morgens. Das kann nur jemand leisten, der dann auch zuhause ist. Und deshalb habe ich bis zu acht Vögel.

Wann sind Sie zum ersten Mal an einen Vogel geraten?

Fischer: Über einen befreundeten Tierarzt. Der brachte uns eines Tages einen kranken Vogel, den ich wieder aufgepäppelt habe. Da das funktionierte, wurden es im Laufe der Zeit immer mehr.

Bei Ihnen stehen ganz viele Vogelkäfige.

WDR Fischer: Die kleinen Vögel sind zunächst in Körbchen. Erst wenn sie größer sind, kommen sie in eine Voliere. Und die ganz Großen – die Krähen und die Elstern – sind draußen, weil sie stinken. Da hat es schon seltsame Begegnungen gegeben, wenn mal eine Krähe auf meiner Schulter sitzt … Ein Paketbote dachte da mal, ich hätte was mit dem Teufel zu tun (lacht).

Das klingt nach Hitchcock. Müssen Sie auf Ihren Schmuck aufpassen?

Fischer: Oh ja, Krähen und Elstern sind unheimlich schlau, und sie lieben, was blinkt. Da muss ich echt aufpassen.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, Ihre Vogel-Leidenschaft in Ihre Rolle einzubauen?

Fischer: (lacht) Das wäre sicher ein großer Spaß, warum nicht? Ich würde mir gern von Tieren die Schau stehlen lassen!

  • Lindenstraße – Sonntag, 22. Februar, 18.50 Uhr, ARD