„The Voice of Germany“ läutet das Ende der Castingshows ein

Sie kämpfen im Finale um den Titel "The Voice of Germany" - Isabell Schmidt (v.r.,23, Greifswald), James Borges (24, Rumelange/Luxemburg), Michael Lane (26, Dorfhaus) und Nick Howard (30, New York-London-Berlin)
Sie kämpfen im Finale um den Titel "The Voice of Germany" - Isabell Schmidt (v.r.,23, Greifswald), James Borges (24, Rumelange/Luxemburg), Michael Lane (26, Dorfhaus) und Nick Howard (30, New York-London-Berlin)
Foto: Sat.1 Prosieben Bernd Jaworek
Was wir bereits wissen
Am Freitag steigt das Finale der Castingshow „The Voice of Germany“ bei Sat.1. Zuletzt blieb das Zuschauer-Echo hinter den Erwartungen zurück. Jetzt muss die Talentsuche auch noch gegen Günther Jauch und das RTL-Format "5 gegen Jauch" antreten.

München/Köln.. "The Voice of Germany“ (Sat.1, 20.15 Uhr) geht zu Ende. Zu Ende geht aber viel mehr: das Zeitalter der Castingshows. Dabei hatten es die Programmmacher von ProSieben und Sat.1 so gut gemeint. Sie wollten dem Dauerkrawall von DSDS bei RTL etwas Seriöses entgegensetzen. Doch das Publikum zog längst nicht so gut mit, wie von den Münchner Sendern erhofft. Kein Wunder, dass RTL ausgerechnet ein weiteres Promi-Special von „5 gegen Jauch“ (20.15 Uhr) dagegenprogrammiert.

Im Finale von „The Voice of Germany“ treten die vier Team-Sieger gegeneinander an – eine Multi-Kulti-Truppe. Isabell Schmidt (23) ist Deutsche, Michael Lane (26) US-Amerikaner, Nick Howard (30) Brite, James Borges (24) Luxemburger. Schade, dass Brigitte Lorenz (42), die temperamentvolle Rocksängerin aus dem Revier, vorzeitig ausschied.

Durchweg professionelles Niveau bei "The Voice of Germany"

Dass das Zuschauer-Interesse ausgerechnet zum Ende der zweiten Staffel von „The Voice of Germany“ nachließ, hat nichts mit der Qualität der Show zu tun. Im Gegenteil: Die Kandidaten boten durchweg professionelles Niveau. Immer wieder gab es Gänsehaut-Momente. Die Jury-Mitglieder konkurrierten auf unterhaltsame Weise miteinander. Zugleich gingen sie respektvoll mit den Bewerbern um.

Zur Feier des Tages engagierte Sat.1 drei Superstars: Nelly Furtado, Leona Lewis und nicht zuletzt Robbie Williams. Die Promis treten in dieser Ballung sonst nur bei Großereignissen wie „Wetten, dass..?“ auf.

Wie weit die Final-Quoten letztendlich über dem Senderschnitt von Sat.1 – zuletzt zehn Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, neun Prozent beim Gesamtpublikum – liegen, muss abgewartet werden.

Sat.1 ist bescheiden geworden

Das abflauende Interesse an „The Voice of Germany“ ist kein Einzelfall. Alle anderen Castingshows mussten in diesem Jahr Einbußen hinnehmen: „Popstars“ bei ProSieben, „X Factor“ bei Vox, ja selbst die Marktführer DSDS und „Das Supertalent“. Nach einem guten Jahrzehnt geht dem wettbewerbsorientierten Fernsehgenre die Luft aus.

The Voice of Germany ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber hat bereits die Konsequenzen daraus gezogen. Der ESC-Vorentscheid „Unser Star für Malmö“ zieht sich im kommenden Jahr nicht länger über mehrere Ausgaben hin. Vielmehr bittet die ARD am 14. Februar zu einem einzigen Abend in Hannovers TUI-Arena.

Dennoch lässt sich Sat.1 nicht beirren. Fürs kommende Jahr hat der Bällchensender eine dritte Staffel von „The Voice of Germany“ angekündigt. Wie auch anders? Angesichts zahlreicher Flops in diesem Jahr ist Sat.1 bescheiden geworden.