RTL 2, getauschte Frauen und verstörte Teenager
17.08.2010 | 14:04 Uhr 2010-08-17T14:04:00+0200
Essen.Privatfernsehen lebt gut davon, Menschen vorzuführen. Nach überschuldeten Hartz-IV-Empfängern, kaputten Familien und getauschten Frauen stehen bei „Generation Ahnungslos“ auf RTL 2 nun verstörte Teenager im Fokus.
„Hemmungsloser Sex wird bei Jugendlichen ein zunehmendes Problem”, dröhnt der Sprecher, während ein aufgebrezeltes Mädchen in der Disco mit den Hüften wippt. „Zur Not werden da die Beine breit gemacht”, hört man die Mutter zur Einstimmung sagen, und man ahnt, es wird kein Deutschkurs werden, dem wir hier bei der „Generation Ahnungslos“ für eine Dreiviertelstunde beiwohnen.
Frischfutter für die Meute
Die alleinerziehende Frau muss sich von ihrer Tochter vor laufender Kamera als „behinderte Hure” anpöbeln lassen, atmet aber immerhin auf, als sie erfährt, dass ihre Debbie erst drei Liebhaber hatte. Mit 14. Der aktuelle Freund des Teenagers ist 20 und geschieden, und wenn die 35-Jährige ins Jugendzimmer schlurft, wo die beiden auf dem Bett liegen, fängt sie sich ein „Verpiss disch!” ein.
Da ist es wieder, das Elend der Anderen, mit dem die Privatsender seit Jahren Quote machen. Die geiernde Meute ruft offenbar immer noch nach Frischfutter. Und wem überschuldete Hartz-IV-Empfänger, kaputte Familien und getauschte Frauen nicht langen, dem serviert RTL 2 nun jeden Dienstag verstörte Teenager mit Hormonschüben.
Dokusoaps und kein Ende. Ob authentisch oder mit Laiendarstellern gesteuert, um der Wirklichkeit nachzuhelfen – wen juckt das noch? Hauptsache: schön primitiv. Das Reservoir an Figuren, die sich mit ihren Abgründen zur Schau stellen, scheint unerschöpflich, die Lust, wahrgenommen zu werden, ist größer als jede Angst vor einer Blamage. Der Vorführungseffekt verliert nicht an Zugkraft, selbst wer noch Reste des Fremdschäm-Gens in sich spürt, stumpft langsam ab.
RTL 2 schickt eine Sexualtherapeutin ins Haus, die sich der asozialen Gemengelage annehmen soll. Und die stellt nach dem dritten Schimpfschwall aus fachfraulicher Sicht fest, „dass hier Wörter benutzt werden, die ich nicht in Ordnung finde”. Der Schluss, dass hier ab und zu Wörter benutzt werden, die in Ordnung sind, wäre angemessener. Man möchte auch nicht wirklich erfahren, wie sich ein 14-jähriges Prolo-Mädchen die Geschlechtsorgane alter Menschen vorstellt. Man erfährt es aber. Natürlich.
Jahrmarkthafte Zurschaustellung Hilfsbedürftiger
Es gäbe manches über die ernst zu nehmende Problematik des Einzugs von Pornographie in deutsche Kinderzimmer zu berichten, über die Schwierigkeiten Heranwachsender, das Körperliche richtig einzuordnen, zwischen Sex und Zuneigung zu unterscheiden. Der Sender aber will Geld verdienen und sein Stammpublikum bei Laune halten. Das lässt sich mit vermeintlich drögen Interviews schlechter erreichen, als mit der jahrmarkthaften Zurschaustellung Hilfsbedürftiger.
Weil die Expertin sich selbstverständlich mit einem Erfolgserlebnis verabschieden muss, vertragen sich Mutter und Tochter am Ende und können plötzlich ganz entspannt über Sexualität plaudern. Knetgummi sei Dank. Beide formen nebeneinander ihren Lieblingspenis und finden das sehr lustig. Da kann man nur sagen: echt geil.
17:03
Jeder kriegt das Programm, das er verdient bzw. einschaltet.
14:06
Der Rotz kann doch nur laufen, weil es genügend idiotische VoyeurInnen gibt. die sich dieses ansehen.
Folglich wunderts wirklich nicht, wenns auch noch so dämlich ist, wirklich alles fürs Wohnzimmer verwurstet wird.
Gruß
13:14
Zu Kommentar 19 von kragenechse , am 17.08.2010 um 21:50
Leider bedeutet das Ausüben einer journalistischen Tätigkeit heute nicht mehr automatisch einen gewissen intellektuellen, gebildeten Hintergrund.
Noch SCHLIMMER das ist störend !!!
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13:11
Zu Kommentar 11 von api , am 17.08.2010 um 17:18
Ich glaube Sie haben in unserer Gesellschaft einiges nicht verstanden !!!
Sie wollen also das JUGENDSCHUTZGESETZ abschaffen???
Ich beantrage hiermit Geschwindigkeitsbegrenzung, Anschnallpflicht,
usw.
ABZUSCHAFFEN !!! Keine Reglementierung mehr !!!
PRIMA !!!
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21:52
Korrektur:
der verläufige = den vorläufigen
21:50
Die Redakteure und Intendanten bei den Privaten, die solche Sendungen ersinnen, produzieren und senden sind nicht anders als die Protagonisten, die sie abbilden.
Leider bedeutet das Ausüben einer journalistischen Tätigkeit heute nicht mehr automatisch einen gewissen intellektuellen, gebildeten Hintergrund. Das kann heute jeder Asi. Die Zeitung mit den grossen Buchstaben hat damit vor Jahrzehnten angefangen und der verläufige Höhepunkt der Verblödung eines erklecklichen Teils dieses Berufsstands sieht man allenthalben im Privat-TV.
21:06
Fernsehen macht doofe dööfer und schlaue schlauer. In 5 Jahren ist kein Jugendlicher mehr in der Laage sich selbst zu finanzieren. Wir brauchen Streichung aller Förderung für doofe und faule.
19:18
Zumachen, diese Sudelbuden! Menschenwürde macht sich an der Einstellung und dem Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt fest.
Ich frage mich, wie die verantwortungslosen Verantwortlichen da einzuordnen sind...Pfui Deibel!
18:52
Es ist einfach nur beängstigend.
Ich schaue mir so etwas blödes nicht an, auch wenn ich selbst die 30 gerade erst überschritten habe und noch nicht ganz zum alten Eisen gehöre.
Da gönne ich mir lieber eine gute Doku auf Phönix, Eins Plus, Arte....
Mir sprach Ranicki damals schon aus der Seele.
18:36
Also erst mal für die die das alles für echt halten: Das ist es natürlich nicht. Seit Jahren nicht mehr,
bitte hier informieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Doku-Soap
Wenn das echt wäre würde wohl nach kürzester Zeit das Jugendamt bei allen dargestellten Fällen eintrudeln.
@api#11Es gibt genug Staaten in denen das Fernsehprogramm und das Internet und sonstige Medien der Staatszensur unterliegen.
Was unterscheidet dass den bitte maßgeblich von einem Staat der über Hintertürchen ausschließlich Propagandaprogramm fördert?