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Annika Kuhl aus dem Bremer "Tatort" ist nur scheinbar unscheinbar

07.06.2013 | 15:05 Uhr
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Annika Kuhl aus dem Bremer "Tatort" ist nur scheinbar unscheinbar
Annika Kuhl als verängstigte Mutter im „Tatort“ am Sonntag.Foto: ARD

Berlin.   Die Schauspielerin Annika Kuhl spielt gern extreme, verstörende Frauentypen. Privat ist sie ganz schüchtern - und eine der bekanntesten Unbekannten der Branche. Die 37-Jährige hat in etlichen prominenten deutschen Filmen mitgespielt und ist am Sonntag im Bremer „Tatort“ mit dem Titel "Er wird töten" zu sehen.

„Frau Kuhl?“ Sie schiebt die Sonnenbrille hoch. Ein blasses, ungeschminktes Gesicht taucht auf, mit tiefbraunen Augen. Fast hätten wir uns verpasst. Vor der Kamera spielt Annika Kuhl gerne extreme, verstörende Frauentypen. Jetzt, beim Milchkaffee im Berliner Zentrum, sitzt da eine nette junge Frau, die aus ihrer Schüchternheit kein Hehl macht. Unscheinbar? Nur scheinbar.

Annika Kuhl ist eine der bekanntesten Unbekannten der Branche. Die 37-Jährige hat in etlichen prominenten deutschen Filmen mitgespielt – von der „Sonnenallee“ bis zum „Baader-Meinhof-Komplex“. Gerade war sie mit dem einzigen deutschen Beitrag bei den Filmfestspielen in Cannes („Tore tanzt“), regelmäßig ist sie in Episodenhauptrollen in deutschen Krimiserien zu sehen – wie an diesem Sonntag im düsteren Bremer „Tatort“ („Er wird töten“, ARD 20.15 Uhr).

Es begann in Bochum

Als Schauspielerin dagegen fliegt sie unterhalb des Prominenzradars. Aber warum auch nicht? Es reicht ja, wenn einer in der Familie für Wirbel sorgt: Annika Kuhl lebt und arbeitet seit 15 Jahren mit Regisseur Leander Haußmann („Sonnenallee“) zusammen – dem Tausendsassa der Branche.

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Es begann 1996 in Bochum. Annika Kuhl, Tochter eines Schneiders aus Schwelm, hat dort gerade die Schauspielschule beendet. Leander Haußmann, der ostdeutsche Jungstar der Theaterszene, ist neuer Intendant. Der „Beau von Bo“ ist sechzehn Jahre älter und pflegt sein XXL-Ego. „Ich fand ihn unsympathisch“, erinnert sie sich und man glaubt ihr sofort. Doch das ändert sich. Ein Jahr später spielt Annika Kuhl mit Haußmann in „Rimbaud in Eisenhüttenstadt“. Bei den Proben entdeckt sie neue Seiten an ihrem Kollegen. Weichere, leisere. Sie halten die Sache lange geheim. Als Haußmann nach fünf Jahren Bochum Richtung Berlin verlässt, kommt Annika Kuhl mit.

Das ungleiche Paar lebt heute am Müggelsee

„Wir sind sehr verschieden“, sagt sie heute. „Er unterhält den ganzen Raum. Er ist ein wahnsinnig dominanter Mensch, er sagt, was er denkt, hat keine Angst vor den Reaktionen. Ich bin eher zurückhaltend. Grüblerischer, schüchterner.“ Geheiratet haben sie bis heute nicht. Aber es gibt zwei Töchter – die neunjährige Kunigunde („Kuni“) und die zweijährige Edwina („Eddi“). Als Annika Kuhl ihren Eltern in Schwelm erzählt, wie die Enkeltöchter heißen sollen, sind sie erst geschockt. Aber auch das gibt sich.

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Das ungleiche Paar lebt heute in einer Wohnung mit Blick auf den Müggelsee. Vierzig S-Bahnminuten vom Berliner Zentrum entfernt. Wer wissen will, wie es dort draußen zugeht, muss sich nur Haußmanns Klamauk-Film „Hai-Alarm am Müggelsee“ (2013) anschauen. Eine durchgeknallte Parodie auf Wutbürger, Stadtmarketing und Artenschutz. Und eine Art Familientreffen. Sven Regener und Detlev Buck sind dabei – und natürlich Annika Kuhl.

„Als Kind wollte ich erst Mutter und Hausfrau werden. Mit acht Jahren war dann klar, dass ich Schauspielerin sein wollte. Ich hatte Angst, dass ich mit dem Spielen aufhören muss, wenn ich erwachsen werde.“ Am Ende gingen alle drei Wünsche in Erfüllung. „Leander ist ein guter Hausmann. Aber ich würde schon sagen, dass ich mehr mache im Haushalt als er.“ Warum? „Ich bin ordentlicher, ich bin besser organisiert und ich koche besser.“ Rums. Sein Ego? Mein Ego!

Keine Theater-AG für Kunigunde

Und die Kinder? Wie ist das mit zwei Künstlern aufzuwachsen? Kunigunde hat sich schon beschwert: „Wenn wir zusammen einen Märchenfilm anschauen und dann darüber lästern, regt sie sich auf und droht uns: ‚Dann rede ich auch mal schlecht über Eure Filme!’“ Dass die Neunjährige keinen Platz in der Theater-AG der Grundschule bekommen hat, findet Annika Kuhl dagegen ernsthaft schade. Ob da jemand Angst hat vor allzu sachkundigen Eltern? Sie zuckt die Achseln. „Mich hat das richtig geärgert.“

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Im September läuft der nächste Film mit dem Duo vom Müggelsee. Annika Kuhl spielt unter Haußmanns Regie in der Polizeiruf-Folge „Kinderparadies“ die Leiterin eines Kinderladens, in dem ein Mord geschehen ist.

Eine Abrechnung mit der eigenen Kita, mit Putz- und Kochdiensten? „Nein“, lacht Kuhl. „Aber es stimmt: Leander und ich haben am Wochenende auch schon mal den Kinderladen geschrubbt.“

Julia Emmrich

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