"Sara Stein" - Deutsche Kommissarin ermittelt in Israel

Ein deutscher Thriller in Israel - die ARD will damit neue Wege beschreiten. In der Hauptrolle der Sara Stein: Katharina Lorenz (li.), hier mit Gila Almagor.
Ein deutscher Thriller in Israel - die ARD will damit neue Wege beschreiten. In der Hauptrolle der Sara Stein: Katharina Lorenz (li.), hier mit Gila Almagor.
Foto: Yoni Hamenahem/TV60Film
Was wir bereits wissen
Krimis sind eine besondere Leidenschaft der Deutschen. Jetzt spielt ein deutscher Thriller in Israel - die ARD will damit neue Wege beschreiten. Der Film spiegelt auch die gegenseitige Faszination und den Wandel im Verhältnis beider Länder wider.

Tel Aviv.. Es ist ein sonnig-warmer Nachmittag in Tel Aviv, und Sara Stein jagt einen Mörder. Die junge Kommissarin aus Deutschland hat gerade erst begonnen, in Israel zu arbeiten und gleich einen besonders heiklen Fall erwischt: Der Chief-Inspektor wurde umgebracht.

Unruhe und Misstrauen machen sich breit unter den Kollegen, insbesondere gegenüber Sara, die als objektive Aufpasserin dem ermittelnden Inspektor Jakov Blok zur Seite gestellt wird. Eine neue Kollegin, noch dazu aus Deutschland - das birgt reichlich Stoff für Konflikte.

Das denkt sich auch die ARD, die mit der deutsch-israelischen Krimireihe "Sara Stein" neue Wege beschreitet. "Das hier ist keine Neuauflage des Kommissars in Istanbul oder der Bretagne", beteuert Regisseur Matthias Tiefenbacher. "So leicht kann man es sich in Israel nicht machen. Man muss schon einen ganz besonderen Grund haben, um herzukommen."

"Sara Stein"-Filme sollen auch innerisraelische Konflikte abbilden

Die "Sara Stein"-Filme sollen nicht bloß Krimis sein. Sie sollen auch innerisraelische Konflikte und Themen abbilden und nicht zuletzt das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis, das derzeit im Wandel begriffen scheint: Immer mehr junge Israelis zieht es nach Berlin, immer mehr Deutsche kommen nach Jerusalem oder Tel Aviv, um hier zu studieren oder Start-ups zu gründen.

TV-Serie Nichtsdestotrotz sei er "der einen oder anderen Gelegenheit, in Israel einen Film zu machen, bislang aus dem Weg gegangen", sagt Tiefenbacher. "Weil ich sehr stark empfinde, dass Vergangenheit auch Gegenwart ist und es nichts Schlimmeres gibt als falsche Betroffenheit oder falsche Distanz oder diese ganze Skala von verkrampften bis überforderten Verhaltensweisen."

In der Figur der jungen deutschen Kommissarin mit jüdischen Wurzeln sieht er nun einen angemessenen Zugang. Sara Stein hatte sich mit ihrem jüdischen Hintergrund eigentlich nie beschäftigt - bis sie sich in einen Israeli verliebte. Ihrem Ehemann zuliebe zieht sie nach Tel Aviv und muss sich erstmals mit dieser Kultur, die ja auch ihre ist, auseinandersetzen.

Fast alle Darsteller stammen aus Israel

"Ich weiß inzwischen wahrscheinlich mehr über das Judentum als Sara selbst", sagt Katharina Lorenz. Die Schauspielerin hat sich monatelang auf die Rolle vorbereitet, lernte sogar Hebräisch mit einem Privatlehrer.

Das kann sie nun gebrauchen, denn mit Ausnahme des deutschen Schauspielers Samuel Finzi, der ihren Kollegen Blok spielt, stammen alle anderen Darsteller aus Israel. "Das ist geradezu revolutionär für die deutsche Prime Time", sagt Regisseur Tiefenbacher.

Am Filmset in einem Tel Aviver Vorort, wo ein Team von 60 Mitarbeitern umherwuselt, hört man deshalb ein Wirrwarr aus gleich drei Sprachen. "Es ist informeller, es ist lauter, es ist turbulenter als an deutschen Sets", sagt Tiefenbacher.

Krieg in Gaza macht aus Ein- einen Zweiteiler

Eigentlich hatten die Dreharbeiten schon im vergangenen Sommer stattfinden sollen, aber dann brach der Krieg in Gaza aus. Die Verantwortlichen machten aus der Not eine Tugend und aus dem Ein- kurzerhand einen Zweiteiler.

Krimireihe Sie entwickelten ein neues Drehbuch, das die Vorgeschichte von Sara Stein in Deutschland erzählt. "Shalom, Berlin" wurde bereits im Winter in der Hauptstadt gedreht. Nun folgt mit "Shalom, Tel Aviv" Film Nummer zwei aus Israel.

Vor 20 Jahren sei ein solches deutsch-israelisches Projekt undenkbar gewesen, sagt Ishai Golan, der in dem Film einen zwielichtigen Architekten spielt. In Israel ist Golan ein Star. Die Serie "Hatufim", durch die er berühmt wurde, war auch in Deutschland auf Arte zu sehen.

"Die deutsche Faszination für Krimis ist etwas sehr Spezielles"

Ob "Sara Stein" umgekehrt auch eine Chance im israelischen Fernsehen hätte? "Wir morden anders", grinst Golan und spielt damit auf die israelischen Thriller an, in denen eher automatische Waffen zum Einsatz kommen als Mord durch Erdrosseln, Erschlagen, Ertränken. "Die deutsche Faszination für Krimis ist etwas sehr Spezielles. Dazu gibt es kein Äquivalent in Israel."

Wann die Zuschauer Sara Stein im TV zu sehen bekommen, ist noch offen - auf jeden Fall nicht vor dem kommenden Herbst. (dpa)