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Flughafendebakel

Platzeck bei Jauch zum BER - "Entweder das Ding fliegt, oder ich fliege"

14.01.2013 | 08:48 Uhr
Platzeck bei Jauch zum BER - "Entweder das Ding fliegt, oder ich fliege"
Matthias Platzeck verknüpfte im Jauch-Talk seine politische Zukunft mit der des BER.Foto: ARD

Essen.  Die Verantwortlichen des Flughafendebakels in Berlin sind offenbar sehr kamerascheu. Einzig Matthias Platzeck, der Mittwoch den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen will, traute sich in Günther Jauchs ARD-Talk. Wie gravierend die Probleme beim „BER“ wirklich sind, wollte oder konnte er nicht sagen.

Die meisten Verantwortlichen des Flughafendebakels in Berlin bleiben in Deckung. In Günther Jauchs ARD-Talk zum Thema "Die Flughafenversager – was kosten uns planlose Politiker“ hatte sich nur Matthias Platzeck (SPD) gewagt: Der brandenburgische Ministerpräsident, bislang  stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, will am Mittwoch den Vorsitz im Aufsichtsrat von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit übernehmen . Selbstverständlich sah er sich inmitten dieser Diskussionsrunde einem Kreuzverhör ausgesetzt. Und so, wie er dort rumdruckste und sich in Phrasen wand, merkte man: Es muss alles noch viel schlimmer sein, als man ahnt.

Mutig ist er ja. Vielleicht war sein Auftritt bei Jauch aber auch einfach eine Flucht nach vorne, Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung. Denn gleich zu Anfang stellte Platzeck fest: „Ich knüpfe mein politisches Schicksal an den Flughafen: Entweder es wird was und das Ding fliegt, oder ich fliege.“ So eine klare Ansage zum BER hatten viele beim ersten Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Klaus Wowereit, vermisst.

Günther Jauch gab fragte ungewohnt kritisch und hartnäckig

Mittwoch rückt Platzeck wahrscheinlich auf dessen Posten nach und möchte natürlich alles besser machen. Zum Beispiel: Für ein „besseres Betriebsklima in der Flughafengesellschaft sorgen“, die „Akzeptanz in der Bevölkerung“ verbessern und als qualitätsfördernde Maßnahme dem „Aufsichtsrat ein Controlling an die Seite stellen“. Ob er die Aufgaben eines „Aufsichts-„rates nicht verstanden haben, fragten sich da die anderen Diskussionsteilnehmer, allen voran Renate Künast (Bündnis 90 / Die Grünen).

Pannenserie
Flughafen-Debakel: Platzeck stellt Vertrauensfrage

Es ist eine Premiere - erstmals stellt ein brandenburgischer Regierungschef die Vertrauensfrage im Landtag. Der Grund: das Debakel um den Hauptstadtflughafen. Matthias Platzeck (SPD) kann allerdings mit einer Mehrheit rechnen – selbst die Linke gibt ihm Rückendeckung.

Ein außergewöhnlich kritischer und hartnäckiger Günther Jauch ließ in diesen 60 Minuten nichts unversucht, um Platzeck doch noch das eine oder andere Teilgeständnis zu entlocken. Zum Beispiel, ob der bis jetzt gebaute Flughafen, der Airport „Berlin Brandenburg Willy Brandt“, noch zu retten sei. Hier sprang Jauch ein anderer Talkgast zu Seite: Klaus Grewe war als Projektleiter verantwortlich für den Bau der olympischen Gebäude in London und hat dabei seine anfängliche Kostenschätzung am Ende noch unterboten. Das habe er geschafft, weil für jeden der 14.000 einzelnen Bauvorgänge eine Risikobewertung vorlag, aus deren Summe sich dann das Gesamtbudget zusammensetzte.

Wird der Flughafen erst in zwei Jahren fertig?

In Deutschland werde beim Bau öffentlicher Gebäude lieber knapp kalkuliert , kritisierte zuvor der Journalist Hugo Müller-Vogg. Das habe zu dem Berliner Debakel geführt. Grewes Schlussfolgerung jedenfalls war: „Manchmal kann abreißen billiger sein, als etwas abzubauen.“ Zunächst müsse der Flughafenbau einer Bestandsaufnahme unterzogen werden, dann müsse man einen genauen Plan für den Weiterbau erstellen. Dauer: Mindestens ein Jahr. Ungläubig reagierte nicht nur Jauch: Nach dieser Rechnung wäre der Flughafen frühestens in zwei Jahren fertig. Platzeck sagte dazu nichts.

Flughafen
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Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist zum Synonym für Pannen und Verzögerung geworden. Die Jet-Betankung funktioniert nicht, Computer können überhitzen, selbst die Bäume wurden falsch gepflanzt. Aber der größte Fehler des Milliardenprojekts Flughafen Berlin-Brandenburg: mangelnder Brandschutz.

