Tilda Swinton und die Mauer
07.11.2009 | 10:36 Uhr 2009-11-07T10:36:00+0100
Essen. Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton tat es zwei Mal: Sie radelte entlang der deutsch-deutschen Grenze. Beim ersten Mal stand die Mauer noch. 3Sat zeigt die beiden Filme am Sonntag.
Manche würden vielleicht die Sänfte für das angemessene Fortbewegungsmittel der Kunstkino-Königin Tilda Swinton halten. Aber es ist ein Drahtesel, mit dem die Schauspielerin durch Berlin radelt. Vor 21 Jahren ist Swinton die Mauer entlang gefahren, damals noch mit wehenden dunklen Haaren und schierer Fassungslosigkeit.
2009 ist die Schottin wieder aufs Rad gestiegen. „The Invisible Frame” (3sat, So., 21.45 Uhr) heißt nun der neue Film, gefolgt von der Erstberadlung „Cycling the Frame (22.45 Uhr)”. Man trifft eine Frau, die sich verändert hat wie das 160 km lange Stück Grenzland, das sie bereist: subjektiv, eigenwillig, sperrig wie die ganze Person. Sie liefert keinen historischen Abriss, gibt keine touristische Beurteilungen ab.
Swinton lässt den Dingen ihren Lauf – den Blicken, Gedanken, Gedichtzeilen; ein leiser Essayfilm. Sie fragt keinen, nicht mal nach dem Weg, obwohl sie manchmal selbst nicht weiß, wo sie ist. Ost oder West? Was spielt das letztlich für eine Rolle. „Woanders bauen sie wieder eine Mauer”, kommt ihr in den Sinn. Swintons Film ist den Palästinensern gewidmet. (MaS)
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