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Qualitätsfernsehen - ARD zeigt „Auslandseinsatz“ am Hindukusch

16.10.2012 | 16:08 Uhr
Qualitätsfernsehen - ARD zeigt „Auslandseinsatz“ am Hindukusch
Die Soldaten Daniel Gerber (Max Riemelt, li.) und Emal (Omar El-Saeidi, 2. v. li.) erhalten den Auftrag, in dem Dorf Milanh die Schule aufzubauen. Verhandlungen mit den Afghanen sind jetzt angesagt.Foto: WDR

Essen.  „Auslandseinsatz“ ist ein Stück deutsches Qualitätsfernsehen. In der erdachten Geschichte geht es um „Isaf“-Soldaten, die helfen sollen, ein Dorf in Afghanistan wieder aufzubauen. Dieses war von US-Bombern versehentlich dem Boden gleichgemacht worden.

Weltpolitik als individuelle Tragödie, das hat uns schon Friedrich Schiller eingebrannt, ist nur auf den ersten Blick eine Verkleinerung. Längst bedienen sich Dokumentationen dieser Technik. Schwerer haben es Fiktionen, die sich aktuellen Themen stellen. Viele von ihnen gelten als dick aufgetragen, scherenschnitthaft, „gespielt“ eben.

Da ragt „Auslandseinsatz“, ARD, Mittwoch um 20.15 Uhr, als Stück deutschen Qualitätsfernsehens heraus. Als wir Daniel und Ronnie, Emal und Sarah das erste Mal begegnen, blinzeln sie schon durch die staubigen Scheiben eines Militärtransporters. Drei Zeitsoldaten (und eine Sanitäterin) am Hindukusch. Vielleicht sind sie 24, 25 Jahre alt. Alles, was dieser „Auslandseinsatz“ bedeuten kann, steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Green Card fürs Abenteuer, vaterländische Pflichterfüllung, gute und gut gemeinte Menschlichkeit und, tja, endlich mal Soldat zu sein außerhalb des Truppenübungsplatzes.

Man muss kein Drehbuch schreiben, um zu wissen, welche Risiken diese Ausgangslage birgt - aber Holger Karsten Schmidt gelingt ein kluger Zugriff. Schmidt erspürt die Tragik wechselnder Allianzen, vermisst den Graben zwischen Uniform und Überforderung.

Zeit für die Begegnung mit einer Katastrophe

Die „Isaf“-Boten sollen einem Dorf helfen. Die Schule haben US-Bomber aus Versehen vernichtet, die Tyrannei der Taliban kostete ein Mädchen des Dorfes die halbe Hand. Tatsächlich glückt den jungen Soldaten eine Annäherung. Doch mit dem Vertrauen weichen die Fronten anders auf als gewünscht. „Wir lassen unsere Mädchen in die Schule, und Ihr fackelt unser Opiumfeld nicht ab“ – ist das ein Geschäft für mehr Menschlichkeit?

Till Endemanns Regie lässt sich Zeit für die Begegnung mit einer Katastrophe, die seit Jahren Alltag ist. Er fordert Geduld von uns, und vermittelt ein Gefühl für die Hilflosigkeit der Helfer, denen der Einsatz alle Illusionen über einfache Lösungen raubt. Daniel (Max Riemelt) wird genötigt, den Tod eines Kindes zu vertuschen („Kollateralschaden“), Ronnie (Hanno Kofler) legt die Rambo-Rüstung mit jedem Tag ein Stück mehr ab. Emal (Omar El-Saeidi) holen die Schatten seiner Kindheit am Hindukusch ein.

Eskalation einer Extremsituation

Ein eher reißerisches Draufgänger-Finale könnte man dem Film ankreiden. Aber er wäre unehrlich und beschönigend, verzichtete er auf eine blutige Eskalation einer Extremsituation, in der das Menschenrecht kaum mehr ist als ein Anhaltspunkt.

„Auslandseinsatz“ ist eine erdachte Geschichte. Den Nachrichten der Korrespondenten steht ihr Rang darum nicht nach. Selbst in Schulen könnte der Film Anschauungsmaterial sein, einen Begriff zu machen von dem, was von den Schreibtischen der Weltmächte so plausibel klingt und in Menschengestalt zum Scheitern verurteilt ist.

Lars von der Gönna



Kommentare
17.10.2012
11:43
Qualitätsfernsehen - ARD zeigt „Auslandseinsatz“ am Hindukusch
von jessiesrevenge | #3

da bin ich ja mal gespannt. denn im netz is die meinung zu den film wohl eher zweigeteilt, 50% jubeln ihn bis nach hollywood und 50% vermisssen die Realität in diesen film. wenn ich schon lese plattes drehbuch, hilflose dialoge, hollywoodsterotyp und so weiter, so hört sich das komplett anders an als es hier geschildert wird.

17.10.2012
11:39
Qualitätsfernsehen - ARD zeigt „Auslandseinsatz“ am Hindukusch
von grundwissen | #2

Auslandeinsatz der Bundeswehr! Die Fähigkeit der Kriegsführung weltweit. Wes Geistes Kind ist die Jury des schwedischen Nobelkomitees, der EU und Deutschland dafür einen Friedensnobelpreis zu verabreichen?

17.10.2012
11:33
Qualitätsfernsehen - ARD zeigt „Auslandseinsatz“ am Hindukusch
von grundwissen | #1

Schätzungsweise 85 Prozent des weltweit vertriebenen Heroins haben ihren Ursprung hier. Dramatisch nicht nur für die Abhängigen in Europa, sondern auch für die afghanischen Bauern: sie werden von den mafiösen Strukturen, die die großen Profite aus dem illegalen Geschäft ziehen, mit Gewalt zum Anbau von Schlafmohn gezwungen – unter den Augen und Gewehren der deutschen Bundeswehr. Seit elf Jahren, seit Beginn des »Krieges gegen den Terror« der NATO, hält die deutsche Armee ein eigenes Protektorat im Norden des Landes. Das Militär hat längst Frieden mit der Drogenmafia gemacht. Der »Krieg gegen den Terror« ist ein bewaffnetes Schutzkommando für Drogenbarone geworden. Von den hehren Versprechen, die mit dem Bundeswehrmandat verknüpft waren – Demokratie, Gleichberechtigung für Frauen, Aufbau der geschundenen Wirtschaft –, ist nicht viel übrig geblieben. 2014 soll ein Teil der westl. Besatzungstruppen abziehen. Aber die USA wollen weiterhin rund 35 000 Mann auf Jahrzehnte dort belassen!

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