Ulrich Noethen ermittelt als Kommissar Süden
18.04.2009 | 09:52 Uhr 2009-04-18T09:52:00+0200
Essen. Am kommenden Montag (20.15 Uhr) ermittelt Schauspieler Ulrich Noethen im ZDF wieder als Kommissar Süden für die Vermisstenstelle der Münchner Polizei. Jonas Knoop sprach mit Noethen über die Rolle dieses eigenwilligen Ermittlers und die Darstellung jugendlicher Liebhaber.
Tabor Süden ist ein Ermittler, der einen sehr eigenwilligen Charakter hat. Wieviel Ulrich Noethen steckt in diesem Charakter?
Ulrich Noethen: Eine sehr beliebte Frage. Eine ähnliche Frage wäre, „nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Rollen aus?”. Ich denke, es ist wichtig, dass ich die Rollen und Charaktere glaubwürdig verkörpern kann. Da ich es nun einmal bin, der steht, atmet, spricht, hat auch die Figur Tabor Süden automatisch viel mit mir zu tun. Aber dadurch immer sofort auf charakterliche Parallelen zu schließen, halte ich für schwierig.
Trotzdem hat Friedrich Ani, der Autor der Tabor Süden-Krimis, gesagt, dass er sich keine bessere Besetzung als Sie für die Rolle vorstellen kann…
Ulrich Noethen: Dann habe ich es wohl geschafft, den Kommissar Süden im ersten Teil so zu spielen, wie er ihn sich vorstellt, wenn er über ihn schreibt.
Sie spielen dort einen Kommissar, der andere Fälle zu lösen hat als Kollegen in anderen Krimis. Worin besteht der Unterschied, nach Vermissten zu suchen, anstatt auf Verbrecherjagd zu gehen?
Ulrich Noethen: Kommissar Süden und sein Team müssen sich bei jedem Fall überlegen: "Rollen wir den noch einmal auf? Macht es Sinn, in alten Wunden zu bohren?" Denn viele Personen, die wir suchen, sind teilweise schon in Vergessenheit geraten. Dadurch entsteht eine andere Art des Ermittelns, unter weniger Zeitdruck als bei der normalen Verbrecherjagd. Das gibt uns mehr Zeit, in der der Kommissar auch mehr in Frage stellen kann. Das gefällt mir.
Nicht zum ersten Mal Kommissar
Ist das eigentlich die erste Rolle als Kommissar, die Sie übernommen haben?
Ulrich Noethen: Ganz am Anfang meiner Schauspielerkarriere vor der Kamera hab ich den Hauptkommissar Zobel in der berüchtigten Vorabendserie "Die Partner" gespielt. Zusammen mit Jan Josef Liefers als Privatdetektiv und Ann-Kathrin Kramer als dessen Gehilfin und Freundin.
Warum berüchtigt?
Ulrich Noethen: (lacht) Weil dort versucht wurde, das zu übernehmen, was gerade in amerikanischen Krimiserien wie NYPD Blue angesagt war - subjektive Kameraführung, schnelle Schnitte, extreme Perspektiven. Viele haben damals gesagt, die Serie könnte man sich ja gar nicht anschauen, da würde man ja seekrank.
Seitdem zeichnet Sie aus, dass Sie in einer großen Palette an Filmen mitgespielt haben. In historischen Filmen, wie „Der Untergang”, aber auch zahlreichen Komödien. Was liegt Ihnen mehr oder macht Ihnen mehr Spaß: Eher der ernste Charakter oder dann doch die Komödie?
Ulrich Noethen: Ich glaube, das Geheimnis liegt in der Abwechslung. An meinem Beruf liebe ich, dass ich in unterschiedlichen Erfahrungs- und Lebenswelten unterwegs bin. Das bedeutet, dass ich immer wieder versuche, verschiedene Genres zu bedienen. Denn das macht den Reiz aus, sich immer wieder fragen zu müssen: „Wie geht das, wie muss ich diese Rolle spielen?”.
Da muss ein Schauspieler natürlich eine gewisse Bandbreite an Können mitbringen…
Ulrich Noethen: (schmunzelt) Wenn Sie das sagen…
Kann man diese Bandbreite nur am Theater lernen? Denn von dort kommen Sie ja ursprünglich.
Ulrich Noethen: Das glaube ich nicht. Ohnehin gibt es nicht den Königsweg, über das Theater zum Film und Fernsehen. Es gibt auch tolle Schauspielerkollegen, die noch nicht einmal eine Schauspieler-Ausbildung haben. Mich persönlich hat das Theaterspiel aber weiter gebracht, weil man sich dort ganz anders mit Texten auseinandersetzen muss, viel eigene Phantasie mit einbringt. Dadurch entsteht eine andere Intensität, sich mit der eigenen Rolle zu beschäftigen, was für mich sehr hilfreich war. Ich denke, am Theater bekommt man einfach eine sehr solide Grundlage.
Dialekt-Talent
Haben Sie dort auch gelernt, in verschiedenen Dialekten zu sprechen? Denn Sie haben ja auch schon einige Dialektrollen gespielt.
Ulrich Noethen: Ich glaube, dass ich schlichtweg ein wenig Talent dafür mitbringe. Ich höre etwas und kann es dann nachsprechen. Aber bei vielen Dialekten sollte man es auch bleiben lassen. Ich bin selber in Schwaben aufgewachsen und muss manchmal Leuten zuhören, die sich im Schwäbischen versuchen, wobei ich dann denke: „Lass es lieber!” So wird es bei mir wahrscheinlich auch sein, wenn ich mich wieder an einem anderen Dialekt versuche.
Zurück zum Film. Im Mai sind Sie in der ARD in der Komödie „Meine Tochter und der Millionär” zu sehen. Dort spielen Sie einen Vater. Es ist nicht die erste Vaterrolle, die Sie in einer Komödie übernehmen. Ist diese Rolle prädestiniert für Sie?
Ulrich Noethen: Ich denke, das hat mit meinem Alter zu tun. Für den jugendlichen Liebhaber komme ich leider nicht mehr in Frage. Ich glaube aber nicht, dass ich jetzt etwas übermäßig Väterliches habe.
Es ist auch gleichzeitig eine Nebenrolle. Was macht eigentlich den Reiz aus, auch ab und zu einmal kleinere Rollen zu übernehmen?
Ulrich Noethen: Der Reiz liegt darin, dass ich immer wieder andere Kollegen und Arbeitsweisen kennenlerne. Jan Fedder, der in der Komödie die Hauptrolle spielt, ist zum Beispiel ein bezaubernder Kollege. Daher bin ich für jede Rolle, die ich machen darf, unglaublich dankbar.
"Interessante Figur"
Also dürfen sich die Zuschauer freuen, Sie weiterhin regelmäßig im Fernsehen zu sehen!?
Ulrich Noethen: Ich hoffe jetzt erst einmal, dass ich noch weitere Filme als Kommissar Süden drehen kann. Denn es ist eine interessante Figur, basierend auf anspruchsvollen Geschichten von Friedrich Ani. Zehn Bücher hat er geschrieben, zwei haben wir verfilmt. Es wäre schön, wenn wir die anderen acht auch noch umsetzen könnten.
Darauf konzentrieren Sie sich dann auch in der nächsten Zeit!?
Ulrich Noethen: Nicht nur. Im Moment beschäftige ich mich ganz stark damit, wieder auf die Theaterbühne zurückzukehren. Weil ich gern einmal wieder die Möglichkeit hätte, mich intensiver mit Texten auseinanderzusetzen. Ein Schauspieler braucht auch den engen, persönlichen Kontakt zum Publikum.
Ist dieser Schritt nicht schwierig, nachdem Sie jetzt viele Jahre im Fernsehen zu Hause waren?
Ulrich Noethen: Nein. Mit dem Theaterspielen ist es so wie mit dem Radfahren. Das verlernt man nicht. Daher freue ich mich darauf und hoffe, dass es mir in nicht allzu langer Zeit dann auch gelingt.
14:42
War klasse, momentan stechen Produktionen mit individuellen Charakteren stark aus den glattpolierten Heilewelt-Produktionen heraus. Und selbst das monotone München strahlt einen Hauch von Berlin, super!!