Neuverfilmung
Sisi - jetzt eine moderne Majestät
16.04.2009 | 09:12 Uhr 2009-04-16T09:12:00+0200Wien/Mainz. Das ZDF verfilmt den Stoff um Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn als aufwändigen Zweiteiler neu. Erste auffällige Änderung zur sentimental-romantischen Historienfilme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm "Sisi" ist ein "s" im Namen abhanden gekommen.
Einiges passt im Fernsehen einfach gut zusammen. Die „Tagesschau” zum 20-Uhr-Termin. Der Samstagabend zu Thomas Gottschalk. Und natürlich die „Sissi”-Filme zu welchen Feiertagen auch immer. Sie funktionieren seit Jahrzehnten gleichermaßen zu Weihnachten, aber auch zu Ostern und Pfingsten.
Die sentimental-romantischen Historienfilme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm treffen auch bei der x-ten Wiederholung noch den Nerv des Publikums. Es ist die „Sissi” des deutschen 50er-Jahre-Kinos, die in der Trilogie von Regisseur Ernst Marischka mit ihrem mädchenhaften und doch auch kaiserlichen Charme und Elan die Herzen der Zuschauer erobert hat - erst auf der Leinwand und immer wieder im Fernsehen.
Aber schön sind sie doch
„Sissi” ist zum Phänomen geworden, ist Film- und Fernseh-Kult. „Sissi” gucken - das wird mitunter zelebriert, gemeinsam im Freundes- oder Familienkreis vor dem Fernseher, mit Hingabe und manchmal einem leichten Augenzwinkern. Willkommen in der heilen Welt. Aber schön sind sie doch, die Filme, lässt sich hinterher gemeinsam seufzen.
Und nun das! Eine Nachfolgerin. Eine neue „Sissi”. Mit nur einem „s”. Eine „Sisi” also - so wie Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn (1837 - 1898), wirklich genannt wurde. Es ist das ZDF, das zusammen mit dem österreichischen ORF und der italienischen RAI das Projekt angestoßen hat.
Es soll ein Zweiteiler werden und nicht von ungefähr fehlt das eine „s”, denn der Romantik-Klassiker wird in einer modernen Fassung neu verfilmt. Als „Eventzweiteiler” - allein bei diesem Wort hätte sich Romy-Sissi wohl verschämt-ungläubig abgewandt. Aber sei's drum, da muss die neue Sisi - gespielt von dem italienischen Jungstar Cristiana Capotondi - durch.
„Wir beabsichtigen”, sagt Heike Hempel vom ZDF, „unseren Eventzweiteiler von den Wertevorstellungen der 50er-Jahre zu befreien und mit heutigen filmischen Mitteln umzusetzen.” Und die Leiterin der Hauptredaktion Unterhaltung/Wort des Senders betont auch: „Neben einer ergreifenden Liebesgeschichte, schönen Landschaften, Kostümen und reicher Aussatttung wollen wir zeigen, dass Sisi in einer Zeit des Umbruchs lebte. Wie die Menschen heute, sah sie sich mit Krieg, Zukunftsangst und gesellschaftlichem Wandel konfrontiert und hat gegen große Widerstände für ihr Glück gekämpft.”
„Sisi” als Sozialdrama? Das wohl nicht, aber viel realistischer. Und vielleicht eher im Sinne von Katrin Unterreiner, der Kuratorin des Sisi-Museums in der Wiener Hofburg. Sie betonte 2005 zum 50-jährigen Jubiläum des ersten „Sissi”-Kinofilms, dass Marischkas Inszenierung kaum etwas mit der wahren Elisabeth zu tun hatte. Sie sei „zur umjubelten, volksverbundenen Kaiserin stilisiert worden, die sie nie war”.
Elf Millionen Euro für die Produktion
Und doch: An Pomp und Pracht soll es der elf Millionen Euro teuren Produktion nicht mangeln. 2000 Komparsen werden an Schauplätzen wie der Wiener Hofburg und Schloss Schönbrunn aufgeboten. 20 Kutschen und 100 Pferde werden eingesetzt. Und die goldene Hochzeitskutsche von Sisi und Franz (gespielt von Nachwuchsdarsteller David Rott) ist ein Original-Sechsspänner von 1740. Rund 700 Kostüme werden angefertigt, allein 40 Roben für Sisi.
Ihre Darstellerin Cristiana Capotondi ist in Deutschland ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Eine kleine Rolle spielte sie in dem Film „Christmas in Love” (2004) neben Danny DeVito, Sat.1 zeigte sie 2003 in dem Zweiteiler „Casanova - Ich liebe alle Frauen”.
Regie führt Xaver Schwarzenberger („Margarete Steiff”). Für ihn war Sisi „ein Idol, ein Popstar und eine Stil-Ikone in einer Zeit, als diese Worte noch nicht einmal exis-tierten”. Sie habe mit dem eigenen Kopf gedacht, sich in kein Korsett zwängen lassen. Mit diesem rebellischen Selbstverständnis, für eine Überzeugung einzustehen, könne Sisi auch heute noch Vorbild sein. Diese Facetten zu zeigen, sei für ihn die große Herausforderung.
12:55
Es kann wahrlich nur eine Sissi geben. Romy Schneider verkörperte die Kaiserin perfekt.
Die Neufassung wird an diese alte Produktion nicht heran kommen.
11:43
Trotz Neuverfilmung kommt keine Schauspielerin an die Süsse Romy ran. Ich finde das das Geld für etwas sinnvilles ausgegeben werden soll und nicht für eine Schnulze!