„Polizeiruf 110“ – Tschüss, Wachtmeister Horst Krause

Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) und Polizeihund Haduck düsen ab in Richtung Ruhestand.
Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) und Polizeihund Haduck düsen ab in Richtung Ruhestand.
Was wir bereits wissen
Nach 17 Jahren geht Dorf-Bulle Krause in den Fernsehruhestand. Volksschauspieler Horst Krause schuf eine unverkennbare Figur, die einen Abschied in Moll hinlegt.

Berlin.. „Vertraue keinem, nicht mal deinen Freunden! Das hast du mir selbst gesagt.“ Olga Lenski (Maria Simon) ist in diesem Punkt knallhart. Ihr alter Kollege indes, Wachtmeister Krause (Horst Krause), hat alle Illusionen verloren. „Zeit zu gehen“, brummelt er. Und genau das tut er. Auf warme Worte zum Abschied hat er keine Lust. Der sonst überkorrekte Brandenburger Dorfbulle schleicht sich schließlich still davon, mit seinem besten Freund, dem Hund. Das letzte Bild beschwört Nostalgie. Krause juckelt mit seinem uralten Beiwagen-Krad im Gegenlicht über eine brandenburgische Alleestraße.

Ein Abschied in Moll.

Ein Abschied nach 17 Bildschirm-Jahren.

Eine Ära endet.26 Mal war der Schauspieler Horst Krause als TV-Fahnder Horst Krause zu sehen. Mit ihm geht auch ein Stück der ostdeutschen Geschichte.

Der Dorfpolizist in Uniform

Der 73-jährige Berliner war schon vor dem Mauerfall als bekennender Volksschauspieler im „Polizeiruf 110“ zu sehen – der Antwort des Ostens auf die „Tatort“-Krimis der ARD. Als Krause 1998 erneut dem „Polizeiruf“ folgte, verkörperte er fürs Fernsehvolk zwischen Rostock und Radebeul ein Stück Tradition.

ZDF Deshalb wurde Krause altmodisch bis an die Grenze der Karikatur ausstaffiert: ein schweres Krad mit Hartschalen-Sitzen, Boxer-Motor und Beiwagen. Er selbst trug einen Halbschalen-Helm, der dem schwergewichtigen Schauspieler niemals gepasst hatte. Immerhin war der Dorfpolizist einer von wenigen Fernsehfahndern, die Uniform trugen.

Glaubwürdig wurde der Land-Ermittler aus dem dünn besiedelten Berliner Umland, in dem er den Akzent seiner Heimat nie versteckte. Im Gegenteil: Er kultivierte ihn sogar. Ein weiteres Markenzeichen war seine gemächliche Gangart, die zu seiner Person und zugleich auch zu dem ländlich langsamen Lebenstempo der Region passte.

Maria Simon spielt Krauses junge Gegenfigur

Dem entsprach auch die zuweilen betuliche Erzählweise seiner Fälle. Das machte den Brandenburger „Polizeiruf“ unverkennbar in einer Krimi-Landschaft, deren Kommissariate immer austauschbarer werden.

Um die Krause-Krimis nicht zu Meditationen über Polizeiarbeit zu degradieren, stellte der verantwortliche ARD-Sender RBB dem Hauptdarsteller vor vier Jahren eine junge Kollegin als Kontrastfigur zur Seite. Maria Simon sorgt als junge Beamtin mit Öko-Vorlieben für die nötige Reibung. Weil sie trotz sanften Säuselns zuweilen nervig hartnäckig ermittelt, ermöglicht sie Krause, beim Publikum mit Bier-Ruhe zu punkten.

Serien-Star Das gilt auch für Krauses letzten Einsatz. Der Absturz eines Kunstfliegers stellt Krause vor ein Problem. Privates kollidiert mit Dienstlichem.

Ein tragisches Ende wird unvermeidbar

Die Angehörigen des jungen Mannes gehören zum Bekanntenkreis des Ermittlers. Sie leben in einer unkonventionellen Beziehung: Catherine Reef (Ursina Lardi) bekennt sich öffentlich zu einer Dreierbeziehung mit Mann (Martin Feifel) und Freund (Bernhard Schir). Bald stellt sich heraus, dass die Verschmelzung von Privatem und Geschäftlichem immer weniger funktioniert. Ein tragisches Ende wird schnell greifbar. Es macht nicht nur Krause nachdenklich.

Fazit: Fans von Horst Krause werden den gut fotografierten Krimi lieben.

Sonntag, ARD, 20.15 Uhr