Schrill, intelligent, pfiffig
15.11.2009 | 15:54 Uhr 2009-11-15T15:54:00+0100
Essen. Nach Rollen in TV-Spielen wechselt Marie Zielcke das Genre: Heute startet die Telenovela „Eine wie keine”.
Sat.1 greift an – mit einer neuen Telenovela. Was „Eine wie keine” (Montag, 18 Uhr) von Massenware unterscheidet, ist die Hauptdarstellerin. Marie Zielcke wurde bisher eine Vorliebe für TV-Spiele und Kunstkino nachgesagt. Grund genug für Jürgen Overkott, bei der 30-jährigen Kölnerin nachzufragen.
Sie sind bekannt dafür, dass Sie ambitionierte Filmprojekte machen – und jetzt drehen Sie eine Telenovela. Warum?
Marie Zielcke: Ich bin auch bekannt dafür, dass ich mir immer Herausforderungen suche und gegen den Strom schwimme. Das war eine Sache, mit der man bei mir nicht gerechnet hat. Ich glaube sogar, dass da mancher gesagt hat, wie bescheuert ist die denn?
Hat denn jemand gesagt, Sie sind bescheuert?
Nee, die Kollegen lästern im Stillen (lacht). Nur die wirklich guten Freunde rufen an und fragen, sag mal, bist Du sicher, dass das eine gute Idee war? Jedenfalls wollten die Freunde wissen, warum ich ausgerechnet die Figur der Manu Berlett spiele.
Erklären Sie's mir auch?
Na ja, die Rolle ist komplett anders als die, die ich bisher gespielt habe. Manu Berlett ist einfach wahnsinnig unperfekt. Sie hat aber einen irrsinnigen Charme. Sie nervt, aber gleichzeitig ist sie so sehr liebenswert. Sie ist ein Raubein, aber trotzdem muss man sich in diese Frau verlieben.
Mir ist aufgefallen, dass Sie inszeniert werden wie die junge Julia Roberts.
Ja, der Look spielt auf den Film „Erin Brokovich” an. Wir haben im Laufe der Probeaufnahmen zu den Dreharbeiten gemerkt, dass dieser schrille Look mit der Figur wahnsinnig gut funktioniert.
Gibt es an Ihnen auch eine schrille Seite?
Eher nicht. Ich bin normalerweise zurückhaltend, aber es gibt Situationen, in denen ich nach vorne gehe und auch mal laut werden kann: Das ist dann, wenn jemand in meinem Umfeld ungerecht behandelt wird.
Sind Sie ein heimlicher Fan von Telenovelas?
Ich habe früher gern „Verbotene Liebe” geschaut.
Nun sind die Telenovelas wie Märchen erzählt. Lieben Sie Märchen?
Unbedingt! Jeder liebt Märchen, jeder wünscht, dass die Märchengeschichten wahr werden, sonst würde dieses Format nicht funktionieren.
Sind für Sie märchenhafte Vorstellungen schon mal in Erfüllung gegangen?
Immer wieder. Zuletzt mit diesem Projekt. Ich hatte das Gefühl, wow, da passiert jetzt etwas, was ich ganz, ganz toll finde.
Die ganze Inszenierung ist hochwertig, die Serie sieht so aus, als sei sie vor Ort gedreht worden. Konnten Sie der Produktion Ihren Stempel aufdrücken?
Ich bin der Meinung, dass es auch bei uns, wie in Amerika, möglich ist, eine Soap zu produzieren, die Qualität hat – eine Soap, die intelligent ist, die pfiffig ist. Dieser Anspruch ist da und wird von allen getragen. Es sind viele Kollegen dabei, die vom Theater kommen.
Telenovelas gelten normalerweise als Fernsehen für Leute, die mit wenig zufrieden sind. Haben Sie Angst, dass die Produktion zu anspruchsvoll ist?
Nee, das finde ich nicht. Ich glaube sogar, dass sie spannend ist für Leute, die sich bisher bei Telenovelas gelangweilt haben.
Telenovelas sind Mammutproduktionen mit langen Tagen. Wie geht es Ihnen danach?
Ich habe nach dem Drehen nur einen einzigen Wunsch: Ich will sitzen. Oder ich will es mal so sagen: Wenn Freunde mich fragen, ob ich mal wieder in der Sauna war, sage ich, nee, dafür müssten mir die Autoren eine Szene schreiben.
Apropos sitzen. Mussten Sie die ganze Zeit die hohen Hacken tragen?
Jaaaaaa. Sobald ich kann, ziehe ich Fellschuhe an oder Turnschuhe – ich kann Highheels im Augenblick nicht mehr sehen. (lacht)
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