Vergreiste Jugendliche bei "Ich kann Kanzler"
19.06.2009 | 11:34 Uhr 2009-06-19T11:34:00+0200
Düsseldorf. Junge Kandidaten, sympathische Jury, wichtiges Thema: „Ich kann Kanzler“ bringt die richtigen Grundvoraussetzungen mit und ist doch die unrealistischste aller Castingsendungen. Verglichen damit ist Heidi Klums "Germany's next Topmodel" hochseriöses Berufsausbildungs-Fernsehen.
Es ist schon komisch: Monatelang hieß es, Heidi Klums Topmodel-Sendung vermittle ein falsches Bild vom Mannequin-Beruf, basiere auf unsinnigen Prüfungen und bediene sich Hollywood-Methoden. Das ist zum Großteil wahr. Im Vergleich zu „Ich kann Kanzler“ ist Klums Sendung allerdings hochseriöse Berufsausbildung.
„Germany’s Next Topmodel“ verfolgt die Kandidatinnen immerhin über Monate hinweg, lässt sie Situationen simulieren und Fähigkeiten trainieren, die zumindest ansatzweise mit dem Beruf zu tun haben. Es ist ein halbernstes Casting im Seifenopern-Gewand. Beim neuen ZDF-Produkt verhält es sich genau umgekehrt. „Ich kann Kanzler“ ist eine realitätsferne Sendung mit Dokumentationsanspruch. Ganze zwei Minuten haben Günther Jauch, Anke Engelke und Henning Scherf, um das Kanzlerpotenzial ihrer Schützlinge abzuklopfen. In der Zeit könnte man gerade überprüfen, ob Michael Schuhmacher die Lenkradsperre aufkriegt.
Noch absurder wird es beim Programm der Kandidaten. 45 Sekunden haben diese, um ihre „Ideen für Deutschland“ vorzustellen. Dass da kaum mehr als politische Gemeinplätze herauskommen, kann man sich vorstellen. Und so ist es dann auch: Eine Kandidatin möchte mehr Partizipation. Was sie genau meint – keine Nachfrage. Ein Mann verkauft die Vereinfachung des Steuerrechts als Vision. Alle wollen mehr Geld für Nachwuchs und Bildung (so, als ob es eine Partei gäbe, die weniger Kindergeld und den Abriss von Universitäten forderte). Eine Frau schlägt vor, dass Politiker Patenschaften mit Schulklassen eingehen. Warum, wird nicht klar. Es ist seltsamer Mix aus Konsensmeinungen und abseitigen Ideen.
Vergreiste Jugendliche
Die Hälfte der Kandidaten in dieser Sendung scheint außerdem am Methusalem-Syndrom zu leiden. Ob es an den Anzügen oder der Rhetorik liegt – selten sah man so viele vergreiste Jugendliche. Vorsitzender im Philipp-Mißfelder-Gedächtniskreis ist Jacob, ein 18jähriger Abiturient aus Brandenburg, der die politische Phraseologie („Ich muss Ihnen ehrlich sagen ...“ / “Ich hoffe, ich konnte meine Vision überzeugend vermitteln.“) schon derart verinnerlicht hat, dass man lieber nicht darüber nachdenkt, wie er mit 40 reden wird. „Glaubst Du, dass in Deiner Stufe viele mit Dir in den Urlaub fahren würden?“, fragt Engelke nicht ohne Grund. „Ich muss nicht mit dem Kanzler in den Urlaub fahren.“ kontert Jauch. Das stimmt. Man muss aber auch nicht jeden Aufzeige-Schnipper zum Kanzler machen.
Zugegeben: Nicht alle Kandidaten wirken so stromlinienförmig. Die vierfache Mutter Antje Krug zum Beispiel überrascht mit der Aussage, sie sei nicht grundsätzlich für eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, obwohl sie als Arbeitslose selbst davon profitieren würde. Vermutlich könnte man aus dem einen oder anderen Bewerber auch mehr rausholen, wenn der Zeitrahmen nicht so eng wäre. Bleibt nur die Hoffung, dass sich das im heutigen Live-Finale ändert. Wenn nicht, dann war „Ich kann Kanzler“ wenig mehr als ein im Ansatz versandetes Edelcasting.
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15:20
Ich hab mir gerade das Finale in der ZDF Mediathek angesehen. Die Show ist natürlich der übliche ZDF-Propaganda-Müll mit den üblichen Propaganda-Botschaften. Angeblich kann jeder es schaffen, Hartz IV ist zu hoch u.s.w.
Dazu die üblichen pseudokritischen Fragen, die die Oberfläche nicht mal streifen.
Die Kandidaten der Parteien der üblichen Verdächtigen haben sich dabei gegenseitig beim Raushauen von Allgemeinplätzen überboten. Stromlinienförmig, angepasst, da hilft auch die Körnerfresser-Mimikri nicht. Die Botschaft des CDU-Senders, mach mit, pass Dich an, dann wirst Du auch ein erfolgreiches Rädchen im Verarschungsgetriebe.
13:12
Leider wurden die wirklich interessanten Typen wurden gar nicht erst zugelassen.
Z.B. setzte sich jemand dort für das bedingungslose Grundeinkommen ein. Trotz vieler Abstimmungspunkte (3. oder 4. Platz) fiel er aus der Vorentscheidung raus.
Mich hätte sehr interessiert, was er darüber zu sagen gehabt hätte......
10:55
Herzlichen Glückwunsch zu diesem aufschlussreichen Stück Fernsehgeschichte!!
Nun hab ich wenigstens die Bestätigung, dass mein Bild vom Kanzlerjob sowohl vom sinnamputierten Labernachwuchs als auch von den Machern öffentlicher Runkfunkanstalten geteilt wird. Ich bedanke mich.
Lediglich der Titel Ich kann Kanzler irritiert mich ein wenig. Da das Format mit so Schlagworten wie Regierungs-Nachwuchs oder Merkel-Nachfolger beworben wurde, hätte es doch eigentlich Ich kann auch nicht Kanzler heißen müssen ...... grübel ......
10:15
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23:39
Ein grausamer Schwachsinn !
Und das vom ach so elitären öffentlich-rechtlichem (was für eine Bezeichnung!) Fernsehen, dessen Mitarbeiter gar nicht oft genug betonen können, wie ******* die Sendungen der Privaten sind.
Und als i-Tüpfelchen GEZ-finanziert.
23:08
echtes deutsches Grauen, zwangsfinanzierte Volksverdummung, der absolute Gipfel des Schwachsinns, wenn das die deutsche Jugend ist, sind wir am Ende, ... und Jauch tut weh...
22:42
wenn so eine Jury selber den Spassfaktor darstellen will wundert mich nichts..
14:43
@ 21
ich kann n i c h t schreiben, da ich gerade vor
Lachen vom Stuhl gefallen bin..........
14:12
Ich habe es gestern geschaut, muss ich gestehen, weil ich kann Leberkaese und wollte den vertilgen. Ich war fasziniert das dort echte Teenis waren die schon mit 18 Ihr Leben aufgeben und in einer Traumwelt leben wollen. Selbst der Herr Jauch konnte dem ganzen keinen Humor einhauchen! Waehrend meinem Abendessen habe ich versucht den Sinn dieser Sendung zu erkennen, oder was diese mir vermitteln soll. Fazit: Als ich Leberkaese hatte, wurde der Fernseher abgeschalten, der Titel hat absolut gehalten was er versprochen hat. Ich habe fertig :-)
14:09
ich guck lieber Drittes!