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Dortmund-Tatort im Faktencheck: Echte Leiche, falsche Biere

01.02.2016 | 12:24 Uhr
Dortmund-Tatort im Faktencheck: Echte Leiche, falsche Biere
Erlebten im jüngsten "Tatort" aus Dortmund wahre "Hundstage": Stefan Konarske, Anna Schudt, Aylin Tezel, Jörg Hartmann (von links).Foto: dpa

Dortmund.  Der Dortmund-Tatort "Hundstage" hat viele Fragen aufgeworfen. Wir beantworten die wichtigsten zu Drehorten, Thema und gezeigter Polizeiarbeit.

Ist in Dortmund wirklich schon mal ein kleines Kind verschwunden? Dürfen sich Polizisten einfach so kloppen? Und was waren das eigentlich für komische Biere? Der Dortmund-Tatort "Hundstage" hat viele Fragen aufgeworfen. Wir beantworten die wichtigsten - und wollen Ihre Meinung wissen: Welche Note geben Sie dem Tatort?

Im Tatort residiert die Logistikfirma des Mordopfers mondän im obersten Stock des Harenberg City-Centers (HCC) am Hauptbahnhof, mit direktem Blick aufs Dortmunder U. Gibt es dort tatsächlich Firmensitze?

Ja, das HCC ist tatsächlich ein sehr beliebtes Bürogebäude in Dortmund. Rund 20 Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeitern haben sich dort eingerichtet, unter anderem hat die Deutsche Bahn AG eine Dependance.

Was die tatsächlichen Räume der fiktiven Firma Geoglobal Logistics im obersten 18. Stock betrifft, ist der Dortmund-Tatort sogar zukunftsweisend: Derzeit wird die repräsentative Etage zwar noch als Veranstaltungsraum genutzt, künftig aber zum Büro umgebaut.

Wann gab es zuletzt einen Toten im Hafenbecken?

Gruseliger Zufall: Nur zwei Wochen nach den Tatort-Dreharbeiten am Dortmunder Hafenbecken tauchte an genau der gleichen Stelle im Juli 2015 eine echte Leiche auf. Der leblose Körper des 28-jährigen Mannes wurde in der Nähe des Anlegers der Santa Monika entdeckt und geborgen.

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Mitarbeiter der benachbarten Firma DB Schenker, die die Bergung aus dem Fenster verfolgten, dachten anfangs, die Crew des Fernseh-Tatorts habe ihre Leichenpuppe vergessen. Im Gegensatz zu "Hundstage" konnte die Polizei bei dem echten Toten aber keine Hinweise auf ein Fremdverschulden entdecken.

Ausgangspunkt der Handlung von "Hundstage" ist das Verschwinden eines kleinen Kindes am helllichten Tag im Westfalenpark vor 14 Jahren. Gab es einen ähnlichen Fall schon einmal in Dortmund?

Ja, tatsächlich: 1995 verschwand die 10-jährige Sandra Niemcyk am helllichten Tag mitten in der City. Das Mädchen, das mit seiner Mutter an der Brückstraße lebte, war vom Spielen mit einer Freundin am Burgwall nie wieder zuhause angekommen. Die Mutter war überzeugt, dass ein Unbekannter ihre Tochter verschleppt hatte.

Die Polizei durchsuchte den Keller des Hauses und durchstreifte das ganze Viertel - erfolglos. Drei Wochen später verkündete Staatsanwalt Günter Rüter: "Wir gehen davon aus, dass Sandra nicht mehr lebt." Die einzige greifbare Spur vor 15 Jahren war ein etwa 30 bis 35 Jahre alter Mann, der am Tag des Verschwindens gegen 18 Uhr mit der Kleinen zur Eisdiele Ecke Brückstraße/ Gerberstraße ging. Die Polizei kam damals zu der Überzeugung, dass ein Unbekannter das vertrauensselige Mädchen und Schlüsselkind am Abend weggelockt hat. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Im Krimi hat Kommissar Faber mächtig Ärger an der Backe. Gegen ihn ermittelt die Dienstaufsicht, weil er in einem früheren Fall Informationen über einen Verdächtigen an einen Drogenboss weitergegeben hat. Trotzdem leitet er eine Mordermittlung. Aber wie ist das im echten Leben: Darf ein Polizeibeamter weiterarbeiten, wenn gleichzeitig die Dienstaufsicht gegen ihn ermittelt?
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9,34 Millionen Zuschauer schalteten am Sonntag um 20.15 Uhr bei "Hundstage" ein - ein Marktanteil von 24 Prozent, berichtet das Medien-Portal Meedia in seiner täglichen Quotenübersicht. Damit verwies der Dortmund-Tatort die große Wiedersehens-Show von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" auf RTL deutlich auf Platz zwei (5,4 Millionen Zuschauer / 14,4 Prozent Marktanteil).

Damit endet ein Quoten-Aufwärtstrend: Seit dem dritten Dortmund-Tatort "Eine andere Welt" waren die Zuschauerzahlen von Faber und Co. beständig gestiegen. Der siebte Tatort "Kollaps" hatte 9,69 Millionen Menschen zum Einschalten bewegt - ein Rekord der Dortmunder Ermittler. Die heimliche Hoffnung, mit "Hundstage" die 10-Millionen-Marke zu knacken, erfüllte sich nicht.

Überwiegend positive Reaktionen auf "Hundstage"

Die Reaktionen zu "Hundstage" waren überwiegend positiv. Viele Kritiker halten der Dortmund-Tatort für einen der besten, auch kommt die schnoddrige Art von Kommissar Faber bei den Zuschauern gut an - doch nicht bei allen: So manchem Zuschauer sind auch die Psycho-Probleme der Ermittler zu dick aufgetragen.

 

Generell ja, sagt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. "Wie bei jeder Ermittlung gilt erst einmal die Unschuldsvermutung". Jeder Fall müsse jedoch gesondert betrachtet werden. Im konkreten Fall von Faber wäre es unwahrscheinlich, dass ein Beamter eine Mordermittlung leitet. Weigandt dazu: "Wenn es sensible Bereiche betrifft, kann der Beamte gegebenenfalls auch von dem Fall abgezogen werden.

Im Tatort bleibt Kossik weiter in Fabers Team, obwohl er seinen Chef angezeigt hat. Das führt zu Spannungen, ja sogar Schlägen. Würden zwei Kollegen mit einer solchen Vorgeschichte auch in der Realität weiter zusammenarbeiten?

Das hält Polizeisprecherin Weigandt für wenig realistisch: Man würde mit beiden Kollegen sprechen und ausloten, ob einer oder beide versetzt werden wollen. Und eine Schlägerei unter Kollegen? "Das geht nicht!", so Weigandt. "Damit disqualifiziert sich Faber als Führungskraft, und Kossik darf natürlich nicht seinen Chef provozieren". Beiden würde wegen der Schläge eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und eventuell noch ein Disziplinarverfahren obendrauf blühen, ergänzt Weigandts Kollege Gunnar Wortmann.

In diesem Tatort wird viel getrunken: Faber und Bönisch kippen ein paar Dosen "Berger Pils", Kossik frönt seiner beginnenden Alkoholsucht mit "Hense" - aber was sind das für komische Biermarken?

Das sind Fantasieprodukte. Wie schon im zweiten Dortmund-Tatort "Mein Revier" wollten sich die Filmmacher wohl nicht dem Vorwurf der Schleichwerbung aussetzen und verzichteten in der alten Bierstadt auf echte Marken. Wobei die Namen schon verdächtig an die beiden Dortmunder Traditionsbiere Hansa und Bergmann Pils erinnern…

Auffällig bei "Hundstage" ist, dass viele bekannte Dortmunder Originalschauplätze wie der Hafen darin vorkommen. Doch manche Orte bleiben rätselhaft: Was ist das für eine Großsiedlung, in der die Geheimwohnung des verlorenen Sohns liegt? Liegt das Haus der reichen Familie Dehlens tatsächlich am Phoenix-See, wie der Schnitt es andeutet? Und wo wohnen die Dielers?

Die kurze Antwort ist: Diese Orte liegen alle nicht in Dortmund, sondern in Köln. Besonders die Bewohner der Holzener Gartenstraße werden verdutzt registriert haben, dass sie laut Tatort in einer Großsiedlung im Stile des Clarenbergs leben. In eben jener Gartenstraße "direkt um die Ecke der Dielers", wie Faber sagt, hat Eva Dehlens eine Geheimwohnung angemietet. Im wahren Leben steht das Wohn-Hochhaus in Köln-Chorweiler - und die Dortmunder Gartenstraße ist eine idyllische Straße mit Einfamilienhäusern.

Zur Wahl der Drehorte generell sagt Frank Tönsmann, der zuständige Tatort-Redakteur beim WDR: "Natürlich ist es vor allem immer dann wichtig, vor Ort zu drehen, wenn die Handlung an einem unverwechselbaren Ort in Dortmund spielt. Aus Kostengründen und mit Rücksicht auf das Sparsamkeitsgebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks können jedoch nicht sämtliche Außenmotive eines Dortmunder 'Tatort' auch in Dortmund gedreht werden."

Im Finale folgt ein Polizeihund einer Fährte vom Hafen über die Stadt bis tief in den Dortmunder Süden. Geht das?

"Ja, das geht", erklärt Victor Ocansey, Pressesprecher des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten in Selm. Das Amt ist auch für die Man-Trailing-Staffel der NRW-Polizei in Holte-Stukenbrock zuständig. Man-Trailing-Hunde sind genau darauf trainiert, der Geruchsspur eines bestimmten Menschen zu folgen. "Unter günstigen Umständen ist dies auch über mehrere Kilometer und auch noch nach mehreren Tagen möglich", sagt Ocansey. Und genau das ist der Fall im Tatort: Wegen der Hitzewelle hat es lange nicht geregnet. Da kommt der Hund auch bis nach Holzen.

Welche Note geben Sie dem Tatort?

Thomas Thiel

Kommentare
01.02.2016
18:01
Dortmund-Tatort im Faktencheck: Echte Leiche, falsche Biere
von 3Stefan3 | #4

Die "feine Nase" gehörte nicht zu einem "Kantengänger", der seinen Riechkolben an den Boden presst, um die Spur zu verfolgen. Das sehr massige Tier...
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1 Antwort
Dortmund-Tatort im Faktencheck: Echte Leiche, falsche Biere
von 3Stefan3 | #4-1

PS: Ich fand den Tatort "gut" sprich Note 2. Faber gefällt mir:-)

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2016-02-01 12:24
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