RTL oder Die Entdeckung der Zielgruppe
10.01.2009 | 11:02 Uhr 2009-01-10T11:02:00+0100
Köln. Das eigentliche Jubiläum liegt acht Tage zurück. Aber nun passt die Feier besser ins Programm. Deshalb treffen sich die ehemaligen und heutigen Stars zum unterhaltsamen Rückblick auf 25 Jahre RTL (Sa., 20.15 Uhr).
Seriös sah das nicht aus, als Hans Meiser und Geert Müller Gerbes am 2. Januar 1984 in buntem Pulli und verwaschenem Sweatshirt in einem kleinen Luxemburger Studio ausgerechnet mit einer Nachrichtensendung den Programmbetrieb von RTL plus aufnahmen. Aber "7 vor 7" wollte auch gar nicht seriös sein. Sondern anders. Nicht so zeremoniell wie die "Tagesschau". Und natürlich war der Zeitpunkt direkt vor den "heute"-Nachrichten Absicht. "Die Zuschauer haben danach aber im ZDF überprüft, ob bei uns alles gestimmt hat", erinnert sich heute Helmut Thoma, vom Sendestart bis 1998 RTL-Geschäftsführer.
Wie viel sich seitdem geändert hat, lässt sich gerade an den Nachrichten ablesen, die 1988 in "RTL aktuell" umbenannt wurden und sich zu einer preisgekrönten Nachrichtensendung entwickelt haben. "Peter Kloeppel hat sich als Glücksfall erwiesen", sagt Thoma, der den damals 33-Jährigen 1992 als Anchorman installierte. Spätestens seit dem 11. September hat das Renommee von Kloeppel RTL in der öffentlichen Wahrnehmung auf eine neue Qualitätsebene gehoben.
Am Anfang herrschte blanke Not. Billig und krawallig musste es sein. "Garagenfernsehen" nannte Thoma das rückblickend. Alles, was Aufsehen erregte, war gut. Die polemische Diskussionsrunde "Explosiv - Der heiße Stuhl" mit Olaf Kracht und Ulrich Meyer, das barbusige Cin-Cin-Ballett in Hugo Egon Balders "Tutti Frutti", einer Show, deren Spielregeln (Länderpunkte?) nie irgendjemand verstanden hat, die aber viele Diskussionen auslöste. So wie der Torten-Anarchismus in "Alles nichts oder" (mit Hella von Sinnen und ebenfalls Balder).
1992 startete mit "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" die erste tägliche Seifenoper in Deutschland, im gleichen Jahr moderierte Hans Meiser den ersten täglichen Nachmittags-Talk. Und was in den Fußgängerzonen kriminelle Osteuropäer trieben, brachte RTL ins Fernsehen: Hütchenspiel mit Salvatore.
RTL löste mit "RTL Samstag Nacht" den Comedyboom aus und mit "Wer wird Millionär?" den Quizboom. Das war nun so wenig eine eigene Erfindung wie "Deutschland sucht den Superstar", "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" oder "Die Super Nanny". Aber der Kölner Sender, der im Herbst in die repräsentativen Messehallen schräg gegenüber vom Dom umziehen wird, brachte die internationalen Rezepte zum Funktionieren. Wie bei der "Traumhochzeit", die Tabus brach, was die Darstellung privater Emotionen in der Öffentlichkeit betrifft.
Auch US-Serien liefen gut, anfangs "Knight Rider", "Beverly Hills 90210" und "Quincy", heute "Dr. House", "Monk" und "CSI". "Wir hatten eine neue Zielgruppe: die Zuschauer", sagt Thoma. "Die waren ja vorher nur Gebührenzahler." Seit 17 Jahren ist RTL Marktführer bei den 14- bis 49-Jährigen. Die Zahlen waren mal besser, die vielen kleinen Spartensender kosten Zuschauer, die ganz jungen verbringen viel Zeit im Internet. Aber anders als der unter besseren Bedingungen gestarteten Konkurrent Sat 1, bei dem Leo Kirch sein reichhaltiges Film- und TV-Archiv einbrachte, hat RTL wirklich Grund zum Feiern. Deshalb folgt nächsten Samstag noch eine zweite Runde. Mit Eigenlob war man ja nie sparsam.
- Fotostrecke: 25 Jahre RTL
- Eine Chance für den Zuschauer
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