Sex ist wichtiger als Stimme bei DSDS
14.02.2010 | 08:58 Uhr 2010-02-14T08:58:04+0100
Köln.Sex stand im Mittelpunkt bei der ersten Live-Show von „Deutschland sucht den Superstar“. Während die weiblichen Kandidatinnen mit kurzen Röcken punkten wollten, gab es bei den Männern einige gesangliche Höhepunkte. Auch der Duisburger „Checker“ hat es in die Motto-Shows geschafft.
Zwei Casting-Sendungen sind derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen. Die eine ist neu und nennt sich „Unser Star für Oslo“, die andere gibt es nun schon seit über neun Jahren: Deutschland sucht den Superstar. Während es sich in der Show von Stefan Raab tatsächlich allein um die Musik und die Kandidaten dreht, scheint bei DSDS der Gesang zur Nebensache geworden zu sein. Einen anderen Schluss ließ die erste Live-Show der zehnten Staffel von DSDS am Samstagabend nicht zu.
Quälende Minuten des Fremdschämens
Zumindest in den ersten Minuten mussten sich die 15 Kandidaten, die um einen der zehn Plätze für die Motto-Shows kämpften, vorgekommen sein, als befänden sie sich bei einem Casting der Erotikfilmindustrie, jedoch nicht bei einem Gesangswettbewerb. Oder wie bitte schön darf folgender Beitrag ganz zu Beginn der dreistündigen Sendung von Chef-Juror Dieter Bohlen sonst verstanden werden? „Es waren noch nie so geile Weiber hier wie dieses Jahr. Ich meine, so optisch. Wie die sexuell so drauf sind, weiß ich nicht.“ Dass der gesuchte Superstar auch ein super Sänger sein muss – dieser Schluss kann daraus zumindest nicht gezogen werden.
Wer bis dahin noch nicht umgeschaltet hat, ließ Milde walten, wurde dafür jedoch zunächst bestraft. Denn es kam noch schlimmer. Marco Schreyl wurde seiner Rolle als intelligenzfreier DSDS-Moderator auf Lebenszeit (warum wechselt den eigentlich keiner aus?) mal wieder mehr als gerecht, als er Bohlens verbalen Fauxpas zu Beginn der Sendung nicht - wie man hätte erwarten dürfen – professionell überspielte. Nein, er griff ihn geradezu auf und bescherte den Zuschauern im heimischen Wohnzimmer weitere quälende Minuten des Fremdschämens.
„Sexbombe mit 1,4 Abi-Durchschnitt“
Nicht genug, dass Kandidatin Steffi Landerer, „Sexbombe mit 1,4 Abi-Durchschnitt“, vor ihrem Auftritt beteuerte, sie wolle gar nicht sexy sein, um sich dann wenige Minuten später im knappen Leder-Outfit und wallender Lockenmähne auf einem Motorrad zu räkeln und „I love Rock’n Roll“ von Britney Spears zu krächzen. Nach ihrer Gesangseinlage musste das Mädchen noch zähneknirschend hinnehmen, von Marco Schreyl regelrecht vorgeführt zu werden. „Pamela Anderson hat ihren Brüsten Namen gegeben. Haben deine auch welche?“ Kurzes Zögern. „Ähh. Nein.“ Danke. Gut zu wissen. Auch ohne Namen haben es Steffi und ihre Brüste in die erste Motto-Show am kommenden Samstag geschafft.
Dabei hätten es andere mehr verdient gehabt. Naomi Marte zum Beispiel. Die 17-Jährige war eine der wenigen Lichtblicke unter den Kandidaten. Ihre Interpretation von Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ war sicherlich nicht meisterlich, aber die Akkordeon-Spielerin ist eine der wenigen talentierten Musikerinnen innerhalb der Top 15. Schade, weil sie eine der ganz wenigen ist, die sich ein bisschen Individualität leistet.
Himmlische Hingabe
Ebenso Mehrzad Marashi. Er sang als letzter Kandidat „Und wenn ein Lied“ von den Söhnen Mannheims und tat dies mit solch einer himmlischen Hingabe, dass all diejenigen, die bis dahin drangeblieben sind, für einiges entschädigt wurden. Der frischgebackene Familienvater zählt zweifellos zu den Topfavoriten. Der Meinung ist übrigens auch die Jury, die neben Dieter Bohlen in dieser Staffel noch aus Nina Eichinger und Volker Neumüller besteht.
Ärgerlich, dass die erste Live-Show ansonsten wenig Echtes, dagegen viel Klischeehaftes bot. Dieter Bohlen war stets bemüht, seine eigenen Sprüche wieder und wieder zu überbieten. Als Kandidat Helmut Orosz „Summer of 69“ sang, war Dieter froh, dass endlich mal jemand keinen „bedeutungsschwangeren Friedhofstitel“ gewählt, sondern „den Laden gerockt“ habe. Celine Denefleh bescheinigte Bohlen einen höheren „Knuddelfaktor“ als „Gesangsfaktor“. Naomi Marte erinnerte den Dauer-Juror optisch an Viktoria Beckham und er prophezeite dem verdutzten Mädchen, dass es in zehn Jahren und nach zehn Schönheits-Operationen noch mehr nach dem Ex-Spice-Girl aussehen werde. Bitte?
Die Optik der Kandidaten interessierte Dieter Bohlen am Samstagabend augenscheinlich weitaus mehr, als ihre Stimmqualität. Zwar bemühte sich Jury-Mitglied Volker Neumüller redlich, den Sangeskünsten seiner Kandidaten die volle Aufmerksamkeit zu widmen, dennoch wollte der Funke nicht so ganz überspringen. Bohlen blieb beim sinnfreien Kommentieren („Du kannst zwar nicht besonders gut singen, aber ich hab dich lieb“) und klügelte bereits mit sich aus, welcher der 15 Möchtegern-Superstars sich wohl am besten vermarkten lasse. „Lady Gaga ist nicht die beste Sängerin, aber gaga“, lässt erahnen, was maßgeblich sein wird und was zweitrangig.
Die „Nervensäge“ aus Duisburg zeigte eine „absolute Checker-Meisterleistung“
Vielleicht der „resozialisierte“ Bad Boy Menowin Fröhlich, der zwei Jahre im Gefängnis saß und dort vom Saulus zum Paulus wurde („Ich bin im Knast zu einem guten Menschen geworden“)? Oder vielleicht doch der smarte farbige Usher-Verschnitt Nelson Sangaré? Keine Frage, einer der Hoffnungsträger dieser potentiell schwachen Staffel.
Seinen persönlichen Favoriten scheint Bohlen aber schon gefunden zu haben: Thomas Karaoglan, der „Checker“ aus Duisburg. Vor DSDS war er ein ganz normaler Junge. Doch seit Dieter Bohlen ihn zum „Checker“ gemacht hat, hat Thomas diese Rolle angenommen und spielt sie mit beeindruckender Intensität. Musikalisch mäßig begabt, hat die „wahnsinnige Nervensäge“ (Nina Eichinger) doch Eindruck hinterlassen. Seine Interpretation von „My Girl“ von den Temptations, die beim Recall in der Karibik noch völlig in die Hose ging und selbst den „Checker“ zum Heulen brachte, gefiel der Jury am Samstagabend wesentlich besser. Von Bohlen gab es eine verbale Urkunde für eine „absolute Checker-Meisterleistung“ und dazu ein Überraschungsei.
Für die erste Motto-Show am Samstag, den 20. Februar, haben sich qualifiziert: Menowin Fröhlich, Mehrzad Marashi, Nelson Sangaré, Helmut Orosz, Manuel Hoffmann, Thomas Karaoglan, Kim Debkowski, Marcel Pluschke, Steffi Landerer und Ines Redjeb.
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