Schätzing beschert Borowski-"Tatort" die Schlusspointe

Nanu, den kennt man doch? Frank Schätzing (links) gibt Sibel Kekilli und Axel Milbergim Kiel-Tatort wertvolle Tipps.
Nanu, den kennt man doch? Frank Schätzing (links) gibt Sibel Kekilli und Axel Milbergim Kiel-Tatort wertvolle Tipps.
Foto: NDR, Christine Schroeder
Axel Milberg hat die Messlatte für "Tatort"-Kommissare hoch gelegt. Da sind selbst für seine Verhältnisse mittelprächtige Folgen wie die aktuelle sehenswert. Der Kieler Kommissar Borowski wird übrigens unterstützt von einem prominenten Kollegen, der sich kurzerhand selbst spielt.

Kiel.. Wer unter Platzangst leidet, klettert in der Regel nicht freiwillig in ein winziges U-Boot mit einem Panoramafensterchen. Warum Klaus Borowski, der "Tatort"-Kommissar aus Kiel, trotzdem höchstpersönlich durch die trübe Förde taucht, um eine verschwundene Leiche aufzuspüren, muss man nicht verstehen. Das Geomar-Ozeanforschungsinstitut wird sich über die Werbung freuen. Umso mehr, da auch noch dem schreibenden Wasserversteher Frank Schätzing ein Gastauftritt mit einer hübschen Schlusspointe gewährt wird.

Dem aktuellen Fall "Borowski und das Meer" (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) hilft das indes auch nicht so recht auf die Sprünge. Bei den „Tatort“-Krimis mit Axel Milberg liegt die Latte mittlerweile so hoch, dass man leicht mal unter die Erwartungen rutschen kann.

Ein Kombinierer mit messerscharfem Verstand

An Milberg, diesem großartigen Schauspieler mit dem reichhaltigen Repertoire, liegt das freilich nie, er hat sich längst zum profiliertesten Ermittler der Reihe hochgearbeitet. Ein Vergnügen, diesem süffisanten Kombinierer mit dem messerscharfen Verstand bei der Arbeit zuzusehen – und seinen staunenden Gegenspielern, die nie so richtig schlau aus ihm und seinen unorthodoxen Verhörmethoden werden.

Tatort Diesmal allerdings geben ihm die Frauen schwere Rätsel auf und, ehrlich gesagt, bis zum Abspann auch dem Betrachter, der sich mit allerlei Merkwürdigkeiten arrangieren muss. Da ist vor allem die unterkühlte Chefin eines umweltzerstörerischen Unternehmens (Karoline Eichhorn), das offenbar mit allen Mitteln seltene Rohstoffe aus der Tiefsee fördert. Einer ihrer Hausjuristen (Andreas Patton), aufgerüttelt durch den Tod eines engagierten Umweltschützers, will offenbar aussteigen oder gar auspacken und wird bei einer Firmenparty auf einer Jacht erschossen und kippt über Deck.

Seine Frau, die Nicolette Krebitz als verstörend unterwürfiges Wesen gibt, hätte ebenfalls ein Motiv, den Ehemann abzuservieren, denn der hat ein Verhältnis mit einer, ja, ebenfalls undurchsichtigen Forscherin (Florence Kasumba). Die verdächtige Wissenschaftlerin hat kein Alibi und die Körpergröße des gesuchten Täters. Und über allem schwebt wie stets das kleine, schwelende Drama um Borowskis kecke Kollegin (erfrischend wie immer: Sibel Kekilli), die von Epilepsieanfällen bedroht ist.

Erfrischend wie immer - Sibel Kekilli

Tatort Dem erfahrenen Christian Jeltsch (Drehbuch) und Sabine Derflinger (Regie) gelingt es allerdings in dieser Gemengelage aus ambitioniertem Ökokrimi mit Zeigefingerattitüde und dem Wer-war’s-wohl-Standardablauf eines „Tatorts“ nicht, die nötige Spannung herzustellen; besonders Borowskis wunderbare Leichtigkeit des Seins leidet in dieser Folge voller globaler Einsichten, politischer Korrektheiten und aufgesagter Weisheiten stark. Ein geschniegelter Auftragskiller namens Fred Pollack (Alexander Tesla) gerät zudem phasenweise zur Karikatur.

Das alles ist dann immer noch über einem Durchschnitts-Tatort und dürfte wie so oft am Sonntagabend im Ersten an der Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke kratzen. Aber Borowski kann mehr.