Der bitterste Moment der Sendung kam dann, als drei Leidtragende des Flughafenfiaskos ihre Geschichte erzählten. Eine Unternehmerin, die bereits ihr Spielzeuggeschäft im Terminal eingerichtet hat und jetzt wieder dort ausziehen muss. Ein Busunternehmer, der drei Shuttlebusse gekauft hat und diese jetzt mit Verlust wieder verkaufen muss. Und eine Firmeninhaberin, die als Subunternehmerin beim Flughafenbau tätig war und mit ihrer Firma jetzt Insolvenz anmelden musste.

Über die Abfindung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz kann sie nur verständnislos den Kopf schütteln: „Mit 1,8 Millionen Euro hätte ich meinen Betrieb drei Mal retten können – ich rede hier von 17 Angestellten.“ Zu Jauchs Nachfrage, ob diese Summe denn wirklich angemessen sei, wollte Platzeck erneut nichts sagen. „Ich diskutiere hier keine Personalfragen.“ Die Leidtragenden der BER-Misere würden, soweit es möglich sei, entschädigt. Ob einer von ihnen daran glaubt, ist fraglich.

Pia Mester


Kommentare
14.01.2013
22:35
Flughafen BER
von akaz | #6

Der Bibelclip im RTL-Videotext fand ich sowas von passend, dass ich ihn zitieren darf (Lukasevangelium Kapitel 14, Vers 25 - 35):

Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor nieder und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? auf dass nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht zu vollenden vermag, alle, die es sehen, anfangen ihn zu verspotten und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und vermochte nicht zu vollenden.

Gilt natürlich auch für die anderen Pharaonenprojekte.

14.01.2013
12:01
Generalfehler Aufsichtsrat
von vaikl2 | #5

Nach dem Eklat über den falschen Standort die Fehlentscheidung der drei Eigner Bund, Brandenburg und Berlin, die Planung und Ausführung aus Kostengründen keinem Generalunternehmer zu überlassen, dann die noch größere Fehlentscheidung, einen auf Überwachung der Geschäftsführung beschränkten Aufsichtsrat mit handlungsschwachen *Politikern* an der Spitze zu besetzen - effektiver hätte man dieses Projekt nicht an die Wand fahren können.

Wowereit und Platzeck sind von Beginn an eine taktische Fehlbesetzung erster Güte gewesen, da ihr AR-Job sie auf eine rosarote Sichtweise bindet und der Blick für die Realitäten außerhalb von gelogenen Geschäftsführer-Rapports verloren ging.

14.01.2013
11:39
Gut , Schnell, Billig
von fummel | #4


Gut und Schnell ist nicht Billig

Schnell und Billig ist nicht Gut

Billig und Gut ist nicht Schnell

14.01.2013
11:11
Matthias Platzeck zeigt sich bei Günther Jauch - und sagt wenig zum Flughafen
von Eduard79 | #3

"Günther Jauch gab fragte ungewohnt kritisch und hartnäckig"

Alle Tage wieder...anscheinend nicht ein einziger aufmerksamer Korrekturdurchlauf.

14.01.2013
10:53
Matthias Platzeck zeigt sich bei Günther Jauch - und sagt wenig zum Flughafen
von Pit01 | #2

Immerhin hatte Platzeck den Mut zu erscheinen, den hatten andere wohl nicht und tauchten ab. #1 Sie haben da Recht bezügl. Controlling.

14.01.2013
09:58
Matthias Platzeck zeigt sich bei Günther Jauch - und sagt wenig zum Flughafen
von DerNachdenker | #1

Besonders erschreckend an dieser Sendung war, dass offensichtlich niemand Ahnung hat. Künast und Platzeck sprachen immer von Controlling hier und Controlling da, weil Kontrolle ja sehr wichtig sei.

Hallo??? "Controlling" hat mir "Kontrolle" absolut gar nichts zu tun. Controlling ist ein operatives Steuerungsinstrument. Es dient NICHT dazu, die Arbeit anderer zu kontrollieren.

Wenn schon so grundlegende Begrifflichkeiten allen Beteiligten offenkundig unbekannt sind ist es kein wunder, dass die Verteilung der einzelnen Gewerke (schon bei einem "kleinen" Hausbau eine Idiotie) schiefgegangen ist.

1 Antwort
Matthias Platzeck -
von cvoertzen | #1-1

Ein gutes Controlling sollte projektbegleitend (von der Ausschreibung bis zur Gewährleistung) dafür sorgen, daß man nicht erst am Tag vor der geplanten Einweihungsfeier aus allen Wolken fällt. Jetzt wird angeblich eins "nachinstalliert", und alle Spitzenpolitiker können sich entspannt zurücklehnen. Sie übernehmen ab sofort selbstverständlich irgendwie voll die volle Voll-Verantwortung, oder so, denn nun sind doch andere für den Erfolg verantwortlich. Und weglaufen geht ja schon mal gar nicht, wie Party-Wowi uns in seiner Eigenschaft als Ehrenmann aufgeklärt hat.Kollege Platzeck wirkt in seiner ganzen Erbärmlichkeit allerdings fast schon so, dass er einem Leid tun könnte.
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