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Tatort-Serie

Tatort - ein Stück Gesellschaftskritik

17.08.2010 | 15:29 Uhr
Tatort - ein Stück Gesellschaftskritik
Seit dem Start der Reihe 1970 werden im Tatort sozialkritische Themen aufgegriffen. Foto: SWR

.Kinderprostitution auf den Philippinen, illegale Verklappung auf hoher See, Menschenschmuggel, Drogenhandel, die Lebenswirklichkeit alter Menschen in dieser Gesellschaft . . . Mit schöner Regelmäßigkeit verarbeitet der „Tatort“ ein Stück Gesellschafts- oder Sozialkritik.

„Das war von Anfang an so. Das ist sein Markenzeichen“, sagt Gebhard Henke, ARD-Koordinator für den „Tatort“. Bereits die erste Folge „Taxi nach Leipzig“ 1970 entpuppte sich als hochdramatische Geschichte aus der getrennten Ost-West-Gegenwart.

„Wir zeigen die gesellschaftliche Realität mit einer zeitlichen Verzögerung“, erklärt Henke. Im stark umkämpften und inflationär entwickelten Krimimarkt sei das sozusagen das Alleinstellungsmerkmal. Es sei durchaus eine schwierige Aufgabe, ja, eine Herausforderung, aus der Annäherung an ein Thema auch noch einen glaubwürdigen Krimi zu konstruieren.

Als besonders gelungenes Beispiel nennt Henke den Tatort „Kassensturz“, der 2009 lief und sich mit der Frage nach der Würde des Menschen im Arbeitsleben beschäftigte. In Zeiten, als die gesamte Republik über miese Arbeitsbedingungen bei Lidl & Co diskutierte, brachte die ARD die Problematik zur besten Sendezeit am Sonntagabend in die Wohnzimmer. Anschließend diskutierte auch noch Anne Will über die ausgeklügelten Spionageabteilungen der Billiganbieter. „Da gucken einfach viele Menschen zu“, sagt Henke. Der Erfolg gibt ihm Recht. Fast zehn Millionen Menschen hocken sonntags regelmäßig vor dem Fernseher, da wird der Krimiabend zum Familienabend. Mäkler an dem Konzept gehen schnell die Argumente aus.

„Die Latte hängt sehr hoch durch die Akzeptanz der Zuschauer“, erklärt Henke. Klar sollte der großen Fangemeinde aber immer sein: „Der Krimi ist keine Realität, er ist eine Kunstform.“

Natürlich werde die Handlung nach ihrer Plausibilität hinterfragt. Dazu gehört, dass Drehbuchautoren und Redakteure zuweilen auch BKA-Seminare besuchen, um neue Ermittlungsmethoden kennenzulernen.

Dort erfahren sie neben den Fakten auch eher unerwartete Geschichten. Diese zum Beispiel: Die Zahl der Bewerber für den Polizeidienst habe sich erhöht und werde geprägt durch Serien wie Tatort oder CSI. Vor Ort sehen die Neuen, dass die Arbeit anders abläuft.

Angelika Wölke

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