Platzeck bei Jauch zum BER - "Entweder das Ding fliegt, oder ich fliege"

Matthias Platzeck verknüpfte im Jauch-Talk seine politische Zukunft mit der des BER.
Matthias Platzeck verknüpfte im Jauch-Talk seine politische Zukunft mit der des BER.
Foto: ARD
Was wir bereits wissen
Die Verantwortlichen des Flughafendebakels in Berlin sind offenbar sehr kamerascheu. Einzig Matthias Platzeck, der Mittwoch den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen will, traute sich in Günther Jauchs ARD-Talk. Wie gravierend die Probleme beim „BER“ wirklich sind, wollte oder konnte er nicht sagen.

Essen.. Die meisten Verantwortlichen des Flughafendebakels in Berlin bleiben in Deckung. In Günther Jauchs ARD-Talk zum Thema "Die Flughafenversager – was kosten uns planlose Politiker“ hatte sich nur Matthias Platzeck (SPD) gewagt: Der brandenburgische Ministerpräsident, bislang stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, will am Mittwoch den Vorsitz im Aufsichtsrat von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit übernehmen. Selbstverständlich sah er sich inmitten dieser Diskussionsrunde einem Kreuzverhör ausgesetzt. Und so, wie er dort rumdruckste und sich in Phrasen wand, merkte man: Es muss alles noch viel schlimmer sein, als man ahnt.

Mutig ist er ja. Vielleicht war sein Auftritt bei Jauch aber auch einfach eine Flucht nach vorne, Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung. Denn gleich zu Anfang stellte Platzeck fest: „Ich knüpfe mein politisches Schicksal an den Flughafen: Entweder es wird was und das Ding fliegt, oder ich fliege.“ So eine klare Ansage zum BER hatten viele beim ersten Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Klaus Wowereit, vermisst.

Günther Jauch gab fragte ungewohnt kritisch und hartnäckig

Mittwoch rückt Platzeck wahrscheinlich auf dessen Posten nach und möchte natürlich alles besser machen. Zum Beispiel: Für ein „besseres Betriebsklima in der Flughafengesellschaft sorgen“, die „Akzeptanz in der Bevölkerung“ verbessern und als qualitätsfördernde Maßnahme dem „Aufsichtsrat ein Controlling an die Seite stellen“. Ob er die Aufgaben eines „Aufsichts-„rates nicht verstanden haben, fragten sich da die anderen Diskussionsteilnehmer, allen voran Renate Künast (Bündnis 90 / Die Grünen).

Pannenserie Ein außergewöhnlich kritischer und hartnäckiger Günther Jauch ließ in diesen 60 Minuten nichts unversucht, um Platzeck doch noch das eine oder andere Teilgeständnis zu entlocken. Zum Beispiel, ob der bis jetzt gebaute Flughafen, der Airport „Berlin Brandenburg Willy Brandt“, noch zu retten sei. Hier sprang Jauch ein anderer Talkgast zu Seite: Klaus Grewe war als Projektleiter verantwortlich für den Bau der olympischen Gebäude in London und hat dabei seine anfängliche Kostenschätzung am Ende noch unterboten. Das habe er geschafft, weil für jeden der 14.000 einzelnen Bauvorgänge eine Risikobewertung vorlag, aus deren Summe sich dann das Gesamtbudget zusammensetzte.

Wird der Flughafen erst in zwei Jahren fertig?

In Deutschland werde beim Bau öffentlicher Gebäude lieber knapp kalkuliert, kritisierte zuvor der Journalist Hugo Müller-Vogg. Das habe zu dem Berliner Debakel geführt. Grewes Schlussfolgerung jedenfalls war: „Manchmal kann abreißen billiger sein, als etwas abzubauen.“ Zunächst müsse der Flughafenbau einer Bestandsaufnahme unterzogen werden, dann müsse man einen genauen Plan für den Weiterbau erstellen. Dauer: Mindestens ein Jahr. Ungläubig reagierte nicht nur Jauch: Nach dieser Rechnung wäre der Flughafen frühestens in zwei Jahren fertig. Platzeck sagte dazu nichts.

Flughafen Der bitterste Moment der Sendung kam dann, als drei Leidtragende des Flughafenfiaskos ihre Geschichte erzählten. Eine Unternehmerin, die bereits ihr Spielzeuggeschäft im Terminal eingerichtet hat und jetzt wieder dort ausziehen muss. Ein Busunternehmer, der drei Shuttlebusse gekauft hat und diese jetzt mit Verlust wieder verkaufen muss. Und eine Firmeninhaberin, die als Subunternehmerin beim Flughafenbau tätig war und mit ihrer Firma jetzt Insolvenz anmelden musste.

Über die Abfindung von Flughafen-Chef Rainer Schwarz kann sie nur verständnislos den Kopf schütteln: „Mit 1,8 Millionen Euro hätte ich meinen Betrieb drei Mal retten können – ich rede hier von 17 Angestellten.“ Zu Jauchs Nachfrage, ob diese Summe denn wirklich angemessen sei, wollte Platzeck erneut nichts sagen. „Ich diskutiere hier keine Personalfragen.“ Die Leidtragenden der BER-Misere würden, soweit es möglich sei, entschädigt. Ob einer von ihnen daran glaubt, ist fraglich.