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Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“

17.11.2013 | 11:32 Uhr
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) erhält Berichte über den Tod seiner Familie von einem Unbekannten. Der Fahnder im Dortmunder "Tatort" reagiert mit Trauer und Wut.Foto: WDR/Thomas Kost

Essen/Dortmund.   Wie kam die Familie von Kommissar Faber zu Tode? Das ist die große Frage, die den Dortmunder „Tatort“-Ermittler umtreibt. Jörg Hartmann macht aus dem Fahnder einen Kommissar Wütend. Seine Vorstellung in der jüngsten Folge "Eine andere Welt" beeindruckt.

Irgendwo müssen diese Aggressionen ja hin. Also reißt Faber das Waschbecken im Revier aus der Wand. Ein Schreibtisch ist seinen irritierenden Ausbrüchen bereits zum Opfer gefallen, und bei seinem dritten Auftritt beginnen wir diesen impulsiven Kommissar, der den Hintergründen des Unfalltods von Frau und Tochter immer noch nachspürt, langsam zu verstehen.

Nach den Fragezeichen, die der Dortmunder „Tatort“ in seinen beiden ersten Fällen produziert hat, setzt er jetzt das erste Ausrufezeichen: „Eine andere Welt“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) von Jürgen Werner (Buch) und Andreas Herzog (Regie) ist jenseits der polizeilichen Psychoshow ein starker Krimi geworden.

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Im dritten Dortmunder Tatort geht es um ein Mädchen, das ein Doppelleben führt: Nadine flieht aus ihrem schlichten Elternhaus in das schillernde Nachtleben. Und wird tot im Phoenixsee gefunden. Kommissar Faber und sein Team ermitteln gewohnt ungewöhnlich und spielen sich in die Zuschauerherzen.

Gleichwohl dürfte es uns schwerfallen, uns an die unorthodoxen Methoden dieses Peter Faber zu gewöhnen, der im mittlerweile riesigen „Tatort“-Ermittlerzirkus natürlich sein Alleinstellungsmerkmal sucht. Seine Sucht, sich geradezu physisch in den Täter hineinzudenken, treibt er bei der Simulierung einer Vergewaltigung in einem Auto mit seiner Kollegin Bönisch auf die Spitze – es kommt zu Handgreiflichkeiten.

Der harte, humorfreie und ehrliche Ermittler

Jörg Hartmann hat den Besessenen mit seiner brutalen Geradlinigkeit und dem Hass auf Heuchelei konsequent weiterentwickelt: Der ist nicht mehr die depressive Nervensäge, sondern der harte, humorfreie und ehrliche Ermittler, der kaum eine Miene verzieht, selbst wenn er die schärfsten Vorwürfe formuliert. Und doch gewährt Andreas Herzog diesem schwer greifbaren Mann auch Augenblic­ke des Mitfühlens: Wie Faber einem Vater, dessen Tochter ermordet wurde, unaufdringlichen Trost spendet, das ist wunderbar anrührend und sehr gut gespielt. Man muss ihn nicht lieben, aber aufregend ist dieser Typ durchaus.

Anja Schudt formt ihre Polizistin zum kraftvollen Gegenpol, gefangen in ihrem Doppelleben mit dem nervenden Gatten am Telefon und dem Callboy im Hotelzimmer. Die jugendliche Frische des verliebten Polizistenpärchens (Aylin Tezel, Stefan Konarske) im Team sorgt für Durchzug und bietet stets rechtzeitige Erholung von diesem therapiebedürftigen Ermittler-Duo. Das Quartett hat Zukunft.

Die Büros der Tatort-Kommissare

Die Leiche schwimmt im Phoenixsee

Die Welt aus Schein und Sein, die Jürgen Werners Geschichte erzählt, ist wie gemacht für diese Kommissare, geradezu ein Spiegelbild ihrer Doppelbödigkeit. Eine 16-Jährige entflieht dem traurigen Familienleben in einer Hochhaussiedlung und mischt sich mit ihrer Freundin heimlich in die Partyszene der schicken Clubs und teuren Drinks, in der verwöhnte Schnöseljungs Regie führen. Der Ausflug endet tödlich, ihre Leiche schwimmt im Phoenixsee, den Ralf Noacks Kamera einen Tick malerischer erscheinen lässt, als er’s bisher in Wirklichkeit ist.

Die Tatort-Kommissare

Wer nach Ruhrgebietsklischees fahndet, mag in den Eltern des toten Teenagers fündig werden, der Vater mit Bierpulle und Vokuhila­frisur, die Mutter als Aushilfsfriseurin, die den Nachbarn in der Küche die Haare schneidet, der Bruder ein mürrischer Rotzlöffel, der sich mit zwielichtigen Typen herumdrückt. Andreas Herzog bricht das Bild aber lieber ironisch, als es zu pflegen: „Wir haben in Dortmund eine Schickeria?“ fragt Faber - „Ja“, antwortet Bönisch, „das sind die, die ihre Bratwurst mit Messer und Gabel essen.“

Frank Preuß



Kommentare
18.11.2013
21:19
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von MKVertreter | #17

Mich hat er beeindruckt! Eine sehr gute "Tatort" Folge, in der alles stimmte. Die Story und auch die Schauspieler haben überzeugt. Und man versteht jetzt auch sehr gut warum der Kommissar so ist wie er ist! Ich freue mich auf weitere Folgen aus Dortmund !

18.11.2013
20:01
Langweilig?
von cortomaltese62 | #16

Leute, nicht der Tatort war langweilig, Ihr seid es!

18.11.2013
15:51
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von avalona24 | #15

Mich nicht, mir geht er auf den Keks. Zumindest hielten sich seine Wutausbrüche diesmal in Grenzen und die Story war gut. Ich bevorzuge Krimis mit normal agierenden Komissaren (z.B. Köln, München, Ludwigshafen, Bodensee usw.) und keine Typen, die auf die Couch gehören. Ich sollte einmal Schreibtisch oder Waschbecken im Büro zerschlagen, was meinen Sie, was dann passiert ?? Völlig überzeichnet und nervend ist Herr Faber.

18.11.2013
10:50
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von Wickede41 | #14

Nein, er nervt und stört! Der Tatort war ziemlich langweilig. Das Ermittler-Team kommt auch ohne Faber bestens zurecht. Dieser gestörte Schmuddeltyp ist überflüssig! Und ein Polizist, der Schreibtische zerschlägt und Waschbecken aus der Wand reisst, gehört in eine geschlossene psychatrische Abteilung zur Behandlung und nicht als Held ins Fernsehen.

2 Antworten
So isses!
von SchwarzerRitter | #14-1

.

Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von buntspecht6 | #14-2

#14-1Wie recht Sie doch haben.

18.11.2013
10:34
Jörg Hartmann bedrückt im dritten Dortmunder „Tatort“
von knutknutsen | #13

Ich finde die Figur "Faber" grundsätzlich spannend, habe aber die Befürchtung, dass er mir auf Dauer auch auf den Keks gehen könnte, mit seiner Besessenheit und unkontrollierten Aggressivität.
Hoffentlich löst er in Bälde das Geheimnis um den Unfall seiner Angehörigen und kriegt dann die Kurve...
Mir gefällt wie intensiv er sich bei seinen Ermittlungen in die Täter hineinversetzt- diese "Rollenspiele" mit seinen Kollegen. Das hat was.

18.11.2013
10:15
Ich zähle mich ja eigentlich zu den Hardcore-Tatort-Fans...
von SylterJung | #12

...aber das brauche ich echt nicht. Der dritte Dortmunder Fall und zum dritten Mal dabei eingeschlafen. Unfassbar langweilig! Aber die glorreichen Zeiten des Tatort mit markanten Ermittlern wie Schimmi, Stöver/Brockmöller, Palú etc und tollen Stories sind wohl sowieso endgültig vorrüber. Gut, dann muss ich jetzt die Zeit bis zum ZDF-Sonntagskrimi um 22 Uhr in Zukunft irgendwie anders überbrücken...

18.11.2013
09:48
Wer´s denn . . .
von SchwarzerRitter | #11

. . . braucht. Ich nicht!

18.11.2013
09:44
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von hapeer | #10

Oha, Faber geriert sich immer mehr als ein Schimanski(2).

Allerdings fehlt ihm das Charisma des Götz George, also sollte der WDR so großzügig sein, ihm wenigstens eine Schimmi-Jacke zu spendieren.

18.11.2013
09:39
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von gardasee | #9

Uns nicht!!! Der Tatort hat langweilig vor sich hingeplätschert...und der Ausgang vwar vorhersehbar.Nicht´s gegen Jörg Hartmann, einer unser Lieblingsschauspieler, aber als Schimanski für Arme reisst er uns nicht vom Hocker. Gääääähn!

18.11.2013
09:19
Jörg Hartmann beeindruckt im dritten Dortmunder „Tatort“
von sperling1 | #8

WEN ?

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