Maria Furtwängler liebt coole Sprüche
15.11.2009 | 14:37 Uhr 2009-11-15T14:37:00+0100
Essen. Maria Furtwängler ermittelt zum 15. Mal als Charlotte Lindholm. Ihr Jubiläums-Tatort "...es wird Trauer sein und Schmerz" (So., ARD, 20.15 Uhr) macht emotionale Verrohung im Internet zum Thema. Ein Grund für Jürgen Overkott, mit der Mimin über Glanz und Grenzen von Multimedia zu sprechen.
Sie gehören zu Deutschlands Medienfamilie Nummer eins. Wie lange sitzen Sie täglich vor dem Computer?
Maria Furtwängler: Mitunter gar nicht. Ich benutze eher meinen Blackberry. Da lese ich meine E-Mails, und das war's.
Mit diesem Gerät sind Sie pausenlos erreichbar...
Maria Furtwängler: Ich mache ihn oft einfach aus. Aber das Telefon, da haben Sie Recht, lasse ich schon an - es könnten ja mal die Kinder anrufen mit einem dringenden Problem.
Wie fühlen Sie sich, wenn sie ihre mobilen Geräte vergessen haben?
Maria Furtwängler: Och ja, beim Blackberry ist mir das schon mal passiert, das war nicht so schlimm. Aber beim Telefon hat mich das eine ganze Weile gefuchst. Ich bin allerdings dabei, das Ganze etwas zu reduzieren.
Wie sind Sie denn mit dem Leben zurecht gekommen, als es solche Segnungen wie mobile Empfangsgeräte noch gar nicht gab?
Maria Furtwängler: Tja, da wundere ich mich auch. Aber irgendwie hat es ja funktioniert. Dann hat halt alles länger gedauert als heute.
Unsere Kanzlerin gilt als Weltmeisterin im SMS-Schreiben. Können Sie da mithalten?
Maria Furtwängler: Och ja. SMS sind schon eine Möglichkeit, den Kontakt zu anderen Menschen zu halten, ohne sich in ein allzu langes Telefonat verwickeln zu lassen.
Mussten Sie lernen, mit diesem literarischen Genre und seinem sehr begrenzten Zeichensystem umzugehen?
Maria Furtwängler: Ich habe eine gewisse Zeit dafür gebraucht, ja. Aber man stellt sich doch relativ schnell drauf ein. Und ich muss zugeben: Wenn jemand mit coolen Sprüchen kommt, da machst Du das auch. Das ist ja so ähnlich wie früher bei den Brieffreundschaften. Da kamen die coolen Sprüche ja auch immer am besten an. Und ich dachte, so will ich auch schreiben.
Haben Sie einen coolen SMS-Spruch auf Lager?
Maria Furtwängler: Nö. Sie etwa?
Nö, ich mache das aber auch selten. Was ich bei SMS beobachte: Es hat sich eine Kürzelsprache entwickelt. Verkümmert unsere Sprache?
Maria Furtwängler: Ach, das glauben ich nicht. Manche Dinge können kurz gefasst werden, auch Dinge, die einen berühren. Wissen Sie, was ich da eher vermisse? Früher gab es für solche kurzen Mitteilungen wunderschöne Billets. Die könnte man aufbewahren und die später mal den Kindern vorlesen.
Ihre Kinder sind als Jugendliche in einem Alter, in denen viele Gleichaltrige auf YouTube, Facebook und ähnliche Einrichtungen nutzen. Gibt es da irgendwelche Regeln?
Maria Furtwängler: Ich glaube nicht, dass sie sich da noch viel sagen lassen. Sie machen viel mit Facebook, das weiß ich, aber sie interessieren sich auch für Nachrichten.
Haben Sie gelegentlich das Gefühl, dass ein soziales Netzwerk wie Facebook, wo man ja selbst Fotos und Videoclips ins Netz stellen kann, eine Dynamik erhält, die Ihrer Familie Probleme bringen kann?
Maria Furtwängler: (überlegt) Nein, ich glaube nicht. Aber vielleicht bin ich auch etwas zu gutgläubig. Wissen Sie, was ich bei meinen Kinder beobachte: dass die Partys im Netz noch intensiver wahrgenommen werden, als sie eigentlich waren. Die Filme, die Fotos und die Kommentare zu den Partys, die sich später im Netz finden, wirken auf mich manchmal wie eine nachgeschaltete Wirklichkeit. Ich glaube, dass Fotoapparate und Filmkameras, die bei den Partys eingesetzt werden, wie ein Schutzschild wirken, und das erzählt übrigens auch unser "Tatort" sehr gut. Denn wenn ich mit einer Kamera unterwegs bin, dann distanziere ich mich ja gerade von dem, was da vorgeht. Die Leute, die diese Geräte fühlen sich nicht mehr betroffen, und in schlimmen Situationen bedeutet das dann, dass sie auch nicht mehr helfen. Diese Menschen glauben dann: Ich bin nur noch Beobachter...
...und die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Unterhaltung verschwimmen auf fatale Weise...
Maria Furtwängler: ...es hat zur Folge, dass diese Menschen nicht erzählen, ich habe was Spannendes erlebt oder ich habe in einer brenzligen Situationen geholfen, sondern eher was sie aufgenommen haben.
12:12
Wenn das schauspielerische Talent nicht gerade deutlich ausgeprägt ist, dann müssen neben dem attraktiven Äußeren, den Burda-Beziehungen eben noch ein paar coole Sprüche raus.
Wer dies nur im privaten Fernsehen vermutet, ist leider getäuscht.
20:45
Emotionale Verrohung im Internet ist ein sehr interessantes und aktuelles Thema. Man hat schon sehr oft (auch wenn es nur um Kommentare geht) den Eindruck, dass die User mit ihrem realen Namen auch ihre gute Kinderstube am Internet-Eingang abgeben. Teilweise sehr erschreckend...