Viel Fremdschämen bei "Wetten, dass..?"
05.10.2009 | 07:31 Uhr 2009-10-05T07:31:00+0200
Freiburg. Sie ist ein charmanter Hingucker, aber der ganz große Gewinn für die Sendung ist sie nicht: Michelle Hunziker, die Gottschalk als „Junior-Partnerin“ vorstellte, spielte beim "Wetten dass..?"-Einstand nur eine kleine Nebenrolle. Sie musste Wetten präsentieren, die ziemlich ekelhaft waren.
Damit eines gleich vorweg gesagt ist: Michelle Hunzikers Dekolletee war kinderprogrammtauglich. Die Schweizerin lächelte telegen in glitzernden Pumps und silberfarbenem Kleid und war damit so samstagabendshowcharmant, dass man sich fast gewünscht hätte, der attraktive Neuzugang spiele nicht nur die kleine Nebenrolle der Wetten-Erklärerin in der Show. Denn sie ist schon ein Hingucker, die Hunziker.
Ob's daran lag, dass die erste "Wetten dass..?"-Sendung nach der Sommerpause mit 11,29 Millionen Zuschauern die beste Einschaltquoten seit anderthalb Jahren hatte? An den Wetten jedenfalls kann's nicht gelegen haben. Denn die waren zum Weggucken: Da gurgelt ein Hamburger mit grölendem Fanclub unermüdlich nach Spucke, um mithilfe ellenlanger Speichelfäden zehn Briefmarken in ein Gefäß zu befördern. Zweieinhalb Minuten sind fürs Geschlabber und Gesabber eingeplant. Nicht schön. Aber gut, Schwamm drüber.
Michelles angewidertes Lächeln
Wetten, dass sich trotzdem bald alle angeekelt wegdrehen? Die Geschmacksgrenze ist überschritten, wenn ein Schnurrbartträger nach exzentrischer Schnüffelei am verschwitzten Gummistiefel die richtige Trägerin mit folgenden Worten zuordnet: „Ah, ja. Die hat Schweiß, das ist die Iris.“ Dann wendet sich sogar Michelle Hunziker mit angewidertem Lächeln ab. Und das soll was heißen. „Ich bin sehr physisch“, warnt sie das Publikum bereits zu Beginn der Sendung - und herzt dann auch herzlich jeden anderen Kandidaten, als meinte sie, diese wären nur wegen einer Hunziker-Umarmung in der Show.
An emotionalen Augenblicken hätte es dem ersten „Wetten dass..?“ nach der Sommerpause in der Freiburger Rothaus-Arena auch ohne Hunzikers Körpereinsatz nicht gemangelt: Whitney Houston is back! Vor zehn Jahren war sie zuletzt in der Sendung, das Publikum offeriert ihr die Standing Ovations diesmal schon vor dem Auftritt. Und danach, wer hätte es erwartet, setzt sie sich zu Gottschalk auf die Couch. Woher sie die Kraft genommen habe, die große Karriere noch mal anzukurbeln, will der Entertainer wissen. „Mein Glaube, meine Überzeugung“, antwortet Houston. Sie wollte ihrer Tochter den großen Erfolg noch mal vorführen. Die 16-jährige Bobbi Kristina Houston ist im Publikum, ihr Gesicht wird groß eingeblendet, angestrengte, versteinerte Mimik.
Gottschalk fällt - wie üblich - den Gästen ins Wort
So entspannt wie üblich sitzt dagegen Gottschalk auf der Couch als wäre er in seinem Wohnzimmer, fällt seinen Gästen ins Wort wie immer, führt souverän wie gewohnt durch die Show. Mit Tokio Hotel spricht er wie ein stolzer Vater am Frühstückstisch: „Ihr seid richtig erwachsen geworden.“ Bei den zu Guttenbergs habe er schon als Sechsjähriger gespielt, man kommt aus dem gleichen Wahlkreis, deshalb duzt man sich auch; ein smart lächelnder Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erzählt, dass „ ich durchaus technobegeistert bin“. Der Noch-Bundeswirtschaftsminister trägt ebenso wenig Krawatte wie Schauspieler Sebastian Koch, der bald als „Seewolf“ im ZDF-Zweiteiler zu sehen ist. Übrigens ist auch Veronica Ferres mal wieder bei „Wetten dass..?“, allerdings deutlich unspektakulärer gekleidet als erwartet.
Dafür bringt sie diesmal einen spannenden Gast, ganz langsam, Stufe für Stufe die Studiotreppe hinunter zur Couch: die 97-jährige Jüdin Marga Spiegel, die während der Nazi-Herrschaft von deutschen Bauern versteckt wurde und deren Geschichte mit Ferres in der Hauptrolle in dem Kinofilm „Unter Bauern“ zu sehen ist. Man schämt sich fast ein bisschen dafür, dass auch sie die Schwitz- und Sabber-Wetten angucken muss, die 97-Jährige indes schert’s nicht. Sie wirkt mindestens so unerschrocken wie der jüngste in der Runde: „Wickie“ Jonas Hämmerle, der im Partnerlook mit Produzent Michael „Bully“ Herbig im dunklen Anzug kam. Wenn Gottschalk ihn penetrant nach Mädchen fragt, spielt er den Profi. Obwohl’s ihm peinlich ist.
Pocher-Auftritt mit viel Fremdschäm-Potential
Apropos: Fremdschäm-Potenzial hat Oliver Pochers Auftritt gegen Ende der Sendung. Für seinen nervösen Stand-up erntet er kaum Lacher. Der Zuschauer vor dem Fernseher ahnt schon böse Buh-Rufe, aber die Freiburger sind gnädig. Pocher bekommt trotzdem hektische rote Flecken und wird sich auch später auf der Couch nicht mehr fangen. Ganz gründlich misslingt, eine Kritik zur Show lustig ins Programm einzubinden. Wobei das wiederum auch an der Sendung liegen könnte, von der vielleicht zu viel Neues erwartet wurde. Die kleinen Veränderungen haben „Wetten dass..?“ kaum die erhoffte Frische gebracht.
Auf die beim Publikum beliebte Saalwette wird zugunsten eines eher drögen Hunziker-Gottschalk-Kandidaten-Duells um die Standfestigkeit schräg gekippter Getränkedosen verzichtet. Dass die Namen der Wettenden nun mit einem Balken rechts eingeblendet werden, fällt als Novum kaum auf. Und in punkto Moderation ist Michelle Hunziker keine großer Gewinn. So viel Charme sie auch mitbringt, sie wirkt aufgeregt und unsicher, verhaspelt sich immer wieder: Bei der Außenwette an einem See, den ein Isländer mit einem Offroad-Fahrzeug zu überqueren versucht, wirkt sie gar fahrig. Da ist sie wie der Wett-Kandidat, der mit seinem Gefährt mitten auf dem See untergeht: „gescheitert, aber spektakulär.“
14:39
Über den naturblonden Lockenkopf Gottschalk und die hübsche , aber unbedarfte Hunziker mag man ja noch geteilter Meinung sein.
Wie man dem deutschen Publikum immer wieder einen Oliver Pocher vorsetzen kann, das verstehe ich nicht. Dieser Mann ist dumm-dreist und hat überhaupt kein Format. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wer diesen Mann protegiert (hat) .
runningvalentino
11:12
Pocher war und ist für mich das Allerletzte. Er sollte endlich verschwinden. So ein ordinärer und niveauloser Mensch gehört nicht ins Fernsehen - eher sollte er mal lernen, was arbeiten heißt und sein Großmaul halten. Einfach erbärmlich.
10:20
Es wird halt immer schwieriger, gute Wetten zu bekommen. So schlecht war die Sendung gar nicht.
10:15
@Lauda: ganz schnell bereut und wieder weggeschaltet XD schön das du dir aber über den Pocher ein Urteil bildest obwohl er ganz am Ende kam, da hat sich wohl einer ein Eigentor geschossen.
Ich versteh auch nicht warum man Pocher auftreten lässt obwohl er keine neue Standup-show macht und mit alten kamellen auftreten muss, gut das man da zu RTL wegschalten konnte obwohl da lief ja Pochers alte standup show XD
Naja die Show hab ich mir angeguckt weils halt der Familienabend ist da spielt man Karten und guckt was wo man nicht hingucken muss, bei Starwars wäre die aufmerksamkeit nicht da und das guckt man sich ruhig auf dvd an, aber naja nicht toll die sendung.
Und nur weil Wetten eckelhaft sind heißt es nicht das es keine guten wetten sind, ich mein wer kann schon das mit der Spucke wiederholen?
höchstens der junge aus dem Film Big Daddy von dem er wohl die wette hat.
09:51
#54
Warum schämen Sie sich denn, wenn man sich anständig anzieht? Ist Ihnen das fremd?
20:46
Ich habe mich bei dem altklugen 11-Jährigen im Anzug fremd geschämt. Wer tut einem Kind so etwas an, es so zu verkleiden.
20:12
Kann mich der Meinung der Autorin nur anschließen - ganz besonders was Oliver Pocher und auch die reizende, aber unbedarfte Michelle Hunziker angeht.
19:02
#42 von jcm:
Bevor Aldi angefangen hat Computer zu verkaufen war im deutschsprachigen Internet das Du die übliche Anrede. Gesiezt wurden nur die, denen man nicht mal die Hand schütteln würde. Das können Sie u.a. in verschiedenen Versionen der Netiquette nachlesen: http://achim-achilles.de/hilfe/netiquette
18:04
Ich habe die Wiederholung am Morgen gesehen,
Frau Hunziker ist solange toll, wie sie den Babbel hält.
Gottschalk wird mittlerweile den ganzen Karikaturen auf seine Person gerecht.
Der sagt tatsächlich 6mal in einem Satz RESCHPEKT.
Bei der Fusschweiss-Wette musste ich auc hsofort an Fetischerfüllung denken.
Was hat die Ferres den mal wieder da zu suchen, fragt man sich auch.
Mal abgesehen von den Dinos, war tatsächlich (ich hätte nie gedacht, daß ich sowas mal schreibe) der Auftritt von den Tokio-Hotel-Honks das Highlight der Sendung.
Und Michael Bully ich lass mich medial verheizen Herbig sollte auch mal solangsam darüber nachdenken ob er nicht etwas überpräsent ist.
17:48
@jcm:
Was erwarten Sie denn von diesen piefigen Halbgescheiten ? Die haben es nunmal nicht mit Ironie und Reflektion, dazu muss man schon mindestens ein Buch gelesen haben : )))
Habe wegen Hinziker mal reingeschaltet, nicht nur wegen ihr ganz schnell wieder bereut und ausgeschaltet.
Pocher ist ja wohl immer mehr ein armes talentloses Würstchen zu nennen; er glaubt ja, er nerve nur die Konservativen. Da hat er Unrecht. Er nervt die Denken Könnenden.