Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Fernsehen

Tatort wird zum absurden Theater

02.12.2011 | 16:00 Uhr
Tatort wird zum absurden Theater
Kaum zu durchschauen ist der neue Fall des LKA-Ermittlers Felix Murot (Ulrich Tukur). Foto: HR

Essen.   Die zweite Auflage des Kultkrimis mit dem Schauspieler Ulrich Tukur leidet unter der eigenen Selbstverliebtheit und dem Verlust der Handlung.

Eines ist klar: Dieser Tatort wird polarisieren. Ein Teil der Zuschauer wird nach 90 Minuten begeistert sein, wird die Geschichte von Drehbuchautor Daniel Nocke für hohe Kunst halten. Der andere Teil – und zu vermuten ist: der größere – wird das Machwerk schlicht als absurden Humbug abstempeln. Die Freunde des Kultkrimis müssen stark sein, wenn sie sich am Sonntag für den „Tatort – Das Dorf“ (ARD, 20.15 Uhr) entscheiden.

Selbst Hauptdarsteller Ulrich Tukur, der sich als LKA-Mann Felix Murot gefühlt mehr mit seinem Gehirntumor als seiner Umwelt unterhält, hat das Problem erkannt.

Der Schauspieler warnt vor der zweiten Kommissar-Murot-Folge. Die Episode werde viele „traditionelle ,Tatort’-Zuschauer verstören. Ich habe gedacht, der ,Tatort’ ist ein robustes Format, das sehr stark ist und viel aushält. Ich wollte es einfach so weit treiben wie möglich und einen ,Tatort’ machen, der mit dem Lösen eines Falles eigentlich gar nichts mehr zu tun hat“, sagte der 54-Jährige in einem hr3-Interview.

Tukur selbst warnt die Zuschauer

Er habe beim „Tatort“ das große Glück, „dass ich viel selbst bestimmen darf und etwas machen kann, was man in Deutschland gar nicht machen darf“, sagte Tukur weiter.

So feiert Tukur dieses Mal das Absurde. Ein vermeintlicher Selbstmörder, der am Abend noch mausetot scheint, läuft quicklebendig an seinem Auto vorbei. Real, irreal, egal. Murot recherchiert im idyllischen Taunusdorf, lernt den charismatischen Herrn Bemering (Thomas Thieme) samt seiner dubiosen und geheimnisvollen Dorfärztin Frau Dr. Herkenrath (Claudia Michelsen) kennen und fürchten.

Jede Menge Parallelwelten

Soweit die fiktionalen Fakten. Das Drumherum spielt sich sozusagen in einer anderen Parallelwelt ab. Regisseur Justus von Dohnányi zitiert gerne. Er bemüht Edgar Wallace, Alfred Hitchcock, die Rocky Horror Picture Show und den Blauen Bock. Da tanzen urplötzlich die Kessler-Zwillinge durchs Bild, später gibt’s einen skurrilen Tanz auf dem Zebrastreifen. Irgendwann wartet man auf das nächste Aha-Erlebnis, glaubt, gleich schaut Klaus Kinski durchs Schlüsselloch. Es ist ein Ritt durch Zeit und Raum: musikalisch, bildnerisch, persönlich – bis der Zuschauer nicht mehr weiß, in welcher Welt er sich gerade befindet.

Das alles könnte sogar unterhaltsam sein, wenn die Handlung ein wenig stringenter einem roten Faden folgen würde. So verliert sich dieser Tatort leider zu sehr in die eigene Selbstverliebtheit. Schade eigentlich.

Angelika Wölke

Facebook
 
Kommentare
04.12.2011
23:09
Einen besseren Grund........
von EinOerer | #3

.......für die SOFORTIGE Abschaffung sämtlicher TV-Gebühren kann man nicht einmal erfinden. Den liefern diese Typen ja direkt selbst!

Die leben auf Kosten anderer ihre Psychosen aus und machen sich noch lustig über die, die ihre irrsinnigen Gagen bezahlen.

Ich jedenfalls sehe keinerlei Grund mehr, die durchgedrehten Ego-Tripps gewisser sogenannter "Schauspieler" und ihrer offensichtlich speichelleckenden Encourtage zu finanzieren!!!!

02.12.2011
20:41
Tatort wird zum absurden Theater
von MKVertreter | #2

Klingt interessant. Tatort mit ein bißchen "David Lynch Feeling" ?! Werde auf jeden Fall reinschauen !

02.12.2011
16:35
Hallo Frau Wölke,
von RupertAD | #1

...haben Sie diesen Tatort schon gesehen ??

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6127414/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Roman Lob in Baku
Bildgalerie
ESC 2012
ESC-Delegations-Party
Bildgalerie
ESC 2012
Aus dem Ressort
"Monpti" - eine Hommage an die große Romy Schneider
Fernsehen
30 Jahre nach ihrem Tod widmet 3sat der großen Schauspielerin ein Filmreihe. „Sissi“ ist nicht dabei, aber die Reihe spiegelt die Schaffenskraft wider. Los geht es am Sonntagabend mit „Monpti“, einem Film aus den 50er Jahren.
RTL II bestreitet, für Übertreibungen gezahlt zu haben
„Gangster“-Doku
Nach einem RTL-II-Bericht über angebliche Gangster und Gewalt in Hochheide widerspricht der Fernsehsender den Vorwürfen der gefilmten Jugendlichen. RTL II habe kein Geld bezahlt, um übertriebene Aussagen zu erhalten. Die Produktionsfirma habe lediglich „Motivkosten“ erstattet.