Schauspieler-Sprecher Meyer greift ARD und ZDF an
07.09.2009 | 23:45 Uhr 2009-09-07T23:45:00+0200
Essen. Der Schauspieler Hans-Werner Meyer geht in den Hochmooren des Bayerischen Waldes “Bis an die Grenze”. Zugleich gehört er zum Vorstand des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS). Jürgen Overkott sprach mit ihm.
Ihr Film „Bis an die Grenze“, gedreht im Bayerischen Wald, spielt im Sumpf. Beim Stichwort Sumpf fällt mir Doris Heinze mit ihrem Drehbuch-Schmu ein. Und Ihnen?
Hans-Werner Meyer: In der Film-Branche sind wir Sümpfe gewöhnt. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in einem versackt.
Sehen Sie eine Chance, wie der eine oder andere Sumpf trocken gelegt werden kann?
Hans-Werner Meyer: Das geht nur durch strukturelle Änderungen. So lange das Film-Geschäft so organisiert ist wie heute, werden Fälle wie Heinze immer wieder passieren. Das Problem ist gar nicht so sehr eine Redakteurin, die sich selbst Aufträge zuschanzt, sondern dass es in der Branche keinen echten Wettbewerb gibt. Für uns, im Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler, sind vor allem die Öffentlich-Rechtlichen ein Problem, mehr noch als die Privaten. Die Budgets für die Filme stagnieren seit Jahren, aber die Kosten steigen. Das heißt: Die Produktionsfirmen werden gezwungen zu tricksen. Die Gagen werden gedrückt und gedrückt, und inzwischen sind wir an einem Punkt, wo es nicht mehr weitergeht.
Wo liegt das Problem bei den Öffentlich-Rechtlichen?
Hans-Werner Meyer: Sie haben Tochterfirmen, die fast alle Aufträge bekommen und umgehen damit ihre eigenen Tarifverträge. Wenn wir Verhältnisse wie in Großbritannien hätten, sähe die Lage anders aus. Dort gibt es eine Quote für freie Produktionsfirmen, und wir werden um diese Quote nicht herumkommen. Ich fordere im Namen unseres Verbandes eine Quote von 20 Prozent für freie Produktionsfirmen.
Klare Ansage. Zurück zum Sumpf – und zwar bei den Dreharbeiten. War das für Sie eine fundamental neue Erfahrung?
Hans-Werner Meyer: Nö, ich bin vor den Toren Hamburgs aufgewachsen. Da wurde bis vor kurzem noch Torf gestochen. Es gab einen Bolzplatz, einen Bach und jede Menge Dreck zum Rumsauen. Außerdem bin ich früher schon gern gewandert – auch im Bayerischen Wald. Wissen Sie, was der Unterschied war? Beim Wandern bewegt man sich, beim Drehen liegt man stundenlang unbewegt im Dreck, mit Theaterblut beschmiert. Das war sehr, sehr anstrengend.
Haben Sie dieses Abenteuer unbeschadet überstanden?
Hans-Werner Meyer: Ja, danke der Nachfrage. Ich habe mir nur einen Magen-Darm-Virus zugezogen.
Sind Sie heilfroh, dem Bayerischen Wald entronnen zu sein?
Hans-Werner Meyer: Ach, das ist eine wunderschöne Gegend – vor allem der Nationalpark. Nur: Man muss sich darauf einstellen, dass das Wetter nicht besonders toll ist. Das haben wir auch beim Drehen gemerkt.
Dann brauchten Sie keinen Studioregen…
Hans-Werner Meyer: …doch, doch. Den normalen Regen sieht man im Film gar nicht. Der Studioregen ist viel dicker als echter Regen.
Sie sind Mitte 40, und ich habe gelesen, dann beginnen die Wechseljahre auch für Männer. Jörg Pilawa will ja gerade wechseln – zum ZDF. Wie sieht’s bei Ihnen aus?
Hans-Werner Meyer: Ich wechsle Windeln. Und habe ein Buch darüber geschrieben: „Durchs wilde Kindistan“. Ein Abenteuerbericht: Wie überlebe ich die Schrei-Banden und Angriffe der Hormontruppen?
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