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TV-Kritik

Neuer "Tatort" setzt auf die Fantasie der Zuschauer

09.12.2011 | 17:45 Uhr
Neuer "Tatort" setzt auf die Fantasie der Zuschauer
Maria Furtwängler als Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (r.) und Inka Friedrich als Kommissarin Sigrid Malchus im ARD-Tatort "Schwarze Tiger, weiße Löwen" von Roland Suso Richter.Foto: NDR/dapd

Essen.  Der „Tatort“ mit Maria Furtwängler beeindruckt durch eine spannungsreiche Geschichte, die ohne Action auskommt. Ohne die Gräueltaten selbst zu zeigen, entsteht ein wachsendes Grauen beim Zuschauer. Mit "Schwarze Tiger, weiße Löwen" ist ein beklemmender "Tatort" gelungen.

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) vom LKA fährt scheinbar gerne, zumindest viel Auto. Das, so unterstellen manche Kritiker, gehöre zu einem „Tatort“. Mag abwertend gemeint sein, dieser Ausgabe mit dem geheimnisvollen Titel „Schwarze Tiger, weiße Löwen“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) schadet es nicht wirklich.

Die Drehbuchautoren Ulrike Molsen und Eoin Moore haben für die ländliche Un-Idylle rund um Hannover eine zum Teil skurrile, mit einem beeindruckenden Spannungsbogen versehene Geschichte geschrieben, die berührt, verstört und erschreckt.

Dabei verzichtet Regisseur Roland Suso Richter („Dresden“) auf jegliches aktionsreiche Spektakel. Er nähert sich feinfühlig und unterschwellig seinem dramatischen Thema, schafft es, ohne grausame Bilder zu zeigen, diese trotzdem in den Kopf des Betrachters zu transportieren. Wenn Verbrechen thematisiert werden, sind sie größtenteils bereits geschehen.

Verbrechen? Die spielen sich im Kopf des Betrachters ab

Ein Rudel Hunde stromert herrenlos über die Straße, auf einem Hausdach thront ein blauer Papagei. Irgendetwas stimmt nicht in dem ansonsten so idyllisch anmutenden Dorf, in dem "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm auf den Abschleppdienst wartet. Inmitten des surreal anmutenden Szenarios explodiert ein Haus.

Wie sich herausstellt, befand sich darin eine Tierpension, der Mann der Besitzerin wurde getötet. Lindholm nimmt die Ermittlungen auf, eher widerwillig unterstützt von der örtlichen Kommissarin Malchus (Inka Friedrich). Dabei stößt sie auf eine kleine Laube am Waldrand, in der sich Fotos einer jungen Frau sowie Kinderspielzeug finden. Allem Anschein nach hat der Tote ein Doppelleben geführt, doch von der vermeintlichen Zweitfamilie keine Spur.

Wachsendes Grauen

Bei dem Versuch, die Frau und das Kind ausfindig zu machen, ergeben sich für die Kommissarin immer mehr Ungereimtheiten. Dabei wirken sich ihre privaten Liebeswirren zunehmend auf ihre Arbeit aus. Der unnahbare Journalist Jan Liebermann, der Lindholm bei ihrem letzten Fall geholfen hatte, verdreht der Blondine mächtig den Kopf. "Sie sind so sensibel wie ein blindes Nashorn", rüffelt Malchus die verknallte Kollegin angesichts ihrer Männerprobleme.

Ohne die Gräueltaten selbst zu zeigen, erzeugt Richter ein wachsendes Grauen beim Zuschauer. Mit "Schwarze Tiger, weiße Löwen" ist ihm ein beklemmender "Tatort" gelungen, auch wenn es angesichts des kompliziert konstruierten Falls mit zahlreichen Protagonisten zeitweilig schwerfällt, den vielen Erzählsträngen zu folgen. "Das fand ich faszinierend, dass man emotional mitgeht, aber erst am Ende versteht", sagte Richter.

Erinnerungen an die schreckliche Geschichte von Natascha Kampusch

Der Tatort ist in Anlehnung an die schreckliche Geschichte von Natascha Kampusch, die nach ihrer Entführung mehr als acht Jahre von ihrem Peiniger gefangen gehalten wurde, geschrieben worden. Aber: In diesem Film ist nichts, wie es scheint.

"Appetitlich und riecht lecker": Maria Furtwängler über Schauspieler-Kollegen Benjamin Sadler.Foto: dapd

Selbst die Liebesgeschichte der Kommissarin Lindholm mit dem geheimnisvollen Journalisten Jan (Benjamin Sadler) nicht. Der "Bild"-Zeitung sagte die Schauspielerin über die erotischen Szenen mit Benjamin Sadler: "Wir sprechen alles vorher haargenau ab - sogar, wo wer wen anfassen darf. Dann kann ich mich der Fantasie hingeben, dass er für mich der begehrenswerteste Mann der Welt ist. Und dass ich den sensationellsten Sex meines Lebens habe. Diese Fantasie muss ich zulassen, sonst glaubt mir das kein Zuschauer."

Über ihren "Tatort"-Partner sagte Furtwängler: "Er ist appetitlich und riecht lecker, was für mich wahnsinnig wichtig ist. Ich muss jemanden gut riechen können und ihn kann ich gut riechen."

Maria Furtwängler denkt über Ausstieg beim "Tatort" nach   

Seit zehn Jahren und 19 Folgen ermittelt Maria Furtwängler als Kommissarin Charlotte Lindholm im "Tatort" aus Hannover. Nun werden Gerüchte laut, die Schauspielerin wolle sich von dieser Rolle verabschieden. "Natürlich habe ich schon darüber nachgedacht, wie lange ich das noch machen kann", sagt die 45-Jährige der Zeitung "Bild am Sonntag". "Eine konkrete Entscheidung habe ich allerdings noch nicht getroffen."

Auf die Frage nach Gründen für ihre Überlegungen antwortete sie: "Ich liebe meine Charlotte sehr, aber so eine Reihenfigur bietet nun mal nicht unendlich viel Bewegungsspielraum." (Mit Material von dapd)

40 Jahre Tatort

 

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Kommentare
12.12.2011
11:33
Werbefilm
von freischwimmer | #3

nur blankgeputzte VWs und eine nervige Kommissarin !

12.12.2011
08:29
Tatort
von Elfentraum | #2

Mir hat der Tatort richtig gut gefallen. Ein dicht gewebtes Handlungsnetz, durch dessen Maschen man als Zuschauer öfters mal durchzurutschen drohte, um sich im freien Fall in den drohenden Abgrund zu stürzen, den man da nur lauern ahnen konnte ...

1 Antwort
Neuer
von Braaatwurst | #2-1

ist mir aber jetzt schleierhaft, wie man durch dicht gewebte (kleine) Maschen durchrutschen kann.

11.12.2011
20:56
Neuer
von Braaatwurst | #1

warum werden die Tatörter eigentlich immer kränker? schon der letzte mit Ulrich Tukur war ja wohl voll ugly..

Der einzig wahre ist ja wohl der Münster-Tatort. Kommt leider nicht jede Woche.

1 Antwort
Neuer
von 2drift | #1-1

weil der "Zeitgeist" aktueller Verbrechen kein Fan vom Fernsehgarten ist ? Tatorte in Münster sind unterhaltsam, aber realitätsnah ? Was der Bauer nicht kennt ....

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Wer es schafft, der ARD ein Drehbuch für eine Tatort-Episode zu verkaufen, der verdient daran sehr gut: Bis zu 30.000 Euro werden dafür laut einem Medienbericht fällig. Für die Sender bleibt es ein gutes Geschäft. Denn kaum eine andere Sendung verschafft den Öffentlich-Rechtlichen so gute Quoten.