"Tod eines Mädchens" - Mord in Bullerbü-Idylle

Ein Hauch von Inga Lindström: Hella Christensen (Barbara Auer), Simon Kessler (Heino Ferch), Mareike Thiel (Anna Unterberger), Uwe Hahn (Gustav Peter Wöhler), Lars von Ahnefeld (Johann von Bülow), Silke Broder (Anja Kling), Hauke Broder (Jörg Schüttauf), Torben Broder (Hinnerk Schönemann)
Ein Hauch von Inga Lindström: Hella Christensen (Barbara Auer), Simon Kessler (Heino Ferch), Mareike Thiel (Anna Unterberger), Uwe Hahn (Gustav Peter Wöhler), Lars von Ahnefeld (Johann von Bülow), Silke Broder (Anja Kling), Hauke Broder (Jörg Schüttauf), Torben Broder (Hinnerk Schönemann)
Foto: Stefan Erhard
Was wir bereits wissen
Ein Mord in der Bullerbü-Idylle: Das ZDF versucht sich in einem Zweiteiler an diesem Montag und Mittwoch an Event-Fernsehen. Kann das gelingen?

Mainz.. Bullerbü in Deutschland – geht das? Es geht. Ein ZDF-Zweiteiler liefert den Beweis. Die Rotziegel-Häuser eines fiktiven deutschen Ostsee-Ortes haben Lego-Charme. Sommerlicher Sonnenschein lässt einen Hauch Inga Lindström durchs Dorf wehen. Die scheinbare Idylle des Schauplatzes wird aufgemischt durch den „Tod eines Mädchens“ (Titel).

Der Krimi von Thomas Berger nach einem Drehbuch von Stefan Holtz und Florian Iwersen will Event-Fernsehen sein. Doch wer das Besondere sucht, findet allzu schnell das Gewöhnliche. Das fängt bei den Rollen an.

TV-Kritik Verhör-Erfolg durch Einschüchterung

Barbara Auer spielt die Dorfpolizistin Hella Christensen. Sie kennt das Mordopfer, die pubertierende 14-jährige Jenni (Annika Schrumpf), als Tochter eines befreundeten Elternpaars. Die Ermittlerin kennt das ganze Dorf, und das ganze Dorf kennt sie. Nähe und Betroffenheit werden problematisch, als sich herausstellt, dass der Täter unter den Bewohnern des Ortes zu suchen ist. Barbara Auer bedient das Klischee einer Frau, deren betonte Emotionalität der gebotenen professionellen Distanz entgegensteht – mit der Folge, dass der Ermittlungserfolg fraglich wird.

Auers Gegenspieler ist Heino Ferch, der wieder einmal Bruce Willis in der deutschen Version spielen darf. Er mimt, mit vorgerecktem Kinn und schneidigen Auftreten, den Großstadt-Bullen Simon Kessler, der als Macho-Karikatur auftritt. Der Mann im blauen Anzug ranzt seine Polizei-Kollegen in Feldjäger-Ton an und glaubt, Verhör-Erfolge durch Einschüchterung erzielen zu können. Klischeemäßig hat die Figur eine dunkle Vergangenheit, zu der eine Art Strafversetzung nach einem Todesschuss gehört. Ein weiterer Todesschuss wird folgen.

Arte-Drama Verdächtig sind sie alle

Christensen und Kessler kommen wider Willen zusammen. Eigentlich soll die örtliche Polizei-Dienststelle aufgelöst werden. Christensen hat – die dänische „Kommissarin Lund“ lässt grüßen – ihren letzten Arbeitstag und sitzt auf gepackten Kartons, um in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel ihren Dienst anzutreten. Daraus wird nichts. Der neue Chef Kessler beordert sie und ihre Kollegen zurück.

Der Dorf-Krimi bearbeitet, wie üblich, die Frage, ob das Opfer den Täter kannte. Um Misstrauen in der scheinbar intakten Gemeinschaft zu säen, muss er natürlich aus dem Ort stammen. Immerhin endet der erste Teil mit einem guten Cliffhanger, als Kommissarin Christensen plötzlich gegen ihren eigenen Sohn (Chris Veres) ermitteln muss. Der schüchterne Junge hatte per Internet Kontakt zu dem Mädchen – aber unter einem Pseudonym. Und kurz vor ihrem Tod trafen sich die beiden am Strand.

Fragen werfen der Vater des Mädchens (Jörg Schüttauf), der sich gegenüber seiner Ehefrau (Anja Kling) rätselhaft verhält, und ein allein lebender Hotelier (Gustav Peter Wöhler) auf, der Dorf-Mädchen nicht nur als Aushilfe beschäftigte, sondern zu gern auch Porträtfotos von ihnen anfertigte. Zu dem vertrauten Personal verdächtigenswerter Dörfler gehört auch ein hemdsärmeliger Landadliger mit lockerem Liebesleben (Johann von Bülow). Obendrein wird ein alter Fall aufgerollt: der Tod eines weiteren Mädchens. Gibt es einen Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen?

Am Ende führt die Ermittler ein defektes Auto-Rücklicht auf die richtige Spur. Die Lösung des Krimis ist letztlich ziemlich läppisch.

Fazit: Routiniert inszenierter Krimi voller Dorf- und Polizei-Klischees trägt keine 180 Minuten.

ZDF, 20.15 Uhr
Teil 1: Montag, 9. Februar
Teil 2: Mittwoch, 11. Februar