Quoten-Gold für das Erste bei den Olympischen Spielen
01.03.2010 | 18:26 Uhr 2010-03-01T18:26:00+0100
Essen.Gold fürs Erste, Silber fürs Zweite. Die Olympischen Spiele bescherten den Öffentlich-Rechtlichen beim Gesamtpublikum Bestquoten. Die Sportberichterstattung selbst verdiente nicht immer Edelmetall. Zuweilen bot sie bestenfalls Blech.
„Die Resonanz liegt über unseren Erwartungen“, jubilierte ARD-Teamchef Wolf-Dieter Jacobi am Montag. Und sein Kollege Dieter Gruschwitz vom ZDF sekundierte: „Der Aufwand hat sich gelohnt.“
Die Fernsehrechte für die Winterspiele in Vancouver, Kanada, kosteten die Europäische Rundfunkunion (EBU) 180 Millionen Dollar. Die EBU hatte sich die Rechte für alle gebührenfinanzierten TV-Stationen in Europa gesichert. Was ARD und ZDF zahlten, ist geheime Komandosache.
„Sportlichen Nerv der Zuschauer getroffen“
Kein Wunder, dass die Übertragung des Schnee-Spektakels zu einem Fernseh-Marathon geriet, geraten musste. Die Öffentlich-Rechtlichen sendeten vom 12. bis 28. Februar 18 Stunden am Tag. „Das war angemessen“, befand Wolf-Dieter Jacobi vom Ersten – zumal das Sport-Spektakel aus den Rocky Mountains keine Pannenshow war. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sah selbst zu später Stunde den „sportlichen Nerv der Zuschauer getroffen“.
In der Quoten-Liste ließ das ZDF der ARD den Vortritt – und die deutschen Herren den Damen. Die Biathlon-Staffel der Damen holte in der Loipe lediglich Bronze, aber in der TV-Bilanz Gold. 10,03 Millionen Zuschauer bescherten dem Quartett ein Ergebnis wie sonst nur die Fußball-Nationalelf. Der Marktanteil lag bei fast 30 Prozent – auch ohne Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner. Der zweite Platz in der Februar-Statistik gingen ebenfalls an die Biathletinnen. Der Massenstart fürs Rennen über 12,5 Kilometer bannte 9,75 Millionen vor der Glotze (31,4 Prozent). Erst der dritte Platz ging an einen TV-Film. Der „Tatort: Königskinder“ aus Bremen sahen 8,94 Millionen (23,9 Prozent). Die Reihenfolge ist eher die Regel denn die Ausnahme, wenn ARD und ZDF großen Sport zu bieten haben. Bereits im Januar machten die beiden Öffentlich-Rechtlichen Boden gegenüber der privaten Konkurrenz von RTL gut – dank Wintersport und der Handball-Europameisterschaft.
Und wie sahen die Quoten beim jungen Publikum aus? Auch dort schafften es die Biathletinnen zweimal unter die besten Zehn. Aber die Plätze eins bis vier gingen an die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Alle vier Ausgaben des Bohlen-Castings verbuchten allein bei der TV-Jugend zwischen vier und viereinhalb Millionen Zuschauer – und Marktanteile von deutlich mehr als 30 Prozent.
Von derartig prächtigen Ergebnissen ist die gebührenfinanzierte Unterhaltung weit entfernt. Besserung ist – sorry, Guido Cantz, ‘tschuldigung, Jörg Pilawa – vorerst kaum zu erwarten.
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