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ARD-Krimi

Viel Zickenkrieg und Rumgebrülle im „Tatort“ Ludwigshafen

14.02.2016 | 08:57 Uhr
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ermittelt am „Tatort“ Ludwigshafen – eine Spur führt zu Yago Torres (Matthias Weidenhöfer).Foto: SWR/Alexander Kluge

Berlin.  Wieder einmal hakt’s am „Tatort“ aus Ludwigshafen: „Du gehörst mir“ liefert starke Bilder, aber erneut eine sehr schwache Geschichte.

Die Stimmung ist mies im Ludwigshafener „Tatort“-Revier. Kopper hat Probleme mit seiner italienischen Frau, die er abends mit viel Alkohol ablöscht. Tagsüber ist er entsprechend erledigt und muss sich Vorwürfe von seiner Kollegin Johanna Stern anhören. Stern wiederum pflegt weiter ihren Zickenkrieg mit Lena Odenthal: Sie weiß und kann alles besser und hält Odenthal für unprofessionell. Umgekehrt sieht Odenthal in der anderen ein karrieregeiles Neutrum ohne Einfühlungsvermögen.

Die Konstellation ist aus den letzten „Tatort“-Folgen aus Ludwigshafen bekannt, aber selten hat sie so genervt wie dieses Mal. Regisseur Roland Suso Richter und Autor Jürgen Werner geben ihr mindestens so viel Zeit wie der eigentlichen Kriminalhandlung – also ist reichlich Gelegenheit für enthemmtes Rumgebrülle im Kommissariat. Das wäre nur dann erträglich, wenn es mit dem Fall verzahnt oder wenigstens figurenpsychologisch plausibel wäre. Aber beides trifft nicht zu.

Odenthal ist als emotionales Kompetenzzentrum unglaubwürdig

Denn erstens kauft man dem wacker „Ti amo“ ins Telefon flötenden Andreas Hoppe den Halbitaliener Kopper immer noch nicht ab. Und zweitens ist es keine gute Idee, Odenthal und Stern als Gegensatzpaar von Bauch- und Kopfmensch in Stellung zu bringen: Die früher oft ruppige, auch misstrauische Odenthal ist als emotionales Kompetenzzentrum einfach unglaubwürdig. Es ist noch nicht allzu lange her, da sahen wir sie selbst, von Depressionen verschattet, in psychologischer Behandlung. Von dort ist es zum Leuchtturm der Empathie doch ein etwas langer Weg.

Liebe bis zum Tod im Tatort Ludwigshafen

Aber es gibt ja auch noch etwas zu ermitteln. In einem Parkhaus wird ein Mann von einem Auto regelrecht zerquetscht, dann mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet. Die Ermittler finden heraus, dass er eine junge Frau nur wenige Wochen zuvor so brutal vergewaltigt hat, dass sie seitdem komatös im Krankenhaus liegt. Ging es also um Rache? Da gäbe es ein paar Kandidaten: die Mutter, die beste Freundin und der Freund des Opfers, der rappenderweise durch die Ludwigshafener Szene zieht. Für Rache spricht auch, dass ein Freund des Opfers, der an der Vergewaltigung beteiligt war, kurz darauf vergiftet wird. Andererseits hat man auch eine Menge Steroide beim Opfer entdeckt, das sich gern im nahe gelegenen Fitnessstudio die Muskeln aufblähte. Liegt hier das Mordmotiv verborgen?

„Tatort“ Ludwigshafen auf gewohnt unterdurchschnittlichem Niveau

Die Kommissare sind derart damit beschäftigt, sich untereinander zu bekriegen, dass sie beklagenswert lausig ermitteln. Beim Ausleuchten des privaten Umfelds des Toten lassen sie eine Person komplett aus, die sich dann prompt als schuldig entpuppt. Das senkt diesen „Tatort“ in das gewohnt unterdurchschnittliche Niveau der Folgen aus Ludwigshafen. Das ist schade, denn die Kameraleute Jürgen Carle und Christoph Schmitz haben interessante, stimmungsvolle Bilder der Stadt am Rhein eingefangen, immer etwas überbelichtet, gleißend hell und kalt, die im Zusammenspiel mit der Musik oft eine dichte Atmosphäre ergeben. Man hätte in dieser Szenerie nur eine gute Geschichte finden müssen.

• Sonntag, 14. Februar 2016, 20.15 Uhr, ARD: „Tatort – Du gehörst mir“

Felix Müller

Kommentare
15.02.2016
09:47
Viel Zickenkrieg und Rumgebrülle im „Tatort“ Ludwigshafen
von fisch2012 | #3

Und passend zu dieser unsäglichen Abendunterhaltung ist eine Zahlungsaufforderung der GEZ für die Erpressunggebühren in der Post!
Gibt es ebenfalls...
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1 Antwort
Viel Zickenkrieg und Rumgebrülle im „Tatort“ Ludwigshafen
von DerHeinzer | #3-1

Interessant, die Zahlungsaufforderung muss aber lange unterwegs gewesen sein, da es die GEZ seit Ende 2012 nicht mehr gibt.

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Viel Zickenkrieg und Rumgebrülle im „Tatort“ Ludwigshafen
Viel Zickenkrieg und Rumgebrülle im „Tatort“ Ludwigshafen
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2016-02-14 08:57
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