Sebastian Koch: "Ich bin kein Klatsch-Fan"

Die einen Promis geben viel preis aus ihrem Privatleben, die anderen möglichst gar nichts. Schauspieler Sebastian Koch gehört zu letzteren. Warum, erklärt er im Interview. Dabei verrät er auch, wie die Zusammenarbeit mit Hollywood-Regisseur Steven Spielberg war und wann er seinen letzten echten Brief geschrieben hat.

In "Eine Liebe für den Frieden" (3.1., 20.15 Uhr, im Ersten) spielt Sebastian Koch (52, "Das Leben der Anderen") den schwedischen Chemiker und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896). Im Mittelpunkt des Films steht die etwas andere Liebesgeschichte zwischen "einem der reichsten Junggesellen seiner Zeit", wie Koch ihn beschreibt, und der österreichischen Friedensaktivistin Bertha von Suttner (1943-1914), "einer sehr energetischen, mutigen und intellektuellen Power-Frau". Briefe spielen in dieser Beziehung eine große Rolle. Wann der Schauspieler selbst seinen letzten echten Brief geschrieben hat, verrät er im Interview mit spot on news - obwohl er nicht gerne über sein Privatleben spricht. Außerdem erklärt Koch, wie die Zusammenarbeit mit Hollywood-Regiestar Steven Spielberg (68, "Der Soldat James Ryan") war.


Wie groß war denn die Liebe zwischen Bertha von Suttner und Alfred Nobel in der Realität?


Sebastian Koch: In der Realität haben sich Bertha von Suttner und Alfred Nobel nur zwei Wochen lang gesehen, als sie als Sekretärin bei ihm in Paris gearbeitet hat. Danach ist der Kontakt nie wieder abgebrochen. Von dieser Seelenverwandtschaft zeugt ein lebenslanger, hochintellektueller, liebevoller Briefwechsel, in der die wesentlichen Gedanken und Problematiken der Epoche von beiden erörtert werden.


Was mögen Sie besonders an dem Film?


Koch: Der Film erzählt die Geburtsstunde der Friedensbewegung. Damals war das ganz neu. Alle haben immer nur über den Krieg geredet, und plötzlich kam jemand wie Bertha von Suttner und sagte: Lasst uns über den Frieden reden. Das war total verpönt, sozusagen "out". Und den Alfred Nobel mochte ich. Ein kauziger Mann mit einem sehr speziellen Charakter. So wie man sich Erfinder eben vorstellt - verschraubt und um die Ecke denkend - zudem war er liebevoll und warmherzig. Ein Charakter, mit dem ich gerne Zeit verbracht habe.


Bertha von Suttner war eine gebildete und meinungsstarke Frau, nicht jedermanns Sache...


Koch: Das stimmt. Er war aber stark genug für sie, vielleicht auch, weil er zehn Jahre älter war. Er konnte damit nicht nur umgehen, er hat das sogar gemocht. Und diese Unterstützung hat ihr wiederum sehr gut getan, um sich zu entfalten. Er hat sie zum Schreiben gebracht, weil er an sie geglaubt hat. Jeder braucht manchmal einen Menschen, der einem den Rücken stärkt.


Wann haben Sie zuletzt einen echten Brief geschrieben?


Koch: Das ist ewig her. Meinen letzten großen Brief mit einer wichtigen Auseinandersetzung habe ich vor ungefähr 30 Jahren geschrieben. Heute gibt es nur noch E-Mails. Das Prinzip ist aber das gleiche geblieben: Man muss die Gedanken sortieren und auf den Punkt bringen, um sich miteinander oder mit einem Thema auseinandersetzen zu können. Geschriebenes kann man nicht mehr einfach so zurücknehmen, es steht da - Schwarz auf Weiß. Ich mag das.


Im Film tragen Sie einen tollen Bart. Bart ist gerade in, welcher Bart-Typ sind Sie in der Realität?


Koch: In meinen Rollen muss ich immer wieder mal einen Bart tragen. Im Film mag ich es, privat bin ich lieber ohne (lacht).


Der Nobelpreis wird jedes Jahr von der schwedischen Königsfamilie überreicht. Wie sehr interessieren Sie sich für Klatsch und Tratsch rund um die Königshäuser?


Koch: Ich bin kein Klatsch-Fan und lebe auch selbst lieber etwas zurückgezogen. Da halte ich es ganz mit Nobel, der die Salons und roten Teppiche seiner Zeit ebenfalls gemieden hat.


Warum halten Sie Ihr Privatleben lieber aus der Öffentlichkeit heraus?


Koch: Weil es für meine Arbeit als Schauspieler nicht gut ist, wenn jeder alles über mich weiß. Es lenkt von der jeweiligen Rolle ab, wenn man weiß, mit wem oder was sich der Schauspieler privat beschäftigt. Genau genommen beschädigt das den Beruf sogar. Je weniger ich über einen Schauspieler privat weiß, desto mehr kann ich mich mit ihm in seine Rolle hineinversetzen.


Sie haben inzwischen auch in Hollywood (u.a. "Die Hard") Filme gemacht. Worin liegt der große Unterschied?


Koch: Alles ist größer und aufwändiger, aber wenn die Kamera läuft, hat man seinen Partner, die Geschichte und die Rolle - das eint Dreharbeiten sowohl hier als auch in Hollywood. Es ist natürlich spannend, mit großen Namen zu arbeiten, und am Anfang ist man sicher auch aufgeregt, da man viele Erwartungshaltungen und Bilder in sich trägt. Unterm Strich zählt dann aber doch nur, ob es funktioniert - oder nicht.


Ende 2014 haben Sie auch mit Steven Spielberg gedreht, Arbeitstitel des Agententhrillers ist "St. James Place". Wie haben Sie den Regisseur erlebt?


Koch: Steven Spielberg ist eine lebende Legende - und ein beeindruckender Regisseur. Er weiß, was er will, und ist offen genug, auch andere Vorschläge anzunehmen. Es war eine große Freude, ihn kennenzulernen.


Wie ist es dann zurück im kleinen Deutschland?


Koch: Sehr schön, ich bin gerne hier, das ist meine Heimat und ich habe meine Wurzeln hier... Außerdem drehe ich sehr gerne in der deutschen Sprache.


Werden Sie noch oft auf den Oscar für "Das Leben der Anderen" (2006) angesprochen?


Koch: Immer wieder, vor allem im Ausland. "Das Leben der Anderen" hat weltweit so viele Menschen berührt. Sowas ebbt wahrscheinlich nie ab.