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TV-Herbst

ProSieben und Sat.1 setzen auf Eigenproduktionen

23.07.2010 | 15:59 Uhr
ProSieben und Sat.1 setzen auf Eigenproduktionen
Das prägende Sender-Gesicht von ProSieben: Schauspieler Christoph Maria Herbst Foto: Torsten Silz/ddp

München.Über Münchens Kongresshalle ziehen dunkle Wolken auf. Drinnen, beim TV-Konzern ProSiebenSat.1, herrscht eitel Sonnenschein: Die vier Sender der börsennotierten Mediengruppe sind vor der WM in der Publikumsgunst gestiegen, der Werbemarkt ruckt. Kein Wunder, dass die Fernsehmacher milde gestimmt in den Herbst starten.

Ein Grund dafür hat gerade Abi gemacht und, nebenher, den Eurovision Song Contest gewonnen. Pflichtgemäß beschwört Lena Meyer-Landrut mit ihrem Siegertitel „Satellite” ProSiebens glanzvollsten Moment noch einmal. Zudem steht ihre erste Tour an. Auf der Bühne wirkt die Pop-Lolita, wie stets im kleinen Schwarzen, noch zierlicher als ohnehin, ihre Stimme klingt leicht belegt. War’s die Hitze der letzten Tage, war’s der Stress der letzten Monate? Ihre Präsenz auf und abseits der Bühne indes bleibt taufrisch. Die rehäugige 19-Jährige spielt ihren Mädchen-Charme aus und schafft, schlagfertig, zugleich Distanz, um nicht vom gierigen Show-Geschäft gefressen zu werden.

Fernsehstars aus NRW

Wie launisch das Geschäft ist, lassen Ulla Kock am Brink und Oliver Pocher bei ihren Moderationen durchblicken: Die Show-Frau weiß, wie hart es ist, nach langer Pause wieder rein zu kommen, und Harald Schmidts Lehrling weiß, dass er, bei bleibend mauer Quote, bald rausfliegt. Als wahrer Nachfolger von „Dirty Harry” empfiehlt sich Christoph Maria Herbst. Als Programm-Führer watscht er, wie sein Vorbild, auch mal seine Sender ab. Nicht nur im Saal, sondern auch im Fernsehen zeigt der Star von „Stromberg” und „Switch Reloaded” eine neue Facette: als TV-Fahnder in “Kreutzer kommt” bei ProSieben.

Aufwendige Filme

Der Erfolg der Eigenproduktionen macht der Sendergruppe Mut, da weiterzumachen, wo „Danni Lowinski” und „Der letzte Bulle” aufgehört haben. Sat.1 zeigt eine Fülle meist romantischer Komödien und leistet sich obendrein aufwendige Produktionen wie die Roman-Verfilmungen „Die Säulen der Erde” und „Die Wanderhure” sowie die TV-Aufarbeitung des Falls Marco in „247 Tage“.

Neue Akzente will Sat.1 zudem bei leicht verdaulicher Information setzen. Miriam Pielhau lockt „ins Grüne” (Titel) – und garniert den Hobbygärtner-Trend mit bewegten Bildern. Ebenfalls neuartig: Das „Clever”-Duo Wigald Boning und Barbara Eligmann begibt sich als „Die Insider” auf eine digitale Reise durch den menschlichen Körper. Überhaupt spielt das Thema Gesundheit eine stärkere Rolle als bisher – etwa mit der Doku-Reihe „Diagnose Hoffnung”.

Diese Diagnose lässt sich für die Genres Rechts-Doku und Brutzel-Show nur bedingt stellen. Dennoch startet „Eine Anwältin für alle Fälle” bei Sat.1. Und ob „Deutschlands Meisterkoch” (Sat.1) und „Jumbos Würstchen-Millionär” (Kabel Eins) beim Publikum in die Pötte kommen, steht dahin.

Seine wohl letzte Chance bei Sat.1 erhält Oliver Pocher. Der Ex-Krawallo präsentiert sich familienfreundlich als „Lieber Onkel Olli”. Der Mann, der gern austeilt, muss dabei einstecken - es grüßt von ferne „Schlag den Raab”.

Purer Spaß

Für puren Spaß stehen bei Sat.1 die neue Impro-Show „Wir müssen reden” mit Annette Frier und Cordula Stratmann, das „R-Team” aus rüstigen Ruheständlern veräppelt junges Volk, und „Rock statt Rente” macht Senioren zu Popstars – wie bei „Young@heart“. Die Bildschirm-Jugend will das einstige MTV-Duo Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt mit ProSiebens Spiel-Show „17 Meter” bespaßen.

Kabel Eins setzt mit zwei Dokus auf Reiz und Risiko der Fremde: „Stellungswechsel – Job bekannt, fremdes Land” und „Hinter fremden Gittern”. Zudem wetteifern Promis bei der spektakulären Spiel-Show „Fort Boyard”. Keine Angst, das französische Gemäuer ist kein Dschungel-Camp – die Prämie dient einer guten Sache.

Der junge digitale Frauensender Sixx wartet in erster Linie mit US-Hochglanzserien auf. Zudem leistet er sich eine programmatische Eigenproduktion: „Freundinnen“ (Titel) laden ein zum „Mädelsabend mit Biss“.

Jürgen Overkott

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