Tatort: Warum es Zeit für einen homosexuellen Kommissar ist

Thiel (Axel Prahl, re.) und Boerne (Jan Josef Liefers) spielen im "Tatort" aus Münster dem Patenonkel offensiv Homosexualität vor.
Thiel (Axel Prahl, re.) und Boerne (Jan Josef Liefers) spielen im "Tatort" aus Münster dem Patenonkel offensiv Homosexualität vor.
Foto: Martin Valentin Menke/WDR
Was wir bereits wissen
Die Diskussion um einen homosexuellen "Tatort" Ermittler nimmt an Fahrt auf. Anlass ist die schwule Hochzeit von Thiel und Boerne im Münster-"Tatort".

Osnabrück.. "Tatort"-Kommissare sehen die Zeit gekommen für einen schwulen Kollegen. "Ich glaube schon, dass auch das Publikum einen schwulen Kommissar oder eine lesbische Kommissarin akzeptieren würde. Das könnte ja auch sehr interessante Situationen ergeben", sagte "Tatort"-Star Axel Prahl (55) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Montag.

Bisher gibt es nur im "Tatort" aus dem schweizerischen Luzern eine homosexuelle Figur, die lesbische Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer). Anlass der Debatte ist der neue "Tatort" aus Münster.

In der Krimifolge "Erkläre Chimäre" vom Sonntagabend gab sich das Ermittler-Duo Frank Thiel (Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) als schwules Paar aus, um den reichen Onkel aus Florida (Christian Kohlund) für eine Erbschaft zu täuschen.

Prahls Schweizer Schauspieler-Kollege Stefan Gubser (57) alias Reto Flückiger pflichtete ihm bei: "Ein schwuler Kommissar würde dem "Tatort" sicher eine neue Farbe verleihen und das kann nie schaden", sagte Gubser der "NOZ". "Außerdem wäre es doch wunderbar, wenn eine so große Community auch im "Tatort" vertreten wäre."

"Erkläre Chimäre" als Statement für Homo-Ehe

Prahl hatte der "NOZ" vom Samstag gesagt, dass er die Episode vom Sonntag durchaus als Statement für das Eherecht auch für gleichgeschlechtliche Paare sehe: "Jeder muss selbst wissen und entscheiden können, wie er glücklich wird, deswegen befürworte ich natürlich die Homo-Ehe."

ARD-Krimireihe Seit Irland in einem Referendum für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften gestimmt hat, ist die Diskussion über einen solchen Schritt auch in Deutschland wiederbelebt. Vor allem die christlich geprägten Unionsparteien tun sich aber damit schwer.

Auch Prahls Co-Star Jan Josef Liefers (50) hatte seine Meinung zur Ehe für alle kundgetan. In einem "Bild am Sonntag"-Interview äußerte er: "Es wäre mir lieber gewesen, Deutschland wäre den Schritt vor Irland gegangen, gleichgeschlechtliche Ehen gleichzustellen. Wir waren mal sehr fortschrittlich in diesen Fragen."

Viel Lob, aber auch Kritik

Im Kern des aktuellen TV-Falls aus Münster ging es um einen jungen toten Brasilianer. Bei den Ermittlungen gab es Spuren zu einem Weinhändler und eben eine Verbindung zu Boernes schwulem Erbonkel.

Umfrage Bei den Zuschauern stieß der Fall wieder auf viel Gegenliebe, aber auch Kritik. Manche freuten sich über den außergewöhnlichen Auftritt der Ermittler, andere sahen darin zu viel Klamauk.

Der Film vom Sonntag war der 27. Fall aus Münster seit 2002. Die Presse hatte den Krimi vorab unterschiedlich rezensiert. "Spiegel Online" schrieb etwa: "Auch wenn die Darsteller Liefers und Prahl, großes Lob immerhin dafür, allzu tuckiges Verhalten vermeiden, geht diese umgekrempelte Version von "Charleys Tante" an keiner Stelle auf."

Die "taz" meinte dagegen: "Falls man das Wörtchen "altbacken" also auch irgendwie nett meinen kann, dann sind die Münsteraner Fälle auf ganz wunderbare Art etwas trutschig."

Knapp am Rekord vorbei - 13 Millionen sahen Münster-"Tatort"

Der am Sonntag ausgestrahlte "Tatort" aus Münster ist einer der meistgesehenen in den vergangenen 20 Jahren gewesen. Im Schnitt 13,01 Millionen schalteten ab 20.15 Uhr den Krimi "Erkläre Chimäre" ein. Das entsprach einem Marktanteil im Gesamtpublikum von 37,2 Prozent.

Seit 1992 war nur der Münster-"Tatort" vom vergangenen September, "Mord ist die beste Medizin", erfolgreicher.

Die Konkurrenz hielt "Erkläre Chimäre" am Sonntagabend weit auf Abstand: Am nächsten kam das ZDF mit dem Melodram "Das dunkle Haus", das 4,55 Millionen (13,0 Prozent) sahen. (we/dpa)