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Anti-Islam-Film

Sandra Maischberger diskutiert die Angst der Deutschen vor der muslimischen Wut

19.09.2012 | 07:38 Uhr
Sandra Maischberger diskutierte das Anti-Islam-Video mit Gästen wie Peter Scholl-Latour und einer muslimischen Journalistin. Zu tiefgreifenden Erkenntnissen kam die Runde nicht.Foto: dapd

Essen.  Kommt es auch in Deutschland zu Aufständen, wenn das Anti-Islam-Video gezeigt wird? Über diese Frage, das Misstrauen zwischen den Religionen und die Angst der Deutschen vor der muslimischen Wut diskutierte Sandra Maischberger am Dienstagabend - unter anderem mit einem Ex-Islamisten.

Bettina Wulff hat ihren Auftritt bei „Menschen bei Maischberger“ in der ARD zurückgezogen. Darum war nun Platz und Zeit über ein Thema zu diskutieren, das momentan wirklich wichtig ist: Könnte es - wenn das umstrittene Mohammed-Video auch in Deutschland gezeigt würde - auch hier zu Aufständen der Muslimen kommen? An dieser Frage nagten die Talkgäste so lange herum, bis die Ratlosigkeit nur allzu deutlich wurde. Sogar die drei muslimischen Gäste selbst blieben am Ende eine Antwort schuldig.

„Nun sag, Deutschland, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich gutes Land, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“ Goethes Gretchen war leider nicht zu Gast bei Sandra Maischberger, sie wäre wohl eine Bereicherung gewesen. Deutschland hält es mit der Religion so, dass es die ureigene, die christliche, geringschätze, so lautet die Meinung der muslimischen Journalistin Khola-Maryam Hübsch. Die muslimische Religion, die fürchtet Deutschland hingegen. Ein Grund dafür sind die Bilder aus Libyen, wo der amerikanische Botschafter umgebracht wurde, und die Angriffe auf die deutsche Botschaft im Sudan. Ängstlich fragen sich nun alle: Wann schwappt der Hass, der Bürgerkrieg zu uns herüber? Und wird in der Moschee in meiner Straße wohl bereits der Guerillakrieg geplant?

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Das Misstrauen zwischen Deutschen christlicher Religion und muslimischen Deutschen ist groß. Doch woher kommt es? Das versuchten die Gäste bei Sandra Maischberger zu ergründen. Richtig zu fassen bekamen sie das Problem aber nicht.

Die Koran-Auslegung aus der Sicht eines Ex-Islamisten

Warum Alice Schwarzer („Ich beschäftige mich überhaupt nicht mit dem Islam!“) in dieser Runde saß, kann man nur mutmaßen. Vielleicht, weil sie bereits für die Sendung mit Bettina Wulff gebucht war. Vielleicht, weil sie zu allem eine Meinung hat, und diese auch gerne episch äußert. Vielleicht, weil dank ihr am Ende einer Talkrunde garantiert wild durcheinander geredet und gestikuliert wird, und das macht ja in den Augen vieler Zuschauer eine gute TV-Diskussion erst aus. Frau Schwarzer jedenfalls plädiert für die uneingeschränkte Meinungsfreiheit. Basta. Punkt. Mit felsenfesten Doktrinen kommt man bei diesem Thema aber nicht weiter.

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Sehr viel mehr Licht ins Dunkel brachten die muslimische Journalistin Khola-Maryam Hübsch und der ehemalige Islamist Barino Barsoum, der mit 18 Jahren zum Islam konvertierte. Woher die Gewalt im Islam komme, war die Frage. Barsoum argumentierte mit der Vorgehensweise der radikalen Islamisten, die jede passende Stelle des Korans als Aufruf zum heiligen Krieg auslegen. Intensives Kopfschütteln bei Hübsch angesichts der aggressiven Reaktionen in der arabischen Welt auf das Mohammed-Video: „Es gibt dafür islamisch gesehen überhaupt keine Legitimation.“ Der Koran rufe die Menschen zur Toleranz und Nächstenliebe auf.

Das sagt man heute auch über die Bibel. Vor knapp 1000 Jahren zu Zeiten der Kreuzzüge sah das aber noch ganz anders aus. Religiöse Bücher wären eben nicht so faszinierend, wenn sie eine klare, unverkennbare Aussage hätten. Heilige Schriften bieten Platz für Interpretationen, die gerade in die Zeit passen, so wie in der islamischen Welt nach dem arabischen Frühling, wie Hübsch vermutet: In instabilen Zeiten suchen die Menschen nach festen Werten. Das sei schon immer so gewesen. In den arabischen Ländern könnte dies eben der Hass auf die westliche Welt und insbesondere Amerika sein.

„Leben des Brian“: „Jeder Christ muss das aushalten!“

Und daher stammt auch das Video, das das Leben des Propheten Mohammed karikiert und damit die Unruhen erst verursacht hat. Eine geschmacklose Provokation von amerikanischen Evangelikalen, findet Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir. Die Androhung rechter Splittergruppen, diesen Film in Deutschland öffentlich zu zeigen, sei nicht weniger auf eine Konfrontation ausgelegt.

Video
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Den Film hierzulande verbieten? Ein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit? Oder doch angebracht? Natürlich blieb auch der Vergleich mit dem Monty-Python-Klassiker „Das Leben des Brian“ nicht aus. In diesem Film aus den 70ern wird Jesus veräppelt, Aufschrei im Vatikan, Lachen bei den Kinobesuchern, verletzte Gefühle bei den Christen? „Jeder Christ muss das aushalten können“, sagt Barino Barsoum (der jetzt übrigens selbst wieder Christ ist). Wieso also empören sich die Muslime so über einen schlecht gemachten Videoclip? Die religiösen Gefühle eines Menschen zu erklären, dafür reichen 75 Minuten Sendezeit nicht aus. Diese Gefühle zu verstehen, dafür braucht es mindestens ein ganzes Leben, wie Weltenbummler Peter Scholl-Latour bewies.

Und jetzt? Wird der Hass der Muslime auch in Deutschland offen ausbrechen? Es wird damit gerechnet, warum sonst wird darüber geredet? Und wen würde es wundern, in einem Land, in dem in den Kneipen, in den Medien, in den Köpfen über „Kopftuchmädchen“ und „faule Ausländer“ gespottet wird? In dem Menschen sich in eigenen Stadtteilen abkapseln, anstatt sich zu integrieren? In dem sich die einzelnen Gruppen gegenseitig beobachten und belauern und nur darauf warten, wer als Erster einen Fehler macht? Die Gretchenfrage bleibt – nur traut sich keiner, sie zu stellen.

Pia Mester

Kommentare
22.09.2012
09:22
Sandra Maischberger diskutiert die Angst der Deutschen vor der muslimischen Wut
von Pucky2 | #20

Der Film ist bestimmt das Material nicht wert, was für ihn verbraucht wurde, aber er verdient den Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit. Verbieten...
